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Medizin

Operationsroboter verteuert Hysterektomie ohne Vorteile

Mittwoch, 20. Februar 2013

New York – Seit der Zulassung der robotergestützten Hysterektomie hat sich das neue Operationsverfahren in USA rasch ausgebreitet. Es führt laut einer Datenbank-Analyse im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2013; 309: 689-698) zu einem deutlichen Anstieg der Kosten, ohne dass sich die vom Hersteller beworbenen Vorteile gegenüber einer konventionellen laparoskopischen Operation bestätigen ließen.

Die Hysterektomie gehört in den USA zu den häufigsten Operationen. Jede neunte Frau lässt sich dort den Uterus zumeist aufgrund gutartiger Befunde entfernen. Ursprünglich wurde die Hysterektomie per Laparotomie durchgeführt. Im Jahr 2010 war der Anteil dieser offenen abdominalen Operation auf 46,6 Prozent gesunken, wie Jason Wright vom Columbia University College of Physicians and Surgeons in New York in einer Analyse der Datenbank „Premier Perspective“ herausfand, an der 441 Kliniken des Landes angeschlossen sind.

An zweiter Stelle stand mit 28,6 Prozent die laparoskopische Hysterektomie, die statt einer langen mehrere kurze Narben auf der Bauchhaut hinterlässt. Eine vaginale Hysterektomie, die (wenn sie gelingt) gar keine äußerlich sichtbaren Spuren hinterlässt, wurde 2010 bereits bei 20,7 Prozent der Frauen durchgeführt. Der Anteil dieser beiden Methoden ist in den letzten Jahren gestiegen.

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Die neueste Mode ist allerdings eine robotergestützte Hysterektomie. Die FDA hat das erste Gerät 2005 zugelassen, 2007 wurden 0,5 Prozent aller Hysterektomien robotergestützt durchgeführt, drei Jahre später waren es landesweit bereits 9,5 Prozent. An den Kliniken, die über einen Operationsroboter verfügen, wurde er 2010 bei jeder fünften Hysterektomie eingesetzt.

Vorteile gegenüber den anderen minimal-invasiven Eingriffen sind auf den ersten Blick nicht erkennbar, da auch der Roboter mehrere kleine Schnitte auf der Bauchhaut erfordert, und die vaginale Hysterektomie mithin das bessere kosmetische Ergebnis hinterlässt. Der Hersteller des Roboters wirbt (auch auf der deutschen Internetseite) mit dem Hinweis auf weniger Komplikationen, einem geringeren Blutverlust, kürzeren Kranken­haus­auf­enthalten sowie einem geringen Risiko einer Wundinfektion und beruft sich dabei auf kleinere klinische Vergleichsstudien.

In der klinischen Realität, die sich besser in einer Datenbankanalyse als in klinischen Studien an ausgewählten Patienten erfassen lässt, bleibt davon wenig übrig. Zwar konnte der Anteil der Patientinnen, die nach weniger als 2 Tagen entlassen werden konnten, gegenüber der laparoskopischen Operation von 19,6 auf 24,9 Prozent gesteigerte werden. Auch der Anteil der Patienten, die eine Bluttransfusion benötigten, sank von 1,8 auf 1,4 Prozent. Die Unterschiede waren jedoch statistisch nicht signifikant.

Die Gesamtkomplikationsrate konnte nicht gesenkt werden. Sie betrug nach laparoskopischer Operation 5,3 und nach robotergestützter Operation 5,5 Prozent. Einer leicht verminderten Rate von Wundkomplikationen (1,7 versus 2,0 Prozent) nach der robotergestützten Operation stand eine etwas höhere Rate von medizinischen Komplikationen (1,6 versus 1,2 Prozent) gegenüber, zu denen Thromboembolien, Herzinfarkte, Nierenversagen, Sepsis et cetera gehören.

Die Unterschiede waren allerdings auch hier nicht signifikant. Ins Auge sticht dagegen ein Anstieg der Gesamtkosten gegenüber der laparoskopischen Operation um 2.189 US-Dollar pro Fall. Für den Editorialist Joel Weissman vom Brigham and Women’s Hospital in Boston hat der Einsatz des Roboters deshalb keinen echten medizinischen Vorteil. © rme/aerzteblatt.de

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