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Medizin

Zweifel an grundsätzlichen Vitamin-D-Gaben in der Schwangerschaft

Dienstag, 19. März 2013

Bristol – Die langfristige Knochengesundheit des Kindes scheint unabhängiger vom mütterlichen Vitamin-D-Serumspiegel zu sein als bislang angenommen. Das berichtet die Studiengruppe um Debbie Lawlor von der University of Bristol. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse im Lancet (doi 10.1016/S0140-6736(12)62203-X).

Die vom Körper gebildete Form des Vitamin D ist das 25-Hydroxyvitamin D (25(OH)D). Dies ist das Prohormon des Calciferols, ein wichtiges Hormon für die Knochen­ge­sund­heit. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) betont die Bedeutung dieses Vitamins für Schwangere, weil der mütterliche Vitamin-D-Status mit dem kindlichen positiv korreliert sei. Eine zusätzliche Vitamin-D-Supplementierung von Säuglingen ist laut der DGE ratsam.

Das National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) in Großbritannien empfiehlt auch für Schwangere und Stillende eine generelle Vitamin-D-Supple­mentierung. Die Wissenschaftler der britischen Studie treten dieser generellen Empfehlung nun entgegen.

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In der retrospektiven Studie mit 3.960 Mutter-Kind-Paaren beobachteten die Forscher den mütterlichen 25(OH)D-Serumspiegel während der drei Schwangerschaftstrimester. Der Serumlevel war bei den Frauen im ersten Trimester erniedrigt und stieg im Verlauf der verbleibenden zwei Trimester an. Dunkelhäutige und rauchende Schwangere hatten durchschnittlich erniedrigte 25(OH)D-Serumlevel.

Die Kinder erhielten nach rund neun Jahren und elf Monaten einer Knochendichte­messung durch eine Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA). Damit lässt sich nach Einschätzung der Forscher das Fraktur­risiko abschätzen.

Sie stellten fest, dass der mütterliche 25(OH)D-Serumlevel keinen Einfluss auf die Ergebnisse der DXA hatte. Kinder der weniger gut versorgten Mütter hatten keine herabgesetzte Knochendichte.

Lawlor hält die flächendeckende Vitamin-D-Supplementierung von Schwangeren für bedenklich. Für eine definitive Empfehlung fehlten die Evidenzen. Die Arbeitsgruppe schließt jedoch nicht aus, dass eine Vitamin D Über- beziehungsweise Unterversorgung noch andere Effekte auf die Kindesgesundheit haben könnte. In einem Kommentar zur Studie erklärte Philipp Steer, emeritierter Professor für Gynäkologie am Imperial College London, dass eine Supplementierung von potenziell unterversorgten Schwangeren trotz der neuen Studienergebnisse der derzeitig sinnvollere Ansatz sei. © hil/aerzteblatt.de

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