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Medizin

Neuropathische Schmerzen: BfArM diskutiert Off-Label-Einsatz von Lamotrigin

Mittwoch, 20. Februar 2013

Bonn – Während eine Meta-Analyse der Cochrane Collaboration dem Antiepileptikum Lamotrigin kürzlich eine Wirkungslosigkeit bei neuropathischen Schmerz bescheinigt hatte, plant eine Expertengruppe das Mittel Off-label für diese Indikation zu empfehlen. Dies geht aus einer wissenschaftlichen Aufbereitung hervor, die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) jetzt veröffentlicht hat.

Die Expertengruppen Off-label wurden vom Ge­sund­heits­mi­nis­terium eingerichtet, um juristische Streitigkeiten zwischen Ärzten und Krankenkassen zu vermeiden, die sich bei der Verordnung von Medikamenten in nicht zugelassenen Indikationen immer wieder ergeben. Zu den häufigen Anlässen für den Off-label-Einsatz in der Neurologie gehört der neuropathische Schmerz, dessen Prävalenz auf 1 bis 8 Prozent geschätzt wird. Neuropathische Schmerz sind Folge von Nervenschäden, wie sie beispielsweise nach Schlaganfällen, bei HIV-Infizierten, als Trigeminusneuralgie oder im Rahmen der diabetischen Neuropathie auftreten.

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Einzelne Antiepileptika wie Carbamazepin, Gabapentin oder Pregabalin sind für einzelne Formen von neuropathischen zugelassen, erzielen aber nicht immer die erhoffte Wirkung, oder sie werden von Patienten nicht vertragen. Lamotrigin wird ebenfalls „Off-label“ eingesetzt. Eine Meta-Analyse der Cochrane-Association hat sich zuletzt im Januar 2011 klar gegen den Einsatz ausgesprochen. Die Experten stuften Lamotrigin im Gegensatz zu anderen Antiepileptika als unwirksam sein. Sie warnten wegen möglicher schwerer Hautreaktionen vor einem unkritischen Einsatz.

Die deutsche Expertengruppe Off-label aus dem Fachbereich Neurologie/Psychiatrie sieht dies anders. Insbesondere für das Anwendungsbereich zentrale neuropathische Schmerzen nach Schlaganfall („post-stroke pain“) hält sie aufgrund fehlender Alternativen einen Behandlungsversucht für gerechtfertigt.

Sie rät zu einer Dosis von ,200 mg mit langsamer Aufdosierung entsprechend den Empfehlungen im Anwendungsbereich Epilepsie. Bei Unverträglichkeit oder wenn nach einer Behandlungsdauer von 14 Wochen kein Effekt eingetreten ist, soll die Behandlung abgebrochen wird. Das BfArM fordert interessierte Fachkreise auf, innerhalb einer Frist von vier Wochen zu der Bewertung Stellung zu nehmen. Danach soll es eine Empfehlung an den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss geben. © rme/aerzteblatt.de

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