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Medizin

Kann Bilirubin Raucher vor Lungenkrebs schützen

Montag, 8. April 2013

Houston – Auf der Suche nach einem Tumormarker für das Bronchialkarzinom sind US-Forscher auf Bilirubin gestoßen. Raucher mit einem niedrigem Serumspiegel erkranken häufiger am Bronchialkarzinom, und sie haben nach der Diagnose eine schlechtere Prognose, wie US-Forscher auf der Jahrestagung der American Association for Cancer Research (AARC) in Washington berichten.

Das Team um Xifeng Wu vom MD Anderson Cancer Center in Houston hatte zunächst eine Metabolom-Analyse an 20 Gesunden sowie jeweils 20 Patienten im Früh- und Spätstadium eines nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms durchgeführt. Bei der Studie wurden ungezielt eine Vielzahl von Stoffwechselprodukten im Blut bestimmt. Zu den drei Substanzen, für die bei den Krebspatienten auffällig niedrige Serumwerte gefunden wurden, gehörte Bilirubin.

Um einen Zufallsbefund auszuschließen, wurden die Ergebnisse an einer zweiten Gruppe von 519 Gesunden und Patienten validiert. Als sich Bilirubin hier erneut als ein vielversprechender Marker erwies, wertete das Team die Daten von 435.985 Teilnehmern einer prospektiven Kohortenstudie aus Taiwan aus. Auch hier stachen niedrige Bilirubinwerte als potenzieller Tumormarker hervor.

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Laut Wu stieg die Lungenkrebsinzidenz von 3,73 auf 7,02 auf 10.000 Personenjahre, wenn Bilirubinwerte von 0,68 mg/dl oder darunter mit Werten von 1,12 mg/dl oder darüber verglichen wurden. Dies bedeutet, dass Personen mit einem niedrigen Bilirubinwert ein um 51 Prozent erhöhtes Erkrankungsrisiko haben. Untern den Rauchern stieg das Risiko sogar um 69 Prozent.

Die Lungenkrebs-spezifische Mortalitätsrate nahm von 2,46 auf 4,84 pro 10.000 Patientenjahre oder um 59 Prozent zu. Bei Rauchern betrug der Anstieg 76 Prozent. Die Ergebnisse waren laut Wu nur für Raucher signifikant, was aber daran gelegen haben könnte, dass 90 Prozent aller Lungenkrebse durch das Rauchen ausgelöst wurden, das mit Abstand der wichtigste Risikofaktor ist.

Die Ergebnisse sind nach Ansicht von Wu biologisch plausibel, da das Hämo­globin­abbauprodukt Bilirubin antioxidative, antientzündliche und antiproliferative Wirkungen habe. Es sei möglich, dass Bilirubin vor Lungenkrebs schütze, weil es freie Radikale und Karzinogene abfängt und so eine Krebsentstehung verhindere. Die Forscherin verweist auf eine Studie aus Belgien, in der ein hoher Bilirubinwert ebenfalls mit einer verminderten Krebssterblichkeit assoziiert war.

In einer anderen Studie aus Großbritannien hätten erhöhte Bilirubinspiegel eine verminderte Rate von chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) und Lungenkrebs sowie eine niedrige Gesamtsterblichkeit angezeigt. Keine der beiden Studien hat zwischen Rauchern und Nichtrauchern unterschieden. Als nächsten Schritt will die Forscherin den Bilirubinwert in ein Modell zur Berechnung des Erkrankungsrisikos einbeziehen. Der Abstract LB-27 war zum Berichtszeitpunkt noch nicht publiziert. © rme/aerzteblatt.de

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