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Medizin

HIV: Breitband-Antikörper als Roadmap zur Impfstoffentwicklung

Donnerstag, 4. April 2013

dpa

Durham – Ungefähr einer von fünf HIV-Infizierten entwickelt im Verlauf der Erkrankung Breitband-Antikörper. Sie könnten die Patienten möglicherweise vor einer Immun­schwäche schützen, wenn sie zu einem früheren Zeitpunkt gebildet oder durch eine Impfung induziert würden. Die detaillierte Verlaufsbeobachtung der Antikörperreaktion bei einem HIV-Infizierten in Nature (2013; doi: 10.1038/nature12053) wird als Impuls für die Entwicklung einer effektiven HIV-Vakzine gewertet.

Auch 30 Jahre nach der Entdeckung des HI-Virus ist noch kein Impfstoff in Sicht. Der Grund liegt in der hohen genetischen Variabilität des Virus, das sich den Zugriffen der Antikörper, die das Immunsystem im Verlauf der Infektion bildet, immer wieder entziehen kann. Nur sehr wenige HIV-Infizierte entwickeln frühzeitig sogenannte Breitband-Antikörper.

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Diese können das Virus zwar nicht eliminieren, sie könnten aber die Entwicklung einer Immunschwäche hinauszögern, wenn sie frühzeitig im Verlauf der Infektion auftreten würden. In den letzten Jahren wurde entdeckt, dass diese Breitband-Antikörper häufiger sind als ursprünglich angenommen. Sie sind bei etwa einem Fünftel der Patienten nachweisbar. Die meisten entwickeln sie aber erst 2 bis 4 Jahre nach der Infektion, wenn die Vielfalt der HI-Viren die Möglichkeiten der Breitband-Antikörper überfordert.

Einem Team um Barton Haynes von der Duke Universität in Durham, North Carolina, ist es nun erstmals gelungen, die Entwicklung eines Breitband-Antikörpers im Verlauf der Infektion zu beobachten. Bei dem Mann afrikanischer Herkunft war die Infektion bereist vier Wochen nach der Ansteckung entdeckt worden.

Seither waren im Rahmen einer Studie alle vier Wochen Blutproben entnommen worden. Wie die Forscher berichten, kam es im Verlauf dieser Zeit immer wieder zur Bildung neuer Antikörper gegen das HI-Virus. Doch erst 34 Monate nach der Infektion begann das Immunsystem, den Breitband-Antikörper CH103 zu produzieren, der 55 Prozent aller HIV-Isolate neutralisierte. Für den Patienten kommt CH103 zu spät: Wäre er in den ersten Wochen produziert worden, würde dem Patient vielleicht eine spätere antiretrovirale Therapie erspart.

Konkrete Auswirkungen ergeben sich aus der Entdeckung von CH103 bislang nicht. Im Prinzip wäre es möglich, den Antikörper zu klonen. Als Medikament müsste CH103 jedoch lebenslang gegeben werden. Die Therapie wäre um ein Vielfaches teurer als eine antiretrovirale Therapie, und die Gefahr, dass sich die Viren dem Zugriff von CH103 durch Mutationen entziehen, wäre groß.

Die Hoffnungen ruhen deshalb weiterhin auf der Entwicklung einer Vakzine, die das Immunsystem von Gesunden zur Bildung von CH103 oder anderen Breitband-Antikörper stimulieren könnte. Hieran wird derzeit am Duke Center for HIV/AIDS Vaccine Immuno­logy-Immunogen Discovery (CHAVI-ID) und anderen Zentren gearbeitet. Die Forscher schreiben, dass die neuen Erkenntnisse ihnen eine „Roadmap“ vorgeben. Ob die dort vorgeschlagenen Wege zum Ziel führen, lässt sich allerdings nicht vorhersehen. © rme/aerzteblatt.de

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