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Medizin

Afrika: HIV-Präventions­studie scheitert am Desinteresse junger Frauen

Dienstag, 5. März 2013

dpa

Harare/Seattle – Eine große Studie zur Präexpositionsprophylaxe einer HIV-Infektion ist in Afrika nicht an der Wirkungslosigkeit der Medikamente, sondern an der fehlenden Adhärenz junger Frauen gescheitert, die ihr persönliches Infektionsrisiko grob unter­schätzen. Dies geht aus den Abschlussergebnissen der VOICE-Studie hervor, die auf der Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections (CROI) in Atlanta vorgestellt wurden.

In den letzten Jahren hatten mehrere Studien gezeigt, dass eine Präexposi­tions­pro­phylaxe erfolgreich sein kann. In der TDF2-Studie hatte die Kombination aus Emtricitabin und Tenofovir – als Truvada im Handel – das Infektionsrisiko von jungen Heterosexuellen in Botswana um 63 Prozent gesenkt. In der iPrEx-Studie in Latein­amerika, Südafrika und Thailand wurde eine Reduktion um 44 Prozent erzielt, und in der CAPRISA 004-Studie traten unter der perikoitalen Prophylaxe mit einem tenofovirhaltigen Vaginalgel zu 39 Prozent weniger Infektionen auf.

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Es gab aber auch Ausreißer: Dazu gehörte die FEM-PrEP-Studie, die 2011 wegen Erfolglosigkeit frühzeitig abgebrochen werden musste, weil Truvada Frauen aus Kenia, Südafrika und Tansania mit einem hohen Infektionsrisiko nicht besser als Placebo vor einer Ansteckung schützte. Im gleichen Jahr wurden auch zwei Arme der „Vaginal and Oral Interventions to Control the Epidemic“oder VOICE-Studie abgebrochen: In einem sollten die Teilnehmerinnen, junge Frauen aus dem südlichen Afrika, sich durch Einnahme von oralem Tenofovir vor einer Infektion schützen, im zweiten Arm wurde ein tenofovirhaltiges Vaginalgel ausgegeben. Jetzt wurde bekannt, dass auch die dritte Strategie, die Einnahme von Truvada, das Infektionsrisiko nicht gesenkt hat.

Schon bei der FEM-PrEP-Studie war vermutete worden, dass eine geringe Adhärenz für das Versagen der Präexpositionsprophylaxe verantwortlich ist. Die VOICE-Studie liefert hierfür den Beweis. Obwohl alle Teilnehmerinnen aus Uganda, Südafrika und Simbabwe über die Notwendigkeit der regelmäßigen Einnahme der Tabletten und über die Anwendung des Gels genau instruiert wurden, hielten sich die meisten nicht daran.

Die Blutuntersuchungen, die das Team um Zvavahera Mike Chirenje von der Universität von Simbabwe in Harare und Jeanne Marrazzo von der Universität von Washington in Seattle durchführen ließen, zeigen: Im Tenofovir-Arm hatten nur 28 Prozent der Teilnehmerinnen das Medikament eingenommen, im Truvada-Arm waren es 29 Prozent und im Studien-Arm zum Vaginalgel wurde der Wirkstoff nur bei 23 Prozent der Frauen im Blut nachgewiesen.

Die Autoren führen die niedrige Adhärenz auf die Zusammensetzung der Studie zurück. An der TDF2-Studie und der Partners PrEP-Studie hatten heterosexuelle Paare teilgenommen, iPrEx-Studie wurde unter Männern, die Sex mit Männern haben, durchgeführt. An den beiden gescheiterten Studien FEM-PrEP und jetzt VOICE hatten vor allem jüngere, oft allein stehende Frauen teilgenommen. In der VOICE-Studie waren vier von fünf Frauen Single.

Vor allem den alleinstehenden Frauen unter 25 Jahren war die Notwendigkeit einer Prävention kaum zu vermitteln. Viele waren offenbar der Ansicht, dass HIV die Infektion der anderen ist und dass sie bei ihren sexuellen Kontakten verschont bleiben würden. Es gelang den jungen Frauen auch nicht, ihre Partner von der Notwendigkeit zu überzeugen, Kondome zu verwenden, die in der Studie an allen Frauen kostenlos ausgegeben wurden.

Wie unvernünftig dieser Optimismus gerade in Hochendemieländern ist, belegen die hohen Infektionsraten, die selbst die Studienleiter überrascht haben. Von den 5.029 Teilnehmerinnen steckten sich im Verlauf der Studie 312 mit HIV an. Die Inzidenzrate betrug 5,7 pro 100 Personenjahre, an einigen Zentren waren es sogar 9,9 pro 100 Personenjahre.

Da die Studiendauer begrenzt war, wird die Zahl der Neuinfektionen in den nächsten Jahren weiter steigen. Viele Frauen werden sich mit HIV infiziert haben, bevor sie eine feste Partnerschaft eingehen. © rme/aerzteblatt.de

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