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Ausland

IPPNW: Fukushima-GAU verursacht Schilddrüsen­veränderung bei jedem dritten Kind

Mittwoch, 6. März 2013

Berlin – Die gesundheitlichen Folgen für die japanische Bevölkerung durch den Atomreaktorunfall in Fukushima vor zwei Jahren sind enorm: Geburtenrückgang, Zunahme der Fehlgeburten und erhöhtes Krebsrisiko. Dieses Ergebnis des Reports „Gesundheitliche Folgen von Fukushima“ hat die Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW) heute vorgestellt. „Erste gesundheitliche Folgen der Atomkatastrophe sind jetzt schon, nach nur zwei Jahren, wissenschaftlich nachweisbar“, heißt es in dem Bericht.

Ein deutliches Anzeichen ist laut IPPNW die Zahl der Veränderungen der Schilddrüse bei Kindern und Jugendlichen. Die Gesundheitsbehörde hat in der Präfektur Fukushima im Februar 2013 festgestellt, dass mehr als 40 Prozent der 0- bis 18-Jährigen Schild­drüsen­veränderungen, vor allem Zysten, aufweisen. Eine Studie in Nagasaki aus der Zeit vor dem Atomreaktorunfall zeigte hingegen nur bei 0,8 Prozent der untersuchten Kinder eine Schilddrüsenzyste. „Im Gegensatz zu Schilddrüsenzysten und -knoten bei Erwachsenen müssen diese bei Kindern als Krebsvorstufen gelten“ erklärt die IPPNW. „Davon sind allein in der Präfektur Fukushima 55.592 Kinder betroffen.“

Darüber hinaus weist der Bericht auf eine erhöhte Säuglingssterblichkeit in Fukushima hin: 75 Kinder unter einem Jahr sind demnach im zweiten und neunten Monat nach dem Unfall zusätzlich ­ – das heißt mehr als statistisch erwartet – gestorben. Ähnliche Auswir­kungen auf die Säuglingssterblichkeit hatte man auch bei der Tschernobylkatastrophe beobachtet. Die Geburtenrate in Japan ist außerdem neun Monate nach dem Unglück um 4,7 Prozent gesunken, was mehr als 4.300 „fehlende“ Kinder bedeutet. In der Präfektur Fukushima gingen die Geburten sogar um 15 Prozent zurück.

Um die langfristigen Folgen der Katastrophe abzuschätzen, berechnete die IPPNW die zu erwartenden Krebserkrankungen durch die zusätzliche Strahlenbelastung: Danach sind 19 bis 41.000 Krebserkrankungen durch die zusätzliche Strahlenbelastung zu erwarten, und nochmal gut 18.000 durch die Aufnahme von radioaktiven Stoffen mit der Nahrung.

Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) schätzte in ihrem im Februar veröffentlichten Bericht zu den Folgen von Fukushima das Krebsrisiko nur als geringfügig erhöht ein. Die IPPNW zweifelt jedoch an dem Bericht: „Die Bewertung der Gesundheitsrisiken der WHO in Verbindung mit der Atomkatastrophe von Fukushima liefert keine wissenschaftlich objektiven oder zuverlässigen Daten, die von Ärzten und Entscheidungsträgern für zukünftige Empfehlungen genutzt werden könnten.“

Nach ihrer Einschätzung hat die WHO in ihrem Report die freigewordene Menge radioaktiver Partikel zu gering bemessen. Auch seien zu wenige Nahrungsmittelproben genommen worden, um die Strahlenbelastung durch Nahrungsaufnahme korrekt zu berechnen. Darüber hinaus  wirft sie den Autoren Interessenskonflikte vor, da einer der Wissenschaftler lange Jahre für die Atomindustrie tätig gewesen sei. © mei/aerzteblatt.de

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