NewsMedizinFeuchte Raumluft inaktiviert Grippeviren
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Feuchte Raumluft inaktiviert Grippeviren

Freitag, 1. März 2013

dpa

Morgantown – Obwohl Grippeviren per Tröpfcheninfektionen übertragen wird, vermindert eine hohe Luftfeuchtigkeit vermutlich das Infektionsrisiko, wie realitätsnahe Simulationsexperimente in PLoS ONE (2013; 8: e57485) vermuten lassen. In einem Raum des Health Effects Laboratory der Universität von West Virginia in Morgantown standen sich zwei Versuchspuppen gegenüber.

Beide führten regelmäßige Atembewegungen durch. Auf Knopfdruck versprühte eine Puppe, der Hustensimulator, fünfmal in der Minute ein Aerosol mit jeweils 100 Millionen Grippeviren. Ein Bioaerosol-Sampler am Mund der zweiten Puppe fing sie auf. Die Messungen wurden im Verlauf der ersten Stunde mehrfach wiederholt. Das Team um John Noti „zählte“ per Polymerase-Kettenreaktion die Zahl der Viren und bestimmte mit einem „Viral plaque assay“ die Infektiosität.

Anzeige

Dabei stellte sich heraus, dass die relative Luftfeuchtigkeit der entscheidende Faktor für die Übertragung der Viren war. Sie hatte zwar nur einen geringen Einfluss auf die Zahl der aufgefangenen Viren, die Infektiosität der Viren war jedoch bei einer niedrigen Luftfeuchtigkeit deutlich höher: Bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 23 Prozent oder weniger hatten 70 bis 77 Prozent der Viren ihre Infektiosität behalten.

Bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 43 Prozent war der Anteil auf 14 Prozent abgefallen. Die größten Unterschiede in der Infektiosität wurden dabei in den Tröpfchen mit einem Durchmesser von unter einem Mikrometer gefunden, die beim Einatmen bis in die tiefen Atemwege vordringen. Dies könnte, wie Noti vermutet, das Ansteckungsrisiko weiter erhöhen.

Noti kann weiter zeigen, dass die Infektiosität – unabhängig von der Tröpfchengröße – in den ersten 15 Minuten am stärksten abnimmt. Nach einer Stunde waren bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 45 Prozent keine infektiösen Viren mehr nachweisbar. Bei einer Luftfeuchtigkeit von 20 Prozent wurden sie noch 4 bis 5 Stunden später nachgewiesen. Nodi schließt daraus, dass eine hohe Luftfeuchtigkeit die Ansteckungsrate bei der Grippe senkt. Die niedrige Luftfeuchtigkeit in beheizten Räumen könnte ein Grund für das Auftreten der Grippewelle in den Wintermonaten sein, mutmaßt der Forscher. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #663078
Patrick Moser
am Samstag, 2. März 2013, 09:26

Trockene Luft

Die Auswirkung trockener Luft auf Grippeviren wurde bereits in einem Forschungsergebnis vor 10 Jahren dokumentiert. Neu ist bei der aktuellen Studie der Versuchsanlagenaufbau. Neben dem Austrocknen der Schleimhäute könnte auch der Luftionen-Gehalt eine Auswirkung auf die Grippeviren haben. Das ist Basis eines aktuellen Forschungsprojekts. Mehr zur Thematik: http://www.trockeneluft.com
LNS

Nachrichten zum Thema

2. Juli 2020
Berlin – Impfen sollte auch in Zukunft eine primär ärztliche Leistung bleiben. Das betonte Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, gestern in Berlin. Er
Apotheker sehen Impfen als primär ärztliche Leistung
30. Juni 2020
Berlin – Deutschland ist weit von der in der Europäischen Union (EU) angestrebten Influenza-Impfquote von 75 Prozent bei chronisch kranken Personen entfernt. Besondere Impflücken gibt es bei Patienten
Influenza: Große Impflücken bei chronisch kranken Patienten
17. Juni 2020
Berlin – Die Bundesapothekerkammer (BAK) hat eine Leitlinie und ergänzende Materialien zur Grippeschutzimpfung in öffentlichen Apotheken sowie einen Lehrplan für die Schulung der Apotheker
Apotheken bereiten sich auf Grippeschutzimpfungen vor
9. April 2020
Berlin − Die Grippe macht Deutschland kaum noch zu schaffen. Positive Testergebnisse seien in der ersten Aprilwoche auf rund ein Prozent gesunken, teilte die Arbeitsgemeinschaft Influenza am
Grippewelle: Bisher 411 Tote registriert
2. April 2020
Frankfurt am Main − In der Coronakrise deckt sich Deutschland kurzfristig in großem Stil mit einem Präparat ein, das hilfsweise gegen die Lungenerkrankung COVID-19 zum Einsatz kommen soll. Wie
Deutschland deckt sich mit Hilfsmedikamenten gegen Coronavirus ein
11. März 2020
Koblenz – Die Grippewelle in Rheinland-Pfalz hält an: In diesem Jahr seien bereits 6.077 Fälle gemeldet worden, sagte der Sprecher des Landesuntersuchungsamtes (LUA), Achim Ginkel, in Koblenz. „Die
Bereits mehr als 6.000 Grippefälle in Rheinland-Pfalz
5. März 2020
Berlin – An der Influenza sind in dieser Saison in Deutschland nachweislich bereits rund 200 Menschen gestorben. Das geht aus den jüngsten Daten der Arbeitsgemeinschaft Influenza am
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER