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Medizin

Mittelmeer-Diät schützt vor Herzinfarkt und Schlaganfall

Montag, 25. Februar 2013

dpa

Barcelona – Eine Mittelmeer-Diät mit vermehrter Zufuhr von Olivenöl oder Walnüssen, aber ohne Kalorienrestriktionen kann die Prävention von kardialen Risikopatienten wirkungsvoll unterstützen. In einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2013; doi: 10.1056/NEJMoa1200303) wurde die Rate schwerer kardiovaskulärer Ereignisse signifikant um 30 Prozent gesenkt. Auch eine tendenzielle Minderung der Gesamtsterblichkeit wurde in einer der wenigen großen Interventionsstudien zu Fragen der Ernährung festgestellt.

Die traditionelle mediterrane Kost, die auch in den Mittelmeerländern heute keineswegs mehr die Regel ist, zeichnet sich aus durch eine hohe Zufuhr von Olivenöl, Obst und Gemüse, Nüssen und Cerealien sowie den gemäßigten Konsum von Fisch und Geflügel. Milch, rotes Fleisch und Süßigkeiten werden dagegen seltener verzehrt, während ein Glas Wein regelmäßiger Bestandteil der Mahlzeiten ist.

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Diese Ernährungsweise wird kardialen Patienten seit Jahren ans Herz gelegt, die Evidenz beruht allerdings weitgehend auf prospektiven Beobachtungsstudien, in denen die Kost regelmäßig mit einer verminderten Rate von Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert ist, die aber nicht ausschließen können, dass andere Aspekte einer gesunden Lebensführung unabhängig von der Ernährung für den günstigen Einfluss verantwortlich sind.

Die einzige bedeutende randomisierte Interventionsstudie, die „Lyon Diet Heart Study“, hatte vergleichsweise wenige Teilnehmer (423 Postinfarktpatienten), sodass die Reduktion der kardiovaskulären Endpunkte trotz signifikanter Ergebnisse mit einem weiten 95-Prozent-Konfidenzintervall behaftet war, und viele Skeptiker nicht überzeugte.

Wesentlich größer war die „Prevención con Dieta Med- iterránea“ oder PERIMED-Studie, an der seit Oktober 2003 7.447 Männer (55 bis 80 Jahre) und Frauen (60 bis 80 Jahre) teilnahmen, die zwar noch keine kardiovaskuläre Diagnose hatten, bei denen aber aufgrund eines Typ 2-Diabetes oder dreier anderer Risikofaktoren (Rauchen, arterielle Hypertension, Dyslipidämie, Übergewicht oder positive Familienanamnese) damit gerechnet werden musste.

Die Teilnehmer wurden im gleichen Verhältnis auf drei Diäten randomisiert. Zwei Gruppen sollten sich traditionell mediterran ernähren: die eine erhielt zur Unterstützung kostenlos wöchentlich eine Flasche Olivenöl (Extra Vergine), die andere sollte täglich 30 Gramm Nüssen (15 Gramm Walnüsse, 7,5 Gramm Haselnüsse und 7,5 Gramm Mandeln) verzehren, die ebenfalls kostenlos zur Verfügung gestellt wurden. Die dritte Gruppe wurde zu einer fettarmen Diät angehalten. Zur Motivation wurden hier kleine Geschenke, aber keine Nahrungsmittel verteilt. Es gab keine Einschränkungen bei der Kalorienzufuhr und die Teilnehmer wurden nicht zu körperlicher Bewegung aufgefordert.

Die Teilnehmer der beiden mediterranen Diäten wurden von Ernährungsberatern betreut, in der Kontrollgruppe wurden zunächst nur Informationszettel ausgegeben. Später wurde auch in dieser Gruppe eine Beratung eingeführt, um die Chancengleichheit zu wahren.

Die kardiovaskulären Risikofaktoren (mehr als 80 Prozent hatte Hypertonie, etwa 50 Prozent einen Typ 2-Diabetes, 70 Prozent eine Dyslipidämie) wurden in allen drei Gruppen medikamentös behandelt: Die Hälfte der Patienten nahm ACE-Hemmer ein, jeder fünfte Diuretika, jeder vierte weitere Antihypertensiva, jeder dritte orale Antidiabetika oder Insulin, vier von zehn Statine. Die Studie untersuchte den präventiven Wert der Diät als Zusatz zur medikamentösen Therapie nicht als Alternative.

Primärer Endpunkt der Studie war die Rate von schweren kardiovaskulären Ereignissen (Herzinfarkt, Schlaganfall oder kardiovaskuläre Todesfälle). Wie Ramón Estruch von der Universitätsklinik Barcelona und Mitarbeiter jetzt auf dem International Congress on Vegetarian Nutrition in Loma Linda, Kalifornien, mitteilen konnte, wurde die Studie nach einer Laufzeit von 4,8 Jahren nach einer Zwischenauswertung abgebrochen, weil ein Vorteil der beiden mediterranen Diäten offensichtlich war.

Der primäre Endpunkt war zu diesem Zeitpunkt bei 288 Teilnehmern aufgetreten: 96 Teilnehmer im Arm mit der olivenreichen und 83 in der nussreichen Mittelmeerkost gegenüber 109 Ereignissen in der Kontrollgruppe. Estruch ermittelt eine adjustierte Hazard Ratio von 0,70 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,54-0,92) für die olivenölreiche und von 0,72 (0,54-0,96) für die nussreiche Mittelmeerkost.

Kardiovaskuläres Risiko um 30 Prozent gesenkt
Beide senkten das kardiovaskuläre Risiko demnach signifikant um etwa 30 Prozent, ein Ergebnis, das einem Wirkstoff gute Chancen auf eine Zulassung als Medikament eröffnen würde, auch wenn der Einfluss auf die Gesamtsterblichkeit (Hazard Ratio 0,81, 063-1,05, für die olivenölreiche und 0,95, 0,73-1,23 für die nussreiche Diät) nicht signifikant war.

Der absolute Nutzen ist naturgemäß geringer. Estruch gibt ihn mit etwa 3 kardiovas­kulären Ereignissen weniger pro 1.000 Behandlungsjahre an, wobei allerdings zu bedenken ist, dass die „Adhärenz“ mit der Diät keineswegs optimal war. Der Fisch­konsum stieg nur um 0,3 Mahlzeiten pro Woche, der Gemüsekonsum um 0,4 Mahlzeiten pro Woche, und von dem Liter Olivenöl konsumierten die Teilnehmer nur 350 Gramm in der Woche. Die Vorteile einer mediterranen Diät könnten deshalb noch größer sein, als die Studienergebnisse aufzeigen.

Da die PERIMED-Studie eine der wenigen randomisierten klinischen Studien zum Einfluss der Ernährung auf die Gesundheit ist, dürfte sie einen beträchtlichen Einfluss auf künftige Er­näh­rungs­emp­feh­lung­en haben. Die mediterrane Diät könnte zu einem Standard werden, wobei sich Er­näh­rungs­emp­feh­lung­en erfahrungsgemäß schwieriger umsetzen lassen als medikamentöse Therapien. © rme/aerzteblatt.de

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