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Medizin

Resistenzen: Pflanzenschutzmittel gefährden Wirksamkeit von Antimykotika

Freitag, 1. März 2013

Stockholm – Der häufige Einsatz von Triazol-Antimykotika in der Landwirtschaft und beim Warentransport hat zur Selektion resistenter Schimmelpilze geführt, die vereinzelt auch bei Patienten gefunden werden. Ein Report des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) befürchtet, dass die Resistenzen die Behandlung von Patienten gefährden könnten.

Die meisten Schimmelpilz-Infektionen beim Menschen erfolgen durch Aspergillus fumigatus. Die ECDC schätzt, dass es in Europa 2,1 Millionen Menschen mit einer allergischen Aspergillose gibt. 240.000 Menschen sollen jedes Jahr an einer chronischen Aspergillose erkranken, schreibt das Team um Niels Kleinkauf und Dominique Monnet vom ECDC in Stockholm in ihrem Report.

Hinzu kommen 63.250 Fälle einer invasiven Aspergillose, die die Therapie von Leukämien, Transplantationen, chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen und die Versorgung von Intensivpatienten komplizieren und mit einer erheblichen Letalität verbunden sind. Die Therapie erfolgt heute mit Triazolen (Fluconazol, Fosfluconazol, Itraconazol, Voriconazol und Posaconazol).

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Andere Triazole (Propiconazol, Tebuconazol, Epoxiconazol, Difenoconazol und Bromucazol) werden in der Landwirtschaft als Pflanzenschutzmittel oder zum Transportschutz von Möbeln und anderen Waren eingesetzt. Dabei ist es in den letzten Jahren zur Entwicklung von Resistenzen bei Schimmelpilzen gekommen. Diese werden seit einigen Jahren vereinzelt auch bei Patienten beobachtet.

Eine Unterscheidung von Resistenzen, die im Rahmen der klinischen Therapie von Pilzinfektionen erworben wurden, ist schwierig. Die Analyse der Resistenzgene und die Anamnese (keine Vorbehandlung mit Triazolen, kein Kontakt zu Patienten), lässt jedoch immer wieder eine Erwerbung aus der Umwelt vermuten.

Das Ausmaß des Problems lässt sich laut Kleinkauf und Monnet derzeit nicht abschätzen, da die Zahl der Untersuchungen klein sei und die Ergebnisse stark variieren würden. Letztlich sei eine Verbindung zu den Multi-Azol-Resistenzen in Landwirtschaft und Industrie nicht zweifelsfrei bewiesen, wenn auch wahrscheinlich.

Der Tenor des Reports lautet deshalb, die Surveillance und die Diagnostik resistenter Schimmelpilze zu verbessern, um einen potenzielle Wirkungsverlust der Azol-Antimy­kotika in der Medizin und eine Gefährdung der Patienten zu vermeiden. © rme/aerzteblatt.de

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