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Medizin

Sprachverständnis beginnt schon vor der Geburt

Mittwoch, 27. Februar 2013

dpa

Amiens – Kinder können möglicherweise bereits während der späten Schwangerschaft Stimmen erkennen und zwischen verschiedenen Silben unterscheiden. Dies schließen französische Hirnforscher aus Untersuchungen an Frühgeborenen, die sie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2013, doi:10.1073/­pnas.1212220110) vorstellen.

Frühere Studien hatten gezeigt, dass die Entwicklung des Innenohrs bereits in der 23. Gestationswoche so weit abgeschlossen ist, dass akustische Signale in Nervenimpulse umgewandelt werden. In den letzten Schwangerschaftswochen ist auch das Gehirn so weit gereift, dass die Signale im Prinzip verarbeitet werden könnten. Viele Hirnforscher sind deshalb überzeugt, dass die Feten in den letzten Schwangerschaftswochen bereits mehr oder weniger verständig hören können. Einen Beweis hierfür liefert jetzt das Team um Fabrice Wallois von der Université de Picardie Jules Verne in Amiens in Frankreich.

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Die Forscher haben 12 Kinder untersucht, die zwischen der 28. und 32. Woche geboren wurden und keine Hinweise auf neurologische Schäden aufwiesen. Während die Kinder schliefen, wurden ihnen männliche und weibliche Stimmen vorgespielt. Gleichzeitig wurde die Hirnaktivität mittels Nahinfrarotspektroskopie gemessen. Dabei wird anhand der Absorption von Infrarotstrahlen auf die Sauerstoff-Oxygenierung im Hirngewebe geschlossen. Die Oxygenierung sinkt in stoffwechselaktiven Hirnregionen, da aktive Hirnzellen vermehrt Sauerstoff verbrauchen. Die Forscher verwendeten einen „optischen Tomographen“, der anhand mehrerer Messungen aus verschiedenen Richtungen eine dreidimensionale Darstellung ermöglicht.

Die Hirnaktivität der Kinder veränderte sich, wenn ihnen zunächst eine Zeitlang eine männliche Stimme vorgespielt, und dann auf eine weibliche Stimme gewechselt wurde. Die Forscher schließen daraus, dass das Gehirn zwischen den beiden Stimmen unterscheiden kann. Selbst der Wechsel zwischen verschiedenen Silben wie „ga“ oder „ba“ löste im Gehirn der Frühgeborenen eine Reaktion aus. Der Wechsel der Hirnaktivität fand dabei an denselben Regionen statt, die auch von Erwachsenen zur Spracherkennung genutzt werden.

Die Experimente belegen natürlich nicht, dass die Säuglinge (zumal im Schlaf) tatsächlich verstanden, was sie hörten. Die Ergebnisse könnten aber erklären, warum Kinder nach bald nach der Geburt zwischen der Stimme ihrer Mutter und anderen Stimmen unterscheiden können. © rme/aerzteblatt.de

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