NewsÄrzteschaftPatientenverfügung und Organspende­erklärung: Orientierung für Konfliktsituationen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Patientenverfügung und Organspende­erklärung: Orientierung für Konfliktsituationen

Dienstag, 19. März 2013

Berlin ­ – Mit der zunehmenden Bedeutung vorsorglicher Willensbekundungen eines Patienten steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie im klinischen Alltag häufiger mit Organspendeerklärungen zusammentreffen. Das führt dann zu Fragen des Verhältnisses von Willensbekundung und Organspendeerklärung.

Während der Hirntoddiagnostik bis hin zur möglichen Realisierung einer eventuellen Organspende müssen beim potenziellen Spender intensivmedizinische Maßnahmen fortgeführt werden, um die Transplantationsfähigkeit der Organe zu erhalten. Wenn sich der Patient in einer Patientenverfügung gegen lebenserhaltende Maßnahmen ausge­sprochen hat, scheint das diesen Maßnahmen zum Zwecke der Organspende zu widersprechen.

Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Frank Ulrich Montgomery, sagte heute anlässlich der Vorstellung eines Arbeitspapiers zum Verhältnis von Patientenverfügung und Organspende, dass er keinen Widerspruch darin sieht, „wenn Menschen in einer Patientenverfügung lebensverlängernde Maßnahmen ausschließen und gleichzeitig ihre Organspendebereitschaft dokumentieren“.

Anzeige

Arbeitspapier zum Verhältnis von Patientenverfügung und Organspendeerklärung

Bekanntmachungen Vorwort Patientenverfügungen und andere vorsorgliche Willensbekundungen sind in den letzten Jahren verstärkt in den öffentlichen Fokus gerückt. Immer mehr Bürger verfassen solche Erklärungen.

Beide Erklärungen seien von dem Patienten verfasst worden und entscheidend für die Feststellung des Patientenwillens. Das von einem Expertenkreis aus Medizinern, Juristen und Ethikern erstellte Arbeitspapier gibt Ärzten Orientierung, wie sie mit diesen Konfliktsituationen umgehen können. So werden Fallkonstellationen diskutiert und aus rechtlicher und ethischer Sicht bewertet.

Bei einem vermuteten schon eingetretenen Hirntod halten die Experten den in der Patientenverfügung ausgedrückten Wunsch nach Therapiebegrenzung mit der Bereitschaft zur Organspende und der dafür erforderlichen kurzzeitigen Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen zur Feststellung des Hirntodes für vereinbar. Eine isolierte Betrachtung der Patientenverfügung ohne Rücksicht auf die Organspendeerklärung würde dem Willen des Patienten nicht gerecht werden.

Eine andere Situation sei gegeben, wenn die Ärzte vermuten, dass der Hirntod erst in wenigen Tagen eintreten werde. Eine Fortführung der intensivmedizinischen Maßnahmen würde den Sterbeprozess um den Zeitraum bis zum Eintritt des Hirntods verlängern. „Daher kann in diesen Fällen nicht schon aus der Organspendeerklärung des Patienten abgeleitet werden, dass er mit der Fortführung der intensivmedizinischen Maßnahmen einverstanden ist. Eine Entscheidung hierüber ist mit dem Patientenvertreter und den Angehörigen des Patienten zu suchen“, heißt es in dem Arbeitspapier.

Montgomery empfiehlt, Formulierungen in den Mustern für Patientenverfügungen und Organspendeausweisen zu ergänzen. Dafür sind in dem Arbeitspapier entsprechende Textbausteine bereitgestellt worden. © Kli/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

23. Mai 2019
Berlin – Zum Hauptstadtkongress geladene Theologen glauben nicht, dass sich durch die Einführung einer Widerspruchslösung bei der Organspende – wie sie Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU)
Theologen sehen Kommunikationsprobleme bei der Organspende
16. Mai 2019
Berlin – Über eine Reform der Organspende will das Parlament in der ersten Juniwoche beraten. Das kündigte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach heute vor der Presse an. Zur Debatte stehen zwei
Bundestag will Anfang Juni über Organspende beraten
15. Mai 2019
Berlin – Fast zwei Drittel der Deutschen wären Organspender, wenn sie diesen Status automatisch von Geburt an hätten. Aktuell besitzen gerade einmal 36 Prozent der Bundesbürger einen
Mehr als 60 Prozent der Deutschen wären bei Widerspruchslösung Organspender
13. Mai 2019
Passau – In der Debatte um eine Reform bei der Organspende spricht sich offenbar die relative Mehrheit der CSU-Mitglieder für den Vorschlag von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) aus. Nach der
Unterstützung in der CSU für Widerspruchslösung
9. Mai 2019
Berlin – Mit einer Kampagne wollen Politiker, Prominente und Mediziner für die Einführung der Widerspruchslösung bei der Organspende werben. Im Rahmen des Bündnisses „Leben spenden“ hat die ehemalige
Prominente werben für Widerspruchslösung bei Organspenden
8. Mai 2019
Essen – Der Direktor der Chirurgie an der Essener Universitätsklinik ist endgültig vom Vorwurf entlastet, für medizinisch nicht notwendige Lebertransplantationen und den Tod eines Patienten
Ermittlungen gegen Chirurgen der Uniklinik Essen eingestellt
7. Mai 2019
Passau – Das Modell einer Entscheidungslösung, das gestern eine Abgeordnetengruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock, vorgelegt hatte, stößt beim SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach auf Skepsis.
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER