NewsHochschulenCharité will Schutz vor Missbrauch verbessern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Hochschulen

Charité will Schutz vor Missbrauch verbessern

Mittwoch, 13. März 2013

Brigitte Zypries und Karl-Max Einhäupl dpa

Berlin  – Das Berliner Universitätsklinikum Charité will den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Missbrauch im eigenen Haus mit verschiedenen Maßnahmen ver­bessern. Dazu gehörten mehr Schulungen, konkrete Verhaltensregeln für Mitarbeiter und eine verbesserte Unternehmenskommunikation, kündigte Klinikchef Karl Marx Einhäupl gestern in Berlin an. Das Klinikum reagiert damit auf einen mutmaßlichen Missbrauchsfall, der im vergangenen November bekannt geworden war.

Danach hatte die Charité eine unabhängige Expertenkommission zur Verbesserung der Kommunikation eingesetzt. Sie legte dem Vorstand nun ihren Abschlussbericht mit Empfehlungen vor. „Wir plädieren für eine Kultur des Hinsehens und eine Kultur des Handelns“, sagte die Kommissionsvorsitzende, Brigitte Zypries (SPD).

Anzeige

Die Experten empfehlen der Charité unter anderem die Anschaffung einer Whistle­blower-Software. So könnten sich Benutzer anonym registrieren, mögliche Verdachtsfälle melden oder Hinweise zur Aufklärung solcher Fälle geben. Weiterhin raten sie, Mitar­beiter durch Schulungen für Themen wie sexuellen Missbrauch zu sensibilisieren.

Mithilfe gut handhabbarer Empfehlungen („Heftchen“) sollten diese bei Verhaltens­unsicherheiten schnell Antwort finden. Außerdem solle bei Neueinstellungen ein erwei­tertes polizeiliches Führungszeugnis von allen Mitarbeitern angefordert werden, die mit Minderjährigen zu tun haben. Auch bei bestehenden Arbeitsverhältnissen sollen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, die Minderjährige behandeln.

In ihrem Bericht verweist die Kommission auf die Probleme sexuellen Missbrauchs in Institutionen wie zum Beispiel Krankenhäusern: „Täter und Täterinnen suchen sich gezielt Räume, in denen sie leicht mit Kindern in Kontakt kommen. Das heißt: Alle Institutionen, die Kinder und Jugendliche versorgen, müssen sich dem Thema Missbrauch stellen, um wirksamen Schutz zu gewährleisten.

Dazu zählen selbstverständlich auch Krankenhäuser, in denen sich Mädchen und Jungen psychisch und physisch verletzt aufhalten und damit äußerst verletzbar sind. Sie sind hier, wie nirgends sonst, auf besonderen Schutz und Fürsorge angewiesen.“

Der Bericht zitiert auch die erste unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs, Christine Bergmann: Sie „erklärte in ihrem Abschlussbericht im Mai 2011, dass sieben Prozent der ihr gemeldeten Fälle in medizinischen Praxen oder Kliniken stattgefunden hatten. Dennoch gerieten Krankenhäuser und medizinische Heilberufe nicht in den Fokus der allgemeinen Bemühungen, Kinder und Jugendlich vor sexuellem Missbrauch zu schützen.“

Weiter heißt es: „Das besondere Ausgeliefertsein und die mangelnde Möglichkeit einer adäquaten Einordnung der medizinischen und krankenpflegerischen Handlungen kann zu Ängsten, Unsicherheit und Scham auf beiden Seiten führen. Denn der Patient kann in der Regel weder die Wirkungen der Leistungen des Arztes genau einordnen, noch besitzt der Arzt genauere Informationen über das behandlungsbegleitende Verhalten des Patienten. Diese besondere Asymmetrie führt aller Wahrscheinlichkeit nach dazu, dass übergriffiges oder missbräuchliches Verhalten selten kommuniziert wird. Das Machtgefälle und die besondere Struktur eines Krankenhauses machen es darüber hinaus schwer, einen Verdacht gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern offen zu thematisieren.“ © VH/afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Januar 2019
Hamburg – Nur wenige Opfer von Gewaltverbrechen beantragen in Hamburg Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz. 2016 wurden laut polizeilicher Kriminalstatistik 8.605 Gewalttaten in der
Nur wenige Opfer von Gewaltverbrechen in Hamburg beantragen Entschädigung
17. Januar 2019
Schwerin – Die beiden Opferambulanzen zur Dokumentation von Gewaltverletzungen in Greifswald und Rostock werden immer stärker genutzt. 2017 wurden die Rechtsmediziner in 353 Fällen hinzugezogen. Seit
Opferambulanzen in Mecklenburg-Vorpommern brauchen mehr Geld
11. Januar 2019
Kiel – Das Leid von Heimkindern in Schleswig-Holstein in früheren Jahrzehnten muss nach Überzeugung des Sozialausschusses im Landtag weiter aufgearbeitet werden. Es sei zwingend, dafür alle
Sozialausschuss will Leid von Heimkindern in Schleswig-Holstein aufklären
9. Januar 2019
Berlin – Über 1,7 Millionen pflegebedürftige Menschen werden in Deutschland ausschließlich durch Angehörige versorgt. Laut einer Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) berichteten 47
Neue Handlungsempfehlungen gegen Gewalt in der häuslichen Pflege
27. Dezember 2018
Rostock – Die Zahl der an der Rechtsmedizin Rostock untersuchten Fälle häuslicher Gewalt an Männern hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. „In diesem Jahr sind alleine im Bereich der
Männer in Mecklenburg-Vorpommern häufiger von häuslicher Gewalt betroffen
14. Dezember 2018
Genf – Nach scharfer Kritik an seinem Managementstil hat der Chef des UN-Programms UNAIDS zur Bekämpfung der Aids-Seuche, Michel Sidibé, ein vorzeitiges Ende seiner Amtszeit angekündigt. „Die nächste
UNAIDS-Chef geht nach massiven Vorwürfen vorzeitig
13. Dezember 2018
Stockholm – Aus Protest gegen den umstrittenen Chef des UNAIDS-Programms legt Schweden seine finanzielle Unterstützung für die Organisation auf Eis. „Wir haben kein Vertrauen in ihn. Er muss umgehend
LNS
NEWSLETTER