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Medizin

Salmonellen: Exotische Reptilien gefährden Säuglinge und Kleinkinder

Montag, 4. März 2013

Wernigerode – Beim Robert-Koch-Institut häufen sich die Fälle von Salmonellen-Infektionen mit seltenen Serovaren. Überträger sind laut einem Bericht im Epidemiologischen Bulletin (2013; 9: 71-79) häufig exotische Reptilien, die vor allem Säuglinge und Kleinkinder anstecken können.

Katzen, Hunde und Meerschweinchen sind längst nicht mehr die einzigen Haustiere. In vielen deutschen Haushalten leben heute auch Bartagamen, Wasseragamen, Schlangen, Leguane, Schildkröten, Chamäleons, Geckos, Skinks und andere Exoten, die dank moderner Mess- und Steuerungstechnik bessere Überlebenschancen haben.

Der Industrieverband Heimtierbedarf schätzt, dass in fast einer halbe Million Haushalte in Deutschland ein Terrarium mit mehr oder weniger exotischen Tieren steht. Weitgehend unbekannt ist allerdings, dass viele Tiere potenzielle 6Überträger von Krankheitserregern sind. Darunter sind auch Salmonellen. Bis zu 90 Prozent der exotischen Haustiere sind Träger und Ausscheider von Salmonellen und damit Infektionsquellen, berichtet Wolfgang Rabsch vom Nationalen Referenzzentrum für Salmonellen und andere bakterielle Enteritiserreger in Wernigerode.

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Dort identifizieren die Forscher neben S. Enteritidis aus rohen Eiern oder S. Typhimurium aus Fleischprodukte immer häufiger seltene Serovare wie S. Poona, S. Pomona, S. Apapa, S. Cotham, S. Kaneshie oder S. Jangwani, um nur einige zu nennen, die auf eine Herkunft in exotische Reptilien hinweisen.

Der Anteil der seltenen Serovare bei Kindern unter 2 Jahren ist laut Rabsch innerhalb von 5 Jahren von etwa 8 auf fast 20 Prozent gestiegen. Manchmal werden gleich mehrere Salmonellen übertragen. Bei einem 10 Monate alten Säugling, der acht Wochen nach einer Salmonellose erneut mit einer akuten Gastroenteritis stationär aufgenommen wurde, wurden vier verschiedene Salmonella-Serovare nachgewiesen. Wenn die Gesundheitsämter den Fällen nachgehen, stoßen sie immer wieder auf Familien, die gleich mit mehreren der nicht ungefährlichen Reptilien zusammen leben.

Die Salmonellen finden sich auf der Haut, im Rachen oder an der Kloake der Tiere. Eine Übertragung ist durch indirekten oder direkten Kontakt möglich. Gefährdet sind laut Rabsch vor allem YOPIS: Das Akronym steht für „young“, „old“, „pregnant“, „immunosuppressive“ und „children“ (unter 5 Jahren). Diese Personen sollten den Kontakt mit Reptilien meiden, rät Rabsch. Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) vertritt sogar die Ansicht, dass Reptilien in Familien mit Säuglingen und Kindern unter fünf Jahren überhaupt nicht gehalten werden sollten.

Auf jeden Fall sollten Kleinkinder laut Rabsch nicht im Aktionsbereich von Reptilien auf dem Boden krabbeln oder Gegenstände, die Kontakt zu Reptilien hatten, in den Mund nehmen. In den USA ist seit einem Handelsverbot von Schildkröten mit einem Panzerdurchmesser unter 10 cm die Zahl der Reptilien-assoziierten Salmonellosen um 77 Prozent gesunken, berichtet der Experte.

Diese Tiere waren von Säuglingen und Kleinkinder gerne in den Mund genommen worden. Um Infektion zu vermeiden, sollten Reptilienhalter strikte Hygieneregeln einhalten, fordert Rabsch. Die Reptilien sollten sich nicht frei in der Wohnung bewegen dürfen und sollten von Küche und anderen Orten ferngehalten werden, in denen Lebensmitteln zubereitet werden. © rme/aerzteblatt.de

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