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Mammakarzinom: Koronare Herzkrankheit eine Spätfolge der Radiotherapie

Freitag, 15. März 2013

dpa

Oxford – Die Strahlentherapie, die nach einer brusterhaltenden Therapie heute Standard ist, kann das Herz schädigen. Eine Kohortenstudie im New England Journal of Medicine (2013; 368: 987-998) belegt einen dosisabhängigen linearen Anstieg der koronaren Ereignisse ohne Schwellenwert. Das absolute Risiko ist allerdings gering und kann durch moderne Strahlentherapie möglicherweise weiter gesenkt werden.

Die Epidemiologen der Universität Oxford sind für die Sorgfalt bekannt, mit der sie ihre Studien durchführen. Für die aktuelle Untersuchung wurden die Krankenakten von 2.168 Frauen analysiert, die sich zwischen 1958 und 2001 in Schweden und Dänemark im Rahmen einer Brustkrebsbehandlung einer Strahlentherapie unterzogen hatten. Für jede einzelne Patientin wurden Strahlendosis und Bestrahlungsfeld recherchiert, um daraus die Strahlenexposition des Herzens zu rekonstruieren.

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Diese Daten wurden dann mit den Diagnosen der Klinikregister in Beziehung gesetzt. Im Fall eines Todes wurde die genaue Todesursache ermittelt. Bei insgesamt 963 Frauen kam es später zu einem Herzinfarkt, einer koronaren Revaskularisierung oder einem Tod an einer ischämischen Herzerkrankung. Diese Frauen hatten eine höhere Strahlendosis erhalten als die 1.205 Frauen ohne koronares Ereignis.

Nach der Berücksichtigung der bekannten kardialen Risikofaktoren kommt das Team um Sarah Darby von der Clinical Trial Service Unit der Universität Oxford zu folgendem Ergebnis: Das Risiko auf ein kardiales Ereignis steigt mit jedem Gray Strahlenexposition des Herzens um 7,4 Prozent an. Einen Schwellenwert gibt es nicht.

Da heute 90 Prozent aller Brustkrebspatientinnen 5 Jahre oder länger leben, sind die Ergebnisse für die meisten Patientinnen von Bedeutung. Nach den Ergebnissen ist jede Strahlenbelastung des Herzens schädlich, die Gefahr für die einzelne Patientin hält sich jedoch in Grenzen. Eine Strahlenexposition des Herzens von 3 Gray würde nach den Berechnungen von Darby das absolute Risiko einer 50 Jahre alten Frau ohne kardiale Risikofaktoren, bis zum Alter von 80 Jahren an einer ischämischen Herzerkrankung zu sterben, von 1,9 Prozent auf 2,4 Prozent steigern (Unterschied: 0,5 Prozentpunkte).

Das Risiko der gleichen Frau auf ein koronares Ereignis würde von 4,5 auf 5,4 Prozent zunehmen (Unterschied: 0,9 Prozentpunkte). Wäre das Herz der gleichen Frau einer Dosis von 10 Gray exponiert gewesen, würde ihr koronares Sterberisiko von 1,9 auf 3,4 Prozent, ansteigen (Unterschied: 1,5 Prozentpunkte). Das Risiko auf ein koronares Ereignis nähme von 4,5 auf 7,7 Prozent zu (Unterschied 3,2 Prozentpunkte). Beim Vorliegen eines oder mehrerer kardialer Risikofaktoren stiege das koronare Sterberisiko der gleichen Frau um 0,7 Prozentpunkte und das koronare Ereignisrisiko um 1,7 Prozentpunkte.

Die durchschnittliche kardiale Strahlenexposition betrug in der Studie 4,9 Gray. Bei heutigen modernen Strahlentherapien kann sie häufig auf unter 1 Gray gesenkt werden. Der Preis für das kosmetisch ansprechendere Ergebnis einer brusterhaltenden Therapie wäre nach den Ergebnissen der Studie gering. Der Editorialist Javid Moslehi vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston gibt aber zu bedenken, dass koronare Ereignisse möglicherweise nur die Spitze eines Eisbergs sind. Die Strahlentherapie könnte auch zu einem Anstieg von Perikarderkrankungen, peripheren Gefäßer­krankungen, Kardiomyopathien, Herzklappenstörungen und Herzrhythmusstörungen führen. Belegt ist dies nicht.

Dass diese Schäden nicht untersucht wurden, schließe die Möglichkeit einer Schädigung aber auch nicht auf, meint Moslehi. Hinzu kommt, dass auch einige bei der Chemo­therapie eingesetzte Wirkstoffe wie Anthrazykline oder HER2-Antikörper kardiotoxisch sind. Die Risikoanalyse der Strahlentherapie ist nach Ansicht des Experten deshalb noch nicht abgeschlossen. In den USA gibt es laut Moslehi bereits 3 Millionen Brustkrebsüberlebende. Mit der steigenden Überlebenschancen würden werden die Folgen der Therapie in den nächsten Jahren immer mehr in den Mittelpunkt geraten, sagt der Experte voraus. © rme/aerzteblatt.de

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