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Medizin

Koloskopie: Studie sieht deutliche Reduktion der Darmkrebsrate

Dienstag, 5. März 2013

dpa

Philadelphia – Die Vorsorge-Koloskopie könnte die Rate von Darmkrebserkrankungen in der Allgemeinbevölkerung um mehr als zwei Drittel senken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Fall-Kontroll-Studie in den Annals of Internal Medicine (2013; 158: 312-320).

Solange die Ergebnisse randomisierter klinischer Studien zum Koloskopie-Screening, die derzeit in Skandinavien, Spanien und in den USA durchgeführt werden, noch nicht vorliegen, gründet sich die Evidenz zur Darm­krebs­früh­erken­nung weitgehend auf epidemiologische Untersuchungen. Vor zwei Jahren hatte eine Fall-Kontroll-Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums eine Reduktion der Darmkrebsrate um 77 Prozent ermittelt (Annals of Internal Medicine 2011; 154: 22-30). Jetzt kommt eine US-Studie zu einem fast identischen Ergebnis.

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Chyke Doubeni von der Pennsylvania School of Medicine in Philadelphia und Mitarbeiter haben die Daten von 471 Patienten ausgewertet, die im Alter von 55 bis 85 Jahren an einen Kolonkarzinom im Stadium IIB oder höher erkrankt waren. Nur 13 Patienten (1,3 Prozent) hatten sich in den zehn Jahren zuvor einer Vorsorge-Koloskopie unterzogen.

Von den 509 Patienten der Kontrollgruppe, die den Krebspatienten in den meisten Eigenschaften glichen (außer der Tatsache, dass sie nicht an Darmkrebs erkrankt waren), hatte dagegen 46 Personen (9,0 Prozent) an der Vorsorge-Koloskopie teilgenommen. Doubeni errechnet daraus eine adjustierte Odds Ratio von 0,29, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,15 bis 0,58 signifikant war, und eine Reduktion der Krebsrate um 71 Prozent erwarten lässt.

Die meisten Experten sind zuversichtlich, dass die Koloskopie die Darmkrebsrate tatsächlich senken wird. Endgültige Gewissheit wird es in dieser Frage aber erst nach dem Abschluss der randomisierten Studien geben. Die spanische „Colorectal Cancer Screening in Average-risk Population“-Studie läuft noch bis 2021. Die US-amerikanische „Colonoscopy Versus Fecal Immunochemical Test in Reducing Mortality From Colorectal Cancer“ (CONFIRM) wird erst 2025 beendet sein. Die Ergebnisse der „Northern-European Initiative on Colorectal Cancer (NordICC) sollen sogar erst 2036 vorliegen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #110206
kairoprax
am Mittwoch, 6. März 2013, 18:36

Bitte den Ausdruck "late-stage colo-rectal-cancer detection" mitübersetzen!

Ich empfehle dem DÄB dringend, den Titel und den Text dahingehend zu ändern, daß selbstverständlich das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken in keinster Weise durch ein Screening reduziert werden kann.

Diese und andere Studien haben lediglich das ohnehin plausible Ergebnis gehabt, daß die Krebsfälle in f o r t g e s c h r i t t e n e n Stadien weniger sind in der Gruppe, die man gescreent hat.

Leider hat keine der bisher vorgelegten Studien darüber hinaus belegen können, daß die Überlebenschance an sich durch das Screening steigt. Wer das annimmt ohne daß es belegt wird verfällt womöglich einem Bias-Irrtum.

Verständlicher ausgedrückt: der Prozentsatz der Überlebenden scheint in der Gruppe der Gescreenten auf einen längeren Zeitraum beobachtet ebenso hoch zu sein, wie in der Gruppe der Nichtgescreenten.

Und etwas deutlicher ausgedrückt: die Patienten im Screening-Ast scheinen zwar um den Zeitpunkt des Screenings früher die schlechte Nachricht vom Krebs zu bekommen und um dieselbe Zeit früher der Therapie zugeführt zu werden, aber allenfalls eine marginale Zahl von Wochen oder Monaten länger zu leben.
Auch die Quote der Nichtrettbaren scheint, bis zum Beweis des Gegeteils, gleich hoch zu sein, auch hier allenfalls mit Abweichungen im Nachweisbarkeitsbereich.

Dieser Beitrag ist keine Nestbeschmutzung. Er soll lediglich dabei helfen, herauszufinden, ob das Coloskopiescreening ein tatsächlicher Vorteil ist, oder im gegenteiligen Fall nur sehr viel Geld verschlingt.

Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal
LNS

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