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Ärzteschaft

Bessere Schutzprogramme vor Krankenhaus­infektionen gefordert

Sonntag, 7. April 2013

Wiesbaden – Knapp ein Drittel der im Krankenhaus erworbenen Infektionen sind Schätzungen zu Folge vermeidbar. Das sind jährlich in Deutschland circa 180.000, teilweise schwere Infektionen, davon 4.500 tödlich verlaufende. „Wir benötigen dringend bessere Infektionspräventionsprogramme an den Kliniken“, sagte der Infektiologe Frank Brunkhorst vom Universitätsklinikum Jena beim 119. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Wiesbaden. „Die bisher passive Umsetzung von Empfehlungen, Leitlinien und gesetzlichen Vorgaben reicht in Zukunft nicht mehr aus, um dem gestiegenen Bedarf an Hygienestandards ausreichend zu begegnen.“

Circa die Hälfte der Sepsisfälle sei durch im Krankenhaus erworbene Infekte hervor­gerufen. Zu den Risikogruppen gehörten Patienten, bei denen das Immunsystem geschwächt sei, zum Beispiel durch eine rheumatisch-entzündliche Erkrankung, Malignome oder großflächige Wunden. Operationen, Blutgefäß- und Blasenkatheter gehören zu den Risikofaktoren für sekundär endogene Infektionen, die durch Keime der patienteneigenen mikrobiellen Flora hervorgerufen werden, erläuterte Brunkhorst.

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Bis zu 38 Prozent der auf Intensivstationen erworbenen Infekte aber würden durch exo­gene von anderen Patienten oder Pflegepersonal stammenden Krankheitserregern verursacht. Während die endogen bedingten nosokomialen Infektionen nur teilweise verhindert werden könnten, gelte es, exogen verursachte Hospitalinfektionen generell zu vermeiden.

Unter dem zunehmenden finanziellen Druck im Gesundheitswesen werde über die Durchsetzung oder über den Verzicht auf bestimmte Präventionsmaßnahmen unter dem Kostenaspekt entschieden. Deshalb sei es wichtig, die Evidenz für Präventions­maßnahmen, die landesweit umgesetzt werden können, durch Studien zu belegen. Das sei das Ziel des vom Bundesministerium für Forschung und Bildung geförderten Projekts (ALERTS). Die Federführung hat das „Center for Sepsis Control and Care“ am Universitätsklinikum Jena.

Außer der Forderung nach einem rationalen Umgang mit Antibiotika und nach konsequenter Händedesinfektion erlebt die Antiseptik offenbar in weiteren Anwendungsbereichen eine Renaissance. Erste Studienergebnisse weisen nach Angaben von Brunkhorst daraufhin, dass regelmäßige Mundspülungen mit Chlorhexidin den beatmungsassoziierten nosokomialen Pneumonien von Patienten vorbeugen.

Eine Anwendung von desinfektionsmittelgetränkten Schwämmchen sei offenbar beim Wechsel eines Venenkatheters sinnvoll. Generell gelte für Blutgefäß- und Harnblasenkatheter: Je kürzer die Liegezeit, desto besser. „Es ist wichtig, regelmäßig kritisch zu hinterfragen, ob ein Katheter beim einzelnen Patienten noch notwendig ist“, sagte Brunkhorst. © nsi/aerzteblatt.de

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