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Medizin

Brustkrebsgene machen Prostatakarzinom aggressiver

Dienstag, 9. April 2013

pa

Madrid – Mutationen in den Brustkrebsgenen BRCA1 und BRCA2 treten auch bei Männern auf. Sie gelten als möglicher Auslöser des Prostatakarzinoms. Krebspatienten mit einer Mutation müssen einer Studie im Journal of Clinical Oncology (2013; doi: 10.1200/JCO.2012.43.1882) zufolge mit einem aggressiven Verlauf des Prostata­karzinoms rechnen.

Mutationen in den Brustkrebsgenen BRCA1 und BRCA2, die die DNA-Reparatur nicht nur in der Brustdrüse, sondern vermutlich in allen menschlichen Zellen schädigen, sind selten. Unter den 2.019 Patienten mit einem Prostatakarzinom, die das Team um David Olmos vom Centro Nacional de Investigaciones Oncológicas (CNIO) in Madrid unter­suchte, waren 61 Träger einer BRCA2-Mutation, Mutationen im BRCA1 wurden nur bei 18 Patienten gefunden.

Doch die Mutationen hatten deutliche Einflüsse auf die Aggressivität des Tumors. Schon bei der Diagnose hatten die Tumoren häufiger einen prognostisch ungünstigen Gleason-Score von 8 oder höher. Sie hatten häufiger das Stadium T3/T4 erreicht, die Lymphknoten befallen oder Fernmetastasen gesetzt als bei Nichtträgern.

Es wundert deshalb nicht, dass BRCA-Träger eine schlechtere Prognose hatten. Olmos gibt die krebsspezifische Überlebenszeit der Nichtträger mit 15,7 Jahren an. Die Genträger lebten dagegen nur noch 8,6 Jahren. Der Unterschied war allerdings nur bei Trägern von BRCA2-Mutationen signifikant, die die durchschnittliche Überlebenszeit von 12,9 auf 6,5 Jahre verkürzten. BRCA1-Träger lebten dagegen noch 10,5 Jahre, was nur einen nicht-signifikanten Trend ergab.

Auch unter den Patienten mit einem lokalisierten Prostatakarzinom zeigten Mutationen in einem BRCA1/2-Gen einen aggressiveren Verlauf an. Sie senkten die 5-Jahres krankheitsspezifische Überlebenschancen von 96 auf 82 Prozent, ohne Metastasen waren zu diesem Zeitpunkt nur noch 77 Prozent der BRCA1/2-Träger gegenüber 93 Prozent der Nichtträger. Auch hier waren die Ergebnisse nur für das BRCA2-Gen signifikant.

Die Ergebnisse könnten die Therapiestrategien beim lokalisierten Prostatakarzinom verändern. Den Patienten wird heute nicht in jedem Fall zu sofortiger Operation oder Radiotherapie geraten. Wegen der Therapiefolgen auf Kontinenz und Sexualfunktion wird oft eine abwartende Haltung bevorzugt. Dies könnte bei Patienten mit BRCA-Mutationen eine riskantere Strategie sein.

Die Autoren raten aufgrund der Ergebnisse den BRCA2-Trägern den Tumor von Anfang an konsequent behandeln zu lassen. Ob sich dadurch die Heilungschancen verbessern, müsste allerdings genau genommen erst in einer klinischen Studie belegt werden. © rme/aerzteblatt.de

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