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Medizin

Flexibles Magnetband lindert gastroösophagealen Reflux

Donnerstag, 21. Februar 2013

Plymouth – Eine flexible Metallkette aus mehreren Magneten, die die Funktion des unteren Ösophagussphinkters stabilisieren soll, hat in einer Langzeituntersuchung im New England Journal of Medicine (2013; 368: 719-727) bei zwei von drei Patienten die pH-Werte im Ösophagus stabilisiert, die Symptome der meisten Patienten gelindert und den Bedarf an Säureblockern gesenkt. Eine Dysphagie kann jedoch die Entfernung des Magnetbands notwendig machen.

Die Studie, über die Robert Ganz von Minnesota Gastroenterology, einer Schwer­punktpraxis in Plymouth, und Mitarbeiter berichten, ist eine Auflage der Food an Drug Administration (FDA) an den Hersteller des „Reflux Management Systems“ Linx, das in den USA im März letzten Jahres zugelassen wurde und das auch in Europa vermarktet wird.

Linx besteht aus einer flexiblen Kette, deren Glieder aus titanummantelten Magneten bestehen. Die Kette wird in einem minimal-invasiven Eingriff um den unteren Ösophagus-Sphinkter gelegt und zu einem festen Ring geschlossen. Linx stabilisiert den Schließmuskel im Bereich der unteren Speiseröhre, dessen Insuffizienz eine Ursache für die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) ist, an der bis zu 20 Prozent der Erwachsenen leiden sollen und deren Leitsymptom das Sodbrennen ist.

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Die 100 Teilnehmer der Studie, die an 13 Zentren in den USA und einem in den Niederlanden durchgeführt wurde, hatten seit mindestens 6 Monaten unter einer GERD gelitten. Die Symptome hatten sich unter der Therapie mit Protonenpumpeninhibitoren (PPI) nur teilweise gebessert. PPI sind heute die Therapie der Wahl, wenn die Patienten sich nicht für eine Fundoplikatio nach Nissen entscheiden, bei der ein Teil des Magens kragenförmig um den unteren Ösophagus geschlungen wird. Linx könnte hierzu eine weniger invasive Alternative sein.

Der Erfolg der Therapie dürfte allerdings von den Langzeitergebnissen abhängen, die sich nach 3 Jahren noch nicht abschließend beurteilen lassen. Die jetzt von Ganz und Mitarbeitern vorgestellten Ergebnisse liefern jedoch einen ersten Überblick über die Resultate, die bei ausgewählten Patienten erzielt werden können. Ausgeschlossen waren Patienten mit einer großen Hiatushernie, einer schweren Ösophagitis, einem Body-Mass-Index (BMI) über 35 sowie Patienten mit Bewegungsstörungen des Ösophagus oder Dysphagien an drei oder mehr Tagen in der Woche.

Der Ausschluss einer Dysphagie ist wichtig, da die Dysphagie zu den wichtigsten Nebenwirkungen der Behandlung gehört. Linx soll zwar einen Reflux verhindern, die Kette darf aber die anterograde Passage von Nahrungsmitteln nicht behindern. Diese bleibt möglich, da der Druck der Peristaltik kurzzeitig die Anziehungskraft der Magnete überwindet.

Nach der Operation klagten zunächst 68 Patienten über eine Dysphagie. Der Anteil verminderte sich nach einem Jahr auf 11 Patienten und nach 3 Jahren auf 4 Patienten. Für insgesamt 3 Patienten war die Dysphagie Grund für die Entfernung des „Reflux Management Systems“. Bei weiteren drei Patienten wurde Linx wegen Übelkeit und Erbrechen entfernt. Die meisten anderen Patienten waren mit dem Ergebnis zufrieden: 93 Patienten konnten die PPI-Einnahme um mindestens die Hälfte reduzieren, bei 64 Patienten wurde der pH-Wert im unteren Ösophagus normalisiert. Die Autoren sind deshalb mit der Leistung von Linx zufrieden, das in einer ein- bis zweistündigen minimal-invasiven Operation implantiert wird.

Studie noch zwei weitere Jahre
Die Studie wird noch zwei weitere Jahre fortgesetzt. Der langfristige medizinische Erfolg dürfte davon abhängen, ob sich die Entwicklung eines Barrett-Ösophagus verhindern lässt. Sie ist die gefürchtete Spätfolge der GERD und ein Grund für den derzeitigen Anstieg des Adenokarzinoms in den Industrieländern. Die Frage wird sich allerdings schwerlich in einer Studie ohne Kontrollgruppe beantworten lassen.

In Deutschland implantieren dem Vernehmen nach zwölf Zentren das System. Sie wollen ihre Erfahrungen in einer Studie sammeln, um zu klären, ob sich die Ergebnisse unter deutschen Verhältnissen reproduzieren lassen. Ein möglicher Nachteil von Linx ist, dass die Patienten nach der Implantation nicht mehr im Kernspintomographen behandelt werden dürfen.

© rme/aerzteblatt.de

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