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Charité: Multiresistente Keime auf einer Intensivstation

Mittwoch, 27. Februar 2013

Berlin – Die Berliner Charité sieht die Ausbreitung multiresistenter Keime auf einer Intensivstation im Campus Virchow-Klinikum mit Sorge. „Der Gesundheitszustand der Patienten ist stabil, aber sie sind schwer krank“, sagte der Ärztliche Direktor der Klinik, Ulrich Frei, am Mittwoch. Wie der Keim auf die Station gelangen konnte, ist noch unklar.

Am Dienstag hatte die Charité mitgeteilt, dass der Keim vom Typ Klebsiella pneumoniae (KPC) im Februar bei sechs Patienten nachgewiesen wurde: In vier Fällen wurde eine Infektion festgestellt, in zwei weiteren eine sogenannte Kolonisation – das heißt, die Menschen sind Träger der Keime, aber nicht krank. Zwei Patienten sind verstorben, nach Darstellung der Charité waren jedoch nicht die Keime die Todesursache, sondern die schweren Krankheiten. Eine Frau sei einem Krebsleiden erlegen, sagte Frei.

Die betroffene Intensivstation ist spezialisiert auf die Übernahme von Patienten aus anderen Krankenhäusern mit Lungen- oder Multiorganversagen.

Hygienikerin besorgt über Häufung der Fälle
Bei einer Infektion mit KPC treten den Angaben zufolge typische Infektionssymptome wie Fieber, schweres Krankheitsgefühl oder Atemnot auf. Eine Infektion ist nur mit wenigen Reserve-Antibiotika behandelbar, gegen herkömmliche Antibiotika ist der Keim resistent. Wie Frei berichtete, werden die betroffenen Patienten nun mit den Medikamenten Colistin und Refobazin behandelt – Antibiotika aus den 1970er Jahren, die aufgrund ihrer Nebenwirkungen eigentlich nicht mehr gebräuchlich seien.

Die Leiterin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Charité, Petra Gastmeier, zeigte sich besonders besorgt über die Häufung der Fälle. Während im vergangenen Jahr insgesamt nur zwei Patienten mit den Bakterien befallen worden seien, habe es jetzt innerhalb von zehn Tagen mehrere Fälle gegeben, sagte sie im RBB-Inforadio.

Auf der Station herrsche ein sehr hohes Niveau der Infektions-Prävention, etwa durch Desinfektion und eine regelmäßige Untersuchung aller Patienten. Dennoch werde jetzt kontrolliert, ob diese Maßnahmen auch wirklich strikt eingehalten werden, sagte Gastmeier.

Eine Erklärung, woher die Keime stammen, hat die Klinik nach Angaben Freis noch nicht: „Wir haben bislang keinen Hinweis auf eine Einschleppung aus Südosteuropa“, berich­tete er. Möglicherweise könne die Quelle des Erregers nicht abschließend geklärt werden. Entdeckt worden sei der Erreger, da bei den Patienten der betroffenen Station wöchentliche Darmabstriche gemacht würden.

Das bisher in Nordeuropa im Gegensatz zu Südosteuropa wenig verbreitete KPC-Bakte­rium ist nach Angaben der Charité in den vergangenen Jahren auf dem Vormarsch. So wurden seit Mitte 2010 mehrfach multiresistente Keime vom Typ KPC am Uniklinikum Leipzig nachgewiesen. © dapd/aerzteblatt.de

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