Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Weltweit 2,3 Millionen kardiale Todesfälle durch Kochsalz

Freitag, 22. März 2013

dpa

Boston/Atlanta – Die exzessive Kochsalzzufuhr der Bevölkerung ist weltweit jedes Jahr für 2,3 Millionen kardialer Todesfälle verantwortlich, rechnen Epidemiologen auf einer Fachtagung der American Heart Association in New Orleans vor. Schon Kleinkinder würden zu häufig mit salzigen Snacks verwöhnt, berichtet ein weiteres Team.

Nicht nur in Deutschland und anderen Industrieländern nehmen die Menschen zu viel Salz mit der Nahrung zu sich. Auch in den Schwellen- und Entwicklungsländern ist die Zufuhr in den letzten Jahrzehnten gestiegen, wie Dariush Mozaffarian von der Harvard School of Public Health in Boston und Mitarbeiter aus der Global Burden of Diseases Study der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) recherchiert haben.

Danach betrug 2010 die mittlere globale Natriumzufuhr 3,95 g/die, fast doppelt so viel, wie die von der WHO empfohlenen 2 g/die. Am höchsten war die Zufuhr in Kasachstan (6,0 g/d), Mauritius (5,6) und Usbekistan (5,5), am wenigsten Salz erhalten die Menschen in Kenia (1,5), Malawi (1,5) und Rwanda (1,6). Dort mögen einige Menschen unter­versorgt sein. Die globale Regel ist aber eine Überversorgung, die sich in den letzten beiden Jahrzehnten noch verschärft hat. Die globale Pro-Kopf-Tageszufuhr ist laut  Mozaffarian um 124 mg gestiegen (Alle Zahlen gelten für Natrium, für die Zufuhr von Kochsalz, also Natriumchlorid gelten höhere Werte).

Die Zahlen setzten Mozaffarian und Mitarbeiter mit einer Meta-Analyse aus 107 randomi­sierten klinischen Studien in Beziehung, in der sie den Einfluss des Salzverzehrs auf den Blutdruck untersuchten. In einer weiteren Meta-Analyse errechneten sie dann die Zahl der durch den Salzkonsum verursachten Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wenn die Berechnungen stimmen, sind jedes Jahr weltweit 2,3 Millionen Todesfälle auf den exzessiven Salzkonsum zurückzuführen.

Fast eine Million sterben bereits vor dem 69. Lebensjahr. Betroffen sind zu 60 Prozent Männer, die sich in den meisten Ländern salzhaltiger ernähren als Frauen. Etwa 42 Prozent der Todesfälle gehen auf Herzinfarkte, 41 Prozent auf Schlaganfälle zurück, die übrigen auf andere Herzkreislauferkrankungen. Insgesamt 84 Prozent der salzbedingten Todesfälle treten laut Mozaffarian in den Schwellen- und Entwicklungsländern auf.

Die Ernährungsfehler beginnen häufig bereits im Kleinkindalter, beklagt Joyce Maalouf von den Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta, die den Salzgehalt von Fertignahrungsmitteln für Säuglinge und Kleinkinder in den USA untersucht hat. Fast 75 Prozent enthielten zu viel Natrium. In einer Fertigmahlzeit für Kleinkinder spürte die Adipositas-Expertin nicht weniger als 630 mg Natrium auf oder 40 Prozent der für die Altersgruppe empfohlenen Tagesmenge. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

dr.med.thomas.g.schaetzler
am Sonntag, 24. März 2013, 15:49

Doppelt-Meta macht's nicht besser!

Das Kochrezept ist so einfach wie ungenießbar: Man nehme nicht eine einzelne Metaanalyse, sondern zwei. Dazu einige "Mainstream"-Zutaten mit einem ordentlichen Schuss "Convenience". Nach dem Motto, bloß keine komplizierten Gedankengänge mit differenzierter Wissenschafts- und Erkenntnistheorie. Dann würze und versalze man das Ganze bis zur Unbekömmlichkeit. Vereinfachend füge man vaskuläre Erkrankungen und Schlaganfälle als Salatgarnitur hinzu.

