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Medizin

Robert Koch-Institut: Resistenzen gegen Gonokokken nehmen zu

Montag, 8. April 2013

Berlin – Nachdem in den letzten Jahren international über zunehmende Probleme bei der Behandlung der Gonorrhö berichtet wurde, geht jetzt auch das Robert Koch-Institut von einer zunehmenden Antibiotikaresistenz von Neisseria gonorrhoeae aus. Genaue Zahlen gibt es aber nicht, da die Gonorrhö seit 2001 in Deutschland nicht mehr meldepflichtig ist.

Aus dem jüngsten Jahresbericht des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) geht hervor, dass 2010 in den 28 EU/EEA-Staaten fast 32.000 Menschen an einer Gonorrhö erkrankt sind. Die Zahl stützt sich auf die Meldungen der einzelnen Staaten mit einer einzigen Ausnahme: Deutschland. Hierzulande gibt es keine verlässlichen Zahlen zur Erkrankungshäufigkeit, weil die Gonorrhö seit dem Infektions­schutzgesetz von 2001 nicht mehr meldepflichtig ist - außer in Sachsen.

Für das Bundesland gibt es eine Sonderregelung. Die dortigen Labore müssen positive Testergebnisse melden. Im Epidemiologischen Bulletin (2013; 14: 115-119) werden die Meldungen auf Deutschland hochgerechnet. Danach ist die Inzidenz von Gonokokken-Infektionen zwischen 2003 und 2011 von 6,8 auf 13,7/100.000 Einwohner gestiegen.

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Die Entwicklung würde sich, wenn die Zahlen zutreffen, von der in anderen europäischen Ländern unterscheiden, wo es zwischen 2006 und 2010 zu einem Rückgang um 5 Prozent gekommen ist. Die Erkrankungszahlen würden in Deutschland auch leicht über dem europäischen Durchschnitt liegen, die die ECDC mit 10,4/100.000 Einwohner angibt.

Wie in den anderen Ländern konzentrieren sich die Infektionen auch in Deutschland auf Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). Der Anteil liegt europaweit bei einem Viertel. Mehr als 40 Prozent aller Patienten sind unter 25 Jahre alt. Für Deutschland liefert die 2009/10 durchgeführte Paris-Studie („Pharyngeal and rectal infection screening“) Hinweise: 4,6 Prozent der in Arztpraxen durchgeführten rektalen Abstriche waren positiv. Eine weitere Risikogruppe sind Sexarbeiterinnen. Hier waren in einer anderen Studie 3,2 Prozent der Gonokokken-Tests positiv.

Auch zur Resistenzproblematik gibt es in Deutschland keine genauen Daten. Nach den Erfahrungen des Konsiliarlabors für Gonokokken am Vivantes Klinikum Neukölln und einer Studie der Paul-Ehrlich Gesellschaft (PEG) sind neben Penicillin auch Chinolone oft nicht mehr wirksam. Als Mittel der ersten Wahl wird jetzt Ceftriaxon (i. v. oder i. m.) plus Azithromycin (p. o.) empfohlen. Auch gegen diese Antibiotika gibt es zunehmend Resistenzen. Das Konsiliarlabor berichtete 2010 über Azithromycin-Resistenzen bei 8 Prozent der Isolate, 2011 und 2012 fiel die Rate auch 2 Prozent. Die PEG-Studie ermittelte 2010 eine Resistenzrate gegenüber Azithromycin von 6 Prozent.

Beunruhigender ist aus Sicht der Robert Koch-Instituts ein Trend zu einer reduzierten Empfindlichkeit gegenüber Cephalosporinen der 3. Generation (Cefixim, Ceftriaxon). Im Jahr 2010 seien auch in Deutschland erstmals ansteigende Hemmkonzentrationen gegen Cephalosporine der 3. Generation beobachtet worden, heißt es in dem aktuellen Bericht. Betroffen seien fast ausschließlich Männer. © rme/aerzteblatt.de

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