NewsHochschulenNeues Curriculum soll Arzt-Patienten-Kommu­nikation verbessern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Hochschulen

Neues Curriculum soll Arzt-Patienten-Kommu­nikation verbessern

Donnerstag, 7. März 2013

dpa

Heidelberg – Studien zufolge verschlechtert mangelhafte Kommunikation zwischen Arzt und Patient die Therapietreue und erhöht das Risiko von Fehldiagnosen und Falschbehandlungen. In Zukunft sollen angehende Ärzte Patientengespräche daher schon ab dem ersten Semester kontinuierlich üben. Das sieht ein deutschlandweites Kommunikationscurriculum für Medizinstudenten vor, das derzeit erarbeitet wird.

„Das Patientengespräch wurde lange Zeit unterschätzt und an den Universitäten zu wenig und zu spät gelehrt“, sagt Jana Jünger vom Universitätsklinikum Heidelberg. Nur wenn der Patient sich verstanden fühle und seinem Arzt vertraue, kooperiere er auch bei der Therapie. Ärzte, die keinen guten Kontakt zu ihren Patienten aufbauen, gefährden dagegen den Therapieerfolg und können seelische Schäden anrichten.

Anzeige

Etwa wenn sie Patienten oder Angehörige auf wenig feinfühlige Art mit einer belastenden Diagnose konfrontieren. Ärzte, die nicht zuhören, gelangen zudem häufiger zur falschen Diagnose, weiß Jünger: „Die wichtigsten Hinweise für die Diagnose kommen schließlich vom Patienten selbst.“

Um gemeinsam ein durchgängiges Kommunikationscurriculum für alle Studierenden zu entwickeln, tragen Vertreter aller deutschen medizinischen Fakultäten derzeit die besten Übungen und Trainingsmöglichkeiten rund um die Anamnese zusammen und erarbeiten auf dieser Basis ein Mustercurriculum.

Im Herbst 2014 soll das Kommunikationscurriculum verabschiedet werden, sodass bis spätestens 2016 alle Studierenden gut in der ärztlichen Gesprächsführung ausgebildet und geprüft werden. Das kommt dann nicht nur den künftigen Patienten zugute, sondern auch den Ärzten selbst. Denn auch das haben Studien ergeben: Wenn die Kommuni­kation mit den Patienten „rund läuft“, neigen die Ärzte weniger zu Zynismus und entwickeln seltener ein Burn-out-Syndrom. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #647994
Tellerrandmedizin
am Donnerstag, 14. März 2013, 21:19

Vermittlung einer humanistischen Haltung ist essenziell

@ Klartext: Ich denke, dass im Studium gleichberechtig neben der Lehre theoretisch-naturwissenschaftlichen Fachwissens und praktischer Fertigkeiten (Klinische Untersuchung etc.) die Vermittlung einer humanistischen Haltung stehen sollte. Da auf diese bisher (fast) kein Wert gelegt wird, müssen sich Mediziner, die nicht von Natur aus eine entsprechende Haltung besitzen, praktisch nie mit den dazugehörigen Werten und Fähigkeiten auseinandersetzen. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr.
Stellen Sie sich einen Arzt vor, der nicht empathisch ist und keine Kommunikationsfähigkeiten besitzt. Dieser wird durch ein anderes Gesundheitswesen auch nicht menschlicher. Selbst wenn er mehr Zeit für seine Patienten hätte und weniger Kostendruck ausgesetzt wäre, könnte er mit seinen Patienten nicht anders umgehen, da es ihm an Haltung mangelt. Ein Arzt hingegen, der diese humanistische Haltung und die damit einhergehenden Fähigkeiten besitzt, wird im jetzigen System oft dazu gezwungen, unmenschlich zu handeln.
Es bedarf also sowohl der Änderung des Systems als auch der Medizinerausbildung.

Mehr über menschliche Medizin auf meinem Blog: http://tellerrandmedizin.org
Avatar #663290
Klartext
am Freitag, 8. März 2013, 14:05

Frau Jünger scheint ja eine Schnelldenkerin zu sein !

Nach vielen Studien endlich darauf zu kommen, dass die Kommunikation zwischen Arzt und Patient mangelhaft geworden ist, erscheint für eine universitäre Kollegin eine Sensation zu sein. Zu diesem Schluss wäre Frau Jünger auch schon früher gekommen, wenn sie sich die Praxis vor Ort angesehen hätte. Der Grund liegt nicht im Studium begraben ! Dies sind alles Abiturienten, die motiviert sind und gut kommunizieren können ! Diese Studenten treffen dann aber in der Praxis auf Ärzteknappheit, Überstunden und berufliche Überlastung. Frau Jünger müsste wissen was die typischen Symptome eines Burn Outs ausmachen. Dann ist es auch kein "neues Wunder" mehr, dass die Kommunikation so mangelhaft in der Medizin geworden ist.
LNS

Nachrichten zum Thema

22. Januar 2019
Berlin – Arzneimittelexperten haben die Umstellung von Biologika auf Biosimilars befürwortet und zugleich darauf hingewiesen, dass die damit einhergehende Aufklärung der Patienten sehr zeitaufwendig
Experten für Vergütung von Arztgesprächen zur Umstellung auf Biosimilars
4. Januar 2019
Bern – Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) bietet in einem Leitfaden Ärzten und anderem Gesundheitspersonal medizin-ethische Richtlinien an, um die Urteilsfähigkeit von
Wie Ärzte die Urteilsfähigkeit ihrer Patienten abklären können
28. Dezember 2018
Berlin – 93 Prozent der Eltern in Deutschland können medizinische Anweisungen eines Arztes nach eigenen Aussagen verstehen und mehr als 90 Prozent können die erhaltenen Empfehlungen und Ratschläge
Medizinische Empfehlungen von Ärzten zumeist verständlich
14. Dezember 2018
Hamburg – Sprachbarrieren erschweren vielerorts die Behandlung psychisch kranker und behinderter Geflüchteter. In Hamburg beugen zwei entsprechende Sprachmittlerpools Verständigungsproblemen vor. Die
Hamburger Bürgerschaft finanziert medizinische Sprachmittler
5. Dezember 2018
Umeå/Schweden – Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Die visuelle Darstellung der Ergebnisse einer bilateralen Carotis-Sonografie hat in einer randomisierten kontrollierten Studie viele Patienten
Ampelschema der Karotissklerose überzeugt Patienten von Prävention
22. Oktober 2018
Nottingham – Patienten mit Gichtanfällen, die durch Ablagerungen von Harnsäurekristallen in Haut und Gelenken ausgelöst werden, erreichten in einer randomisierten Studie im Lancet (2018; 392:
Gicht-Schulung verbessert Behandlungsergebnisse
19. September 2018
Dresden – Eine neue Online-Lerneinheit schult Ärzte und andere Gesundheitsfachkräfte für die Kommunikation mit Patienten. Entwickelt haben sie Mitarbeiter des Bereiches Psychosoziale Medizin der
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER