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Medizin

Prostatakrebs: Pflaster macht Kastration mit Östrogenen sicherer

Montag, 4. März 2013

London – Die parenterale Gabe von Östrogen über (mehrere) Medikamentenpflaster könnte eine sichere Alternative zur derzeitigen chemischen Kastration mit LHRH-Ago­nisten sein. Nach dem erfolgreichen Abschluss einer Phase-II-Studie in Lancet Oncology (2013; doi: 10.1016/S1470-2045(13)70025-1) untersuchen britische Onkologen jetzt den Einfluss auf die langfristige Prognose beim fortgeschrittenen Prostatakarzinoms.

Da Testosteron das Wachstum von Prostatakrebs fördert, zählt die Androgendeprivation zu den wichtigsten Therapien beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom. Östrogene gehörten zu den ersten Substanzen, die in den 60er Jahren zu diesem Zweck (damals als Alternative zur chirurgischen Kastration) eingesetzt wurden.

Es sind jedoch relativ hohe Dosierungen erforderlich, die bei einer oralen Therapie mit einer hohen Rate von thromboembolischen Komplikationen (Thrombosen, Herzinfarkt, Schlaganfall) verbunden waren. Die Therapie wurde deshalb Ende der 1980er Jahren zugunsten von LHRH-Agonisten wie Leuprorelin und Goserelin verlassen, die wie Östrogene die Testosteron-Bildung auf der Ebene der Hypophyse blockieren.

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Doch auch die langfristige Therapie mit LHRH-Agonisten geht mit schweren Komplikationen einher: Osteoporose, Knochenbrüche und Diabetes gehören zu den Folgen der Therapie. Unter der Annahme, dass viele Nebenwirkungen von Östrogenen Folge der Hormonwirkung auf die Leber sind – dort wird beispielsweise die Bildung von Gerinnungsfaktoren stimuliert - haben Ruth Langley vom Imperial College London und Mitarbeiter eine parenterale Applikation untersucht.

Östrogenpflaster können zumindest einen „First-Pass“-Effekt auf die Leber vermeiden. Um die erforderliche Dosis zu erreichen, mussten die Teilnehmer der Studie allerdings gleich vier Östrogen-Pflaster (mit eine Freisetzung von 100 Mikrogramm/24 Stunden) gleichzeitig aufkleben. Die Androgenblockade war sehr erfolgreich: Von den 121 Teilnehmern erzielten 111 (92 Prozent) nach 3 Monaten einen Abfall des Testosteron­wertes im Plasma auf unter 1,7 nmol/l, der heute der Zielwert einer chemischen Kastration ist. In der Vergleichsgruppe von 75 Patienten, die LHRH-Agonisten anwendeten, erreichten 70 (93 Prozent) das Ziel.

Die Östrogenpflaster, die die Patienten zweimal in der Woche wechselten, hatten keine negativen Auswirkungen auf den Blutzucker- und Cholesterinwert. Unter der Therapie mit LHRH-Agonisten kam es hier im ersten Jahr zu einem deutlichen Anstieg, der die Patien­ten mittelfristig einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko aussetzt.

Kurzfristig war die Rate von kardiovaskulären Ereignissen unter der Östrogentherapie mit 10,1 versus 7,1 Prozent höher. Langley hofft aber, dass auf lange Sicht die Androgenblockade mit Östrogenen die sichere Alternative sein könnte. Zeigen soll dies jetzt eine Anschlussstudie mit 660 Patienten, die auch den Einfluss beider Androgen­blockaden auf das Fortschreiten des Krebsleidens untersuchen soll. © rme/aerzteblatt.de

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