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Bewährungsstrafe wegen Betrugs für Apothekerin aus Halle

Donnerstag, 21. Februar 2013

Halle – Eine 74-jährige Apothekerin aus Halle ist am Donnerstag wegen Betrugs in neun Fällen vom Landgericht Halle zu einem Jahr und elf Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Zudem muss sie 200.000 Euro an die Landeskasse zahlen. Die Wirtschaftskammer des Gerichts setzte die Bewährungszeit auf zwei Jahre fest.

Die geständige Pharmazeutin hatte selbst Krebsmedikamente mit einer Substanz hergestellt, die für den griechischen Markt bestimmt, aber für Deutschland nicht zugelassen war. Dadurch habe sie einen höheren Gewinn erzielt, der ihr nicht zugestanden habe.

Zwischen Januar 2003 und Juli 2007 verwendete sie laut Gericht für die Zubereitung der Medikamente Arzneimittel, die sie von Firmen auf der Isle of Man und in Dänemark bezog und für die nicht die erforderliche Zulassung der zuständigen Bundesbehörde oder eine Genehmigung der Europäischen Union vorlag.
 

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Dabei handelte es sich um das Medikament Proleukin, das zur Behandlung von Nierenkrebs genutzt wird. Dieses Medikament wird auch in Deutschland verwendet, jedoch nur, wenn die konkrete Charge eine Zulassung für Deutschland besitzt, hieß es.

1,5 Millionen Euro Schaden bei den Kassen
Die Pharmazeutin aus Halle aber nutzte Proleukin aus Chargen, die für den griechischen Markt bestimmt waren. Dadurch erwirtschaftete sie einen höheren Gewinn, der ihr nicht zugestanden habe. Die Apothekerin rechnete bei den Krankenkassen den Preis ab, der für die in Deutschland zugelassene Substanz bestimmt war. Laut Gericht entstand den Kassen dadurch insgesamt ein Schaden von rund 1,5 Millionen Euro. Die 74-Jährige soll bereits mehr als 700.000 Euro Wiedergutmachung an die Kassen gezahlt haben.

Beim Strafmaß wurde unter anderem ihr Geständnis berücksichtigt. Außerdem hätten die Betrugsfälle mehrere Jahre zurückgelegen, und sie habe „sehr bereitwillig” schon vor der Hauptverhandlung eine bedeutende Summe an die Krankenkassen gezahlt, sagte der Vorsitzende Richter Helmut Tomöhlen.

Aus dem Proleukin habe die 74-Jährige ein Medikament hergestellt, das Patienten verabreicht worden sei. Dabei bestünden keine Zweifel, dass dieses Präparat aus medizinischer und pharmazeutischer Sicht nicht zu beanstanden war, sagte ein Gerichtssprecher.

Der zunächst noch erhobene Vorwurf des Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz und die übrigen in der Anklageschrift enthaltenen Betrugsvorwürfe waren nicht mehr Gegenstand der Verurteilung. Ursprünglich hatte die Anklage der Frau mehr als 80 Einzeltaten vorgeworfen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. © dapd/aerzteblatt.de

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