Beim Servieren ist darauf zu achten, dass der Service ankündigt, nur und ausschließlich durch Kochsalz würden kardiale Todesfälle verursacht. Vorbei die lächerliche Ursachensuche nach Adipositas, Alkoholabusus,, Alter, Bewegungsmangel, Diabetes, Fehl-, Mangel oder Überernährung, genetischer Disposition, hormonellem Einfluss, Hypertonie, Hyperlipidämie, idiopathischer Arteriosklerose, KHK, Nikotinabusus, PAVK, um nur einiges zu nennen. ["Eating too much salt contributed to 2.3 million deaths from heart attacks, strokes and other heart-related diseases throughout the world in 2010, representing 15 percent of all deaths due to these causes, according to research presented at the American Heart Association's Epidemiology and Prevention/Nutrition, Physical Activity and Metabolism 2013 Scientific Sessions."]

Die Schlussfolgerungen verwirren vollends, weil sie nahelegen, das internationale Sterberaten offensichtlich v ö l i g u n a b h ä n g i g vom Salzkonsum differieren:
"Among the 30 largest countries in the world, those with the highest death rates (per million adults) due to over consuming sodium were:
•Ukraine – 2,109
•Russia – 1,803
•Egypt – 836
Among all countries, the three countries with the lowest death rates (per million adults) due to over consuming sodium were:
•Qatar – 73
•Kenya – 78
•United Arab Emirates – 134
Für die USA geben die Forscher den 19. Platz an, mit 429 Todesfällen auf 1 Million Erwachsene, verursacht durch die Zufuhr von zu viel Kochsalz (einer von 10 US-Todesfällen, bezogen auf diese Ursachen) ["The U.S. ranked 19th out of the 30 largest countries, with 429 deaths per million adults due to eating too much sodium (representing 1 in 10 US deaths due to these causes)."]

'Honi soit qui mal y pense' - ein Schelm, wer Übles dabei denkt!
Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z. Zt. Mauterndorf/A)
Quelle:
http://www.eurekalert.org/pub_releases/2013-03/aha-etm031413.php

Nachrichten zum Thema

16.11.17
Viele Bluttransfusionen bei Herzoperationen könnten vermieden werden
Toronto – Eine restriktive Strategie, die Bluttransfusionen bei Herzoperationen auf Patienten mit einem deutlichen Abfall des Hämoglobinwerts beschränkt, hat in einer weltweiten Studie das Risiko......
14.11.17
PCI: Medikamente beugen akutem Nierenversagen nicht vor
Pittsburgh – Die Infusion von Natriumhydrogencarbonat oder die orale Gabe von Acetylcystein, die bei einer perkutanen koronaren Intervention (PCI) eine Schädigung der Nieren durch das Kontrastmittel......
27.10.17
Aortenstenose: Mehr Komplikationen bei Herzoperationen am Vormittag
Lille – Herzchirurgen aus Frankreich ist aufgefallen, dass es nach Aortenklappen-Operationen nur halb so häufig zu schweren Komplikationen kommt, wenn der Eingriff am Nachmittag erfolgt. Eine im......
17.10.17
Deutsche Herz-Kreis­lauf-Forschung international erfolgreich
Berlin – Die deutsche Herz-Kreislauf-Forschung wird international stärker wahrgenommen und anerkannt. Darauf hat die Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) hingewiesen. „Analysen zeigen, dass in......
29.09.17
Herz-Kreislauf-Erkran­kungen verursachen die höchsten Ausgaben
Berlin – Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen unter den verschiedenen Krankheiten die höchsten Ausgaben. Die dadurch entstandenen Krankheitskosten lagen 2015 in Deutschland bei 46,4 Milliarden......
26.09.17
Rehaeffekte bei Herzerkrankung verwischen oft nach rund einem Jahr
Berlin – Auf die Bedeutung einer langfristigen Begleitung von Menschen mit Herzerkrankungen haben Deutsche Herzstiftung und Deutsche Stiftung für Herzforschung hingewiesen. Rund 75.000 Menschen......
11.09.17
Chronikerprogramm zur koronaren Herzerkrankung kann erweitert werden
Köln – Das Disease-Management-Programm (DMP) zur koronaren Herzerkrankung (KHK) deckt die wichtigen Versorgungsaspekte weitgehend ab, könnte aber verbessert werden. Zu diesem Ergebnis kommt das......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige