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Medizin

Goji-Beere: BfArM warnt vor Interaktion mit Vitamin-K-Anta­gonisten

Mittwoch, 3. April 2013

Bonn – Zu den Nahrungsmitteln, die vermutlich über eine Wechselwirkung in der Leber die Wirkstoffkonzentration von Vitamin-K-Antagonisten dramatisch erhöhen können, zählt nach einem Bericht im Bulletin zur Arzneimittelsicherheit (2013; 1: 15-17) auch die Goji-Beere, die zunehmend in Nahrungsergänzungsmitteln zur Stärkung des Immunsystems und für andere gesundheitliche Wohltaten angeboten wird.

Goji-Beeren sind die Früchte des Gemeinen Bocksdorns (Lycium barbarum) aus der Familie der Nachtschattengewächse. Sie werden in China traditionell zum Kochen, aber auch in der Naturheilkunde eingesetzt. Seit einigen Jahren werden Goji-Beeren zunehmend auch in Europa vermarktet. Neben getrockneten Früchten, Tees, Säften oder Marmeladen werden auch Kapseln mit den Extrakten von Goji-Beeren angeboten.

Den „kleinen roten Wunderfrüchtchen“ werden eine Reihe von gesundheitsfördernden Eigenschaften nachgesagt, die sie auch für Patienten attraktiv machen könnten, die mit oralen Antikoagulanzien aus der Gruppe der Vitamin-K-Antagonisten behandelt werden.

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Die Wirkstoffe Phenprocoumon (Marcumar) und Warfarin (Coumadin) sind jedoch, da sie überwiegend in der Leber über die P450-Cytochrome CYP3A4 und CYP2C9 abgebaut werden, anfällig für Interaktionen. Möglich ist sowohl eine Verminderung der Wirkstoff­konzentration (etwa durch Induktion der P450-Enzyme und einen schnelleren Abbau von Coumarinen) als auch eine Steigerung des Plasmaspiegels (durch Blockade der P450-Enzyme und eine verlangsamte Metabolisierung). Letztere wird bei Coumarinen wegen des damit verbundenen Blutungsrisikos besonders gefürchtet.

Vier Fallberichte, die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfARM) jetzt vorstellt, deuten darauf hin, dass auch die Inhaltsstoffe von Goji-Beeren, vermutlich über eine Blockade von CYP2C9 (der genaue Mechanismus ist nicht bekannt), die Plasmaspiegel der Coumarine steigern. In allen vier Fällen kam es innerhalb kurzer Zeit zu einem deutlichen Anstieg der INR-Werte oder zu Blutungen. Bei einer Frau stieg der INR-Wert zwischen zwei monatlichen Routinekontrollen von 2,5 auf 4,1. In einem anderen Fall wurde eine INR-Erhöhung auf 4,97 festgestellt.

Das BfARM rät allen Patienten, die Vitamin-K-Antagonisten einnehmen, den Verzehr von Goji-Beeren oder seinen Zubereitungen zu vermeiden. Ärzte sollten bei plötzlichen INR-Erhöhungen unbedingt in der Anamnese nach dem Verzehr von Goji-Beeren wie zum Beispiel Tee oder Marmeladen fragen. Das BfArM bemüht sich derzeit darum, die mögliche Wechselwirkung in die Produktinformationen der Vitamin-K-Antagonisten aufzunehmen. © rme/aerzteblatt.de

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