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Politik

OECD warnt vor Überkapazitäten im Krankenhaus

Montag, 8. April 2013

dpa

Berlin/Paris – In kaum einem anderen Land werden Patienten so oft im Krankenhaus behandelt wie in Deutschland. Diese Auffassung vertritt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in dem Bericht „Managing Hospital Volumes – Germany an Experiences from OECD Countries“.

Er dient zur Vorbereitung für eine Konferenz zur Krankenhausversorgung mit Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr (FDP) am kommenden Donnerstag. Spitzenreiter ist Deutschland danach bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hernien-Behandlungen, Hüftersatz und brusterhaltenden Operationen.

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Maß ist für die OECD die Zahl der Entlassungen aus dem Krankenhaus – sie liegt in Deutschland bei 240 pro 1.000 Einwohner pro Jahr. Nur in Österreich ist sie mit 261 noch höher. Deutschland verfügt laut der OECD über 8,3 Betten pro 1.000 Einwohner. Höher liegen nur Korea und Japan.

Laut der OECD werde die Finanzierung der Krankenhäuser in Deutschland schwächer kontrolliert als in vielen anderen Ländern. Die Organisation kritisiert, für die Bundes­länder gebe es kaum Anreize, ihre Krankenhauskapazitäten zu überprüfen und gegebenenfalls abzubauen. Außerdem nutze Deutschland Versorgungsdaten zu wenig, um die Finanzierung zu steuern.

Auf der anderen Seite räumen die Autoren ein, dass die Versorgung in Deutschland besser sei als in anderen OECD-Mitgliedsländern. Die Patienten hätten leichter Zugang zu einer Behandlung im Krankenhaus. Außerdem habe Deutschland im Augenblick die Finanzkraft, die Krankenhausversorgung auf hohem Niveau zu halten.

Die oben genannten Mängel seien aber ein Anreiz zur Überversorgung. Wegen der demografischen Entwicklung sei es wichtig, zu diskutieren ob die Behandlungskapazität in deutschen Kliniken angemessen sei und gegebenenfalls Versorgungsbereiche zu stärken, also den ambulanten Sektor, meinen die Autoren des OECD-Berichtes. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 13. April 2013, 11:20

OECD-Studie: Lachnummer - mit und ohne Sombrero?

Die Autoren des OECD-Gutachtens belieben zu scherzen. Eingangs sprechen sie davon, das deutsche Gesundheitswesen hätte die finanzielle Kapazität und den 'Appetit', expandieren zu wollen ["the German health care system may have the financial capacity (and appetite)..."].
Doch bereits im ersten Säulendiagramm ist Schluss mit lustig: Es zeigt eine absurd aufgespreizte Häufung von Krankenhausbetten im Ländervergleich, die von Japan mit 13,6 Betten auf 1.000 Einwohner, über Deutschland mit 8,3 Betten bis zum Schlusslicht Mexiko mit 1,6 Betten auf 1.000 Einwohner reichen ["Figure 1: Hospital beds per 1000 population, 2010 (or latest year available)"].

Eine 100%ige Bettenauslastung für jeden einzelnen Tag vorausgesetzt, würden damit j e d e r Japaner bzw. j e d e Japanerin im Verlauf nur eines einzigen Jahres 5 Tage in einem Krankenhausbett verbringen. Da nach der OECDiLibrary die durchschnittliche Lebenserwartung der Japaner aktuell den Spitzenplatz von 83 Jahren im Ländervergleich anführt, hätte jeder Bewohner Japans von seiner Lebenszeit durchschnittlich knapp 412 Tage, also weit mehr als ein ganzes Jahr, im Krankenhausbett zugebracht.

Jetzt könnten sich die OECD-Autoren erst mal bescheiden und darüber sinnieren, ob viele Krankenhausbetten die Lebenserwartung verlängern oder etwa umgekehrt? Doch weit gefehlt! Ausgerechnet Mexiko mit dem niedrigsten Krankenhaus-Bettenstand muss auch noch als Vergleichsland herhalten.

Dass Mexiko gar nicht mit Deutschland vergleichbar ist, hätte der OECD doch vorher auffallen müssen: Hierzulande gibt es viel weniger Sonne und Hitze, viel mehr Schnee (Ausnahme 'Koks'), viel weniger Smog, viel weniger Tequila, viel weniger Schusswaffengebrauch, eine viel höhere Lebenserwartung und ... viel weniger Sombreros!
Vgl. http://www.springermedizin.de/oecd-lachnummer---mit-oder-ohne-sombrero/4355156.html
Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #82296
ptsrd
am Montag, 8. April 2013, 23:12

Welche Zahlen stimmen?

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) spricht in dem Bericht von 8,3 Betten pro 1000 Einwohner ergäbe für Deutschland
(81.726.000 Einwohner in 2011 lt. stat. Bundesamt) 678.325,8 Krankenhausbetten.
Laut stat. Bundesamt aber gab es in Deutschland im Jahre 2011 503.000 Krankenhausbetten. Ergibt pro 1.000 Einwohner 6,15 Betten, also 2,15 pro 1000 weniger.
Mal wieder eine Stimmungsmache um Betteb abzubauen? Und das wo ich es als Rettungsassistent immer wieder erlebe, dass die Krankenhäuser in unserem Einzugsbereich und auch die der umliegenden Stätte immer und immer wieder ganze Stationen bzw. auch die ganzen Häuser wegen mangels an freien Betten abmelden?
Wo soll das ganze noch hinführen?

LNS

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