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Politik

Wissenschaftler bezweifeln Nutzen von Pflegenoten

Donnerstag, 21. März 2013

dpa

Hamburg/Alzey – Wissenschaftler des Fachbereichs Gesundheit und Pflege an der Hamburger Fern-Hochschule (HFH) und des Medizinischen Dienstes der Kranken­versicherung (MDK) Rheinland-Pfalz bezweifeln den Nutzen von Pflegenoten. Sie haben die sogenannte Pflege-Transparenzvereinbarung, auch „Pflege-TÜV“ genannt, im stationären Bereich wissenschaftlich begleitet. Ihr Fazit aus dem eben erschienenem zweiten Teil ihrer Begleitforschung fällt ernüchternd aus: Zwar hätten sich die Prüfnoten in den Einrichtungen in Rheinland-Pfalz im Durchschnitt verbessert. Einen Hinweis auf höhere Pflegequalität liefere dies jedoch nicht.

Einen Einfluss auf die besseren Noten habe vielmehr ein routinierterer Umgang mit der für die Bewertung notwendigen Dokumentation seitens der Einrichtungen und der Prüfer. „Mit den derzeitigen Transparenzkriterien kann offensichtlich weniger die pflegerische Ergebnisqualität beurteilt werden als vielmehr die Anpassungsfähigkeit der Einrichtungen an ein bestehendes Prüfverfahren“, sagte Johannes Möller, Dekan des Fachbereichs Gesundheit und Pflege an der HFH. Zudem setzten die Pflegenoten ungünstige Anreize: Die Einrichtungen zögen Ressourcen aus der Pflege ab und investierten sie in Dokumen­tationsaufgaben.

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Gundo Zieres, Geschäftsführer des MDK Rheinland-Pfalz, sieht die grundsätzliche Kritik an den Pflege-Transparenzvereinbarungen durch diese Ergebnisse bestätigt: „Diese Studie zeigt, dass die gegenwärtigen Pflege-Transparenzvereinbarungen einer tatsäch­lichen Qualitätsverbesserung im pflegerischen Handeln der Pflegeheime sogar eher entgegenstehen können und falsche Anreize gesetzt werden. Hier sind dringend grundlegende Verbesserungen vonnöten.“

Der Pflege-TÜV entstand 2008 im Zuge der Reform der Pflegeversicherung. Dabei prüft der Medizinische Dienst der Kran­ken­ver­siche­rung stationäre und ambulante Pflegeein­richtungen und bewertet diese mit Schulnoten. Die Ergebnisse werden anschließend in sogenannten Transparenzberichten zusammengefasst und im Internet veröffentlicht. © hil/aerzteblatt.de

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