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Medizin

Antidepressivum lindert Neuropathie nach Chemotherapie

Mittwoch, 3. April 2013

Ann Arbor – Das Antidepressivum Duloxetin, das bereits zur Behandlung der diabetischen Neuropathie zugelassen ist, kann auch die Beschwerden einer peripheren Neuropathie lindern, zu der es häufig nach einer Chemotherapie mit neurotoxischen Medikamenten kommt. Die beste Wirkung wurde in einer randomisierten Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2013; 309: 1359-1367) bei Neuropathien Platin-Analoga erzielt.

Nach einer Chemotherapie mit neurotoxischen Substanzen wie Taxanen, Platin-Analoga, Vinca-Alkaloiden oder Bortezomib entwickeln bis zu 40 Prozent der Patienten eine Neuropathie, von der sich viele erst nach Monaten oder Jahren erholen. Die thera­peutischen Möglichkeiten sind derzeit begrenzt, aufgrund der guten Wirkung bei der diabetischen Neuropathie wird gelegentlich Duloxetin eingesetzt. In einer vom US-Nati­onal Cancer Institute gesponserten Studie haben jetzt Ellen Lavoie Smith von der University of Michigan School of Nursing in Ann Arbor und Mitarbeiter die Wirksamkeit in einer randomisierten Studie untersucht.

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An der Studien nahmen 231 Patienten im Alter über 25 Jahre teil, die nach einer Chemotherapie mit Paclitaxel (oder anderen Taxanen) oder Oxaliplatin (oder anderen Platin-Analoga) eine periphere Neuropathie vom Grad 1 oder höher entwickelt hatten. Die Beschwerden mussten mindestens 4 von 10 Punkte auf einer Schmerzskala betragen.

Die Patienten wurden zunächst auf eine 5-wöchige Therapie mit Duloxetin oder Placebo randomisiert. Danach wurden die Therapie-Arme gewechselt. Die Duloxetintherapie begann in der ersten Woche mit einer Tagesdosis von 30 mg/die, die ab der zweiten Woche auf 30 mg gesteigert wurde. Trotz der Titration erlitten viele Patienten Neben­wirkungen und 11 Prozent der Patienten brachen deswegen die Therapie ab (1 Prozent im Placebo-Arm).

Bei den anderen Patienten erzielte Duloxetin jedoch eine schmerzlindernde Wirkung: Die Beschwerden gingen um 1,06 Punkte auf der 10-Punkte-Skala zurück gegenüber einer Annahme um 0,34 Punkte im Placebo-Arm, wie die Autoren berichten. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen verfehlte allerdings das Signifikanzniveau. Für Lavoie Smith ist die Therapie dennoch einen Versuch wert, da insgesamt 59 Prozent der Patienten eine Linderung der Schmerzen erreichten gegenüber 38 Prozent im Place­bo-Arm.

Allerdings berichteten 30 Prozent der Patienten unter Duloxetin über keine Verbesserung und bei 10 Prozent kam es sogar zu einem Anstieg der Beschwerden. Eine explorative Analyse ergab, dass vor allem Patienten mit Neuropathie nach einer Taxan-basierten Chemotherapie von der Behandlung profitierten. Andere neurotoxische Medikamente wie Vinca-Alkaloiden oder Bortezomib waren in der Studie nicht eingesetzt worden. © rme/aerzteblatt.de

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