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Medizin

Darmbakterien senken Körpergewicht

Donnerstag, 28. März 2013

Boston – Die Wirkung eines Roux-en-Y-Magenbypass beruht möglicherweise nicht allein auf der Verkleinerung des Magens und der Verkürzung der Resorptionsstrecke. Experimente in Science Translational Medicine (2013; doi: 10.1126/scitranslmed.­3005687) belegen eine Veränderung der Darmflora, die nach der Übertragung auf nicht-operierte Tiere eine Gewichtsabnahme induzierte.

Die unmittelbare Wirkung einer Roux-en-Y-Operation verblüfft immer wieder die Internis­ten. Es beginnt damit, dass die erzwungene Umstellung der Ernährung häufig zur unmittelbaren Beseitigung der diabetischen Stoffwechsellage führt, noch bevor die Patienten überhaupt abgenommen haben. Die spätere Gewichtsreduktion fällt dann häufig deutlicher aus als von der Kalorienrestriktion her zu erwarten gewesen wäre.

Lee Kaplan vom Massachusetts General Hospital in Boston vermutet deshalb, dass eine nach der Operation veränderte Darmflora eine Rolle spielt. Um die Auswirkungen zu untersuchen, verglich sein Team drei Gruppen von Mäusen. In der ersten Gruppe wurde eine Roux-en-Y-Operation durchgeführt, die Tiere aus den anderen beiden Gruppen wurden einer Scheinoperation unterzogen.

Bei ihnen wurde der Darm zwar ebenfalls getrennt, dann aber ohne Anlage eines Magenbypass wieder reanastomisiert. Ein Teil dieser Tiere wurde postoperativ normal ernährt, die anderen wurden einer extremen Restriktionsdiät unterzogen, so dass sie am Ende genauso viel Gewicht verloren wie die Tiere mit Roux-en-Y-Magenbypass.

Wie Kaplan berichtet, hatte nur die Roux-en-Y-Operation, nicht aber die Kalorien­restriktion nach Scheinoperation eine deutliche Veränderung der Darmflora zur Folge. Es kam zu einem schnellen und anhaltenden Anstieg von Gammaproteobacteria (Escherichia) und Verrucomicrobia (Akkermansia). Um den Einfluss der Darmflora auf den Diäterfolg zu untersuchen, übertrug Kaplan die Darmflora auf eine weitere Gruppe von Mäusen, die keimfrei aufgewachsen waren und deren Darm deshalb noch nicht bakteriell besiedelt war.

Die Effekte waren dramatisch. Die Übertragung der Darmbakterien von den Roux-en-Y-operierten Mäusen führte bereits nach 2 Wochen zu einer deutlichen Gewichts­abnahme, während die Darmflora der scheinoperierten Tiere keine Auswirkungen erzielte. Wie genau die Darmbakterien die Gewichtsreduktion auslösten, ist unklar.

Kaplan vermutet, dass die veränderte Produktion von kurzkettigen Fettsäuren eine Rolle spielt. Ob die Experimente auf den Menschen übertragbar wären, ist offen. Die Labor­situation der keimfrei aufgewachsenen Mäuse lässt sich kaum mit den Lebens­umständen von adipösen Menschen vergleichen. Die Studie dürfte allerdings klinische Versuche stimulieren, um die Möglichkeiten von probiotischen Bakterien oder einer Fäkaltrans­plantation zur Behandlung der Adipositas zu erkunden. © rme/aerzteblatt.de

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