Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Krankenhaus­gesellschaft zur OECD-Studie: Falsche Schluss­folgerungen

Dienstag, 9. April 2013

dpa

Berlin – Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat Aussagen der neuen OECD-Studie „Managing Hospital Volumes“ begrüßt, aber gleichzeitig davor gewarnt, durch den Vergleich mit weniger entwickelten oder staatlich stärker reglementierten Gesundheitssysstemen falsche Schlussfolgerungen für Deutschland zu ziehen. „Die OECD-Studie bescheinigt den Kliniken in Deutschland ein international herausragend hohes Versorgungs- und Leistungsniveau, ein weltweit einmaliges Qualitätssicherungs­system, unbeschränkten und flächendeckenden Zugang für die Patienten zu Qualitätsmedizin“, sagte der Hauptgeschäftsführer der DKG, Georg Baum.

Er kritisierte jedoch Schlussfolgerungen aus dem Vergleich mit 34 OECD-Ländern: „Unter ihnen sind auch osteuropäische und Schwellenländer, die in Bezug auf die stationäre Versorgungsdichte sicherlich noch Nachholbedarf haben, so dass der auch von diesen Ländern beeinflusste Durchschnittswert kritisch zu hinterfragen ist“, so Baum.

Dass Deutschland bei der Häufigkeit einer Reihe von Behandlungen eine Spitzenposition einnehme, sei „zunächst einmal als Ausdruck eines wünschenswert breiten und offenen Zugangs der Patienten zu stationären Leistungen und als Qualitäts- und Vertrauens­beweis für die Krankenhäuser in Deutschland zu werten“, sagte der DKG-Hauptge­schäftsführer.

Die Krankenhausgesellschaft sehe sich durch die OECD-Studie darin bestärkt, das Leistungsgeschehen in Deutschland nicht allein mit der demografischen Entwicklung zu erklären. Vielmehr seien neben der Demografie auch der medizinische Fortschritt, Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten für Patienten und niedergelassene Ärzte sowie die Qualität und die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems entscheidend.

Baum kritisierte, wenn die Autoren der Studie vorschlügen, das Leistungsgeschehen stärker über von der Politik festzulegende Budgets und über politische Eingriffe in die Vergütungen einzelner Leistungen zu steuern, nähmen sie Anleihen aus Ländern mit enger staatlicher Steuerung und restriktiven Budgetierungen.

„Auch der Vorschlag, die Vergütung der Leistungen der einzelnen Krankenhäuser von Qualitätsindikatoren abhängig zu machen, während gleichzeitig in der Studie festgestellt wird, dass es solche Vergütungssysteme im Regelbetrieb nirgendwo in der Welt wegen des Fehlens von entsprechenden Indikatoren gibt, ist kein hilfreicher Beitrag zur Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung in Deutschland“, sagte er.

Er betonte, der Anteil der Krankenhausausgaben am Bruttosozialprodukt liege in Deutschland eher im Mittelfeld und auch die Kosten der Krankenhausleistungen seien „alles andere als im Spitzenfeld angesiedelt.“

Die OECD-Studienautoren hatten kritisiert, die Krankenhausfinanzierung in Deutschland werde zu wenig kontrolliert und Versorgungsdaten zu wenig genutzt. Außerdem hätten die Bundesländer kaum einen Anreiz, ihre Krankenhauskapazitäten zu überprüfen und gegebenenfalls abzubauen. Wegen der demografischen Entwicklung sei es wichtig, zu diskutieren ob die Behandlungskapazität in deutschen Kliniken angemessen sei und gegebenenfalls Versorgungsbereiche zu stärken, also den ambulanten Sektor, meinen die Autoren des OECD-Berichtes.  © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Dr. Helmut Müller
am Donnerstag, 11. April 2013, 18:43

Wer sind denn die Verfasser der OECD-Studie ?

Es fällt schon auf, dass die Verfasser dieser OECD-Studie in zahlreichen Passagen nahezu identische Forderungen und Aussagen bundesdeutscher Krankenkassen übernehmen, so z.B. die Forderung nach Selektivverträgen mit den Kliniken. Und es stimmt schon sehr nachdenklich, wenn einerseits Vergleiche mit absolut nicht vergleichbaren Gesundheitssystemen angestellt werden und andererseits sogar Erlöse von der Einhaltung von Qualitätsindikatoren abhängig gemacht werden sollen, ein Prinzip das in keinem der als Vergleichsparameter herangezogenen Länder ausreichend funktioniert. Sollten bundesdeutsche Krankenkassen hier "befruchtend" gewirkt haben ?

Nachrichten zum Thema

08.05.17
Krankenhaus­landschaft: Saarland will umbauen und mehr investieren
Saarbrücken – Die neue Landesregierung im Saarland will mehr Geld in die Krankenhauslandschaft stecken. Die Investitionsmittel sollen von derzeit jährlich 28,5 Millionen Euro bis zum Jahr 2022 um bis......
19.04.17
Fixkostendegressions­abschlag verunsichert Kliniken
Düsseldorf – Der neue Fixkostendegressionsabschlag (FDA) verunsichert laut Deutscher Apotheker- und Ärztebank (Apobank) viele Kliniken. „Aktuell spüren wir in unserer Beratungspraxis deutliche......
18.04.17
Krankenhäuser: Bundesländer müssen Investitionen verdoppeln
Berlin – Die Bundesländer haben die Krankenhausinvestitionen in Deutschland im Jahr 2015 mit rund 2,8 Milliarden Euro finanziert. Das zeigt eine neue von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG)......
12.04.17
CDU kündigt Millionenprogramm für Kliniken in NRW an
Düsseldorf – Der Landtagswahlkampf in Nordrhein-Westfalen geht in die Endphase, bevor am 14. Mai eine neue Landesregierung gewählt wird. Nachdem die SPD den Kliniken bereits ein Milliardenprogramm......
04.04.17
Mehr Geld für Krankenhäuser in Baden-Württemberg
Stuttgart – Die rund 250 Krankenhäuser in Baden-Württemberg sollