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Medizin

Psychisch Kranke häufiger Opfer von Gewalttaten

Freitag, 8. März 2013

Stanford – Psychiatrische Erkrankungen werden bei Tötungsdelikten in der Regel mit dem Täter in Verbindung gebracht. Eine Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2013; 346: f557) zeigt jetzt aber, dass mental erkrankte Menschen auch ein erhöhtes Risiko haben, zum Mordopfer zu werden.

Aufgrund der einheitlichen Identifikationsnummer der Einwohner, lassen sich in skandinavischen Ländern relativ einfach registerübergreifende Analysen durchführen. So war es für Casey Crump von der Stanford Universität nicht schwer herauszufinden, dass 141 von 615 Menschen, die zwischen 2001 und 2008 in Schweden Opfer eines Tötungsdeliktes wurden, zuvor wegen psychiatrischer Erkrankungen ambulant oder stationär in Behandlung waren.

Der Anteil betrug 22 Prozent. Er war damit doppelt so hoch wie der Anteil der psychisch Kranken unter den Tätern in einer kürzlich in England und Wales durchgeführten Studie (BJP 2011; 198: 485-489). Dort litt ein Drittel aller Täter unter einer Schizophrenie, was angesichts der Positivsymptome mit Wahnsymptomatik nicht verwundert.

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Unter den 141 Opfern mit psychiatrischen Störungen waren dagegen nur 9 Patienten mit Schizophrenie. Das ist zwar immer noch mehr als von Alter, Geschlecht und anderen demografischen Faktoren her zu erwarten wäre, aber insgesamt selten. Wesentlich häufiger litten die Opfer jedoch unter Drogenproblemen: 102 von 141 Opfern waren zuvor wegen dieser Störungen in psychiatrischer Behandlung gewesen.

Crump ermittelt eine Hazard Ratio von 9,31. Damit sind Drogenabhängige fast zehnmal mehr als psychisch gesunde Menschen gefährdet, in zwischenmenschliche Konflikte mit tödlichem Ausgang zu geraten. Eine vermehrte Gefährdung bestand auch für Menschen mit Persönlichkeitsstörungen (Hazard Ratio 3,2), Depressionen (Hazard Ratio 2,6), Angststörungen (Hazard Ratio 2,2) oder die erwähnte Schizophrenie (Hazard Ratio 1,8). Diese Risiken waren jeweils unabhängig vom Drogenmissbrauch.

Für die Psychiater bedeuten die Ergebnisse, dass bei der Beratung der Patienten und der Familien auch auf die Gewaltrisiken hingewiesen werden sollten, denen psychia­trische Patienten ausgesetzt sind, wobei Tötungsdelikte sicherlich nur die Spitzen eines Eisbergs sind. Mit 615 Tötungen in 8 Jahren auf 7,2 Millionen Einwohner gehört Schweden übrigens zu den Ländern mit der geringsten Homizidrate (auch wenn Krimiautoren des Landes manchmal einen anderen Eindruck vermitteln). © rme/aerzteblatt.de

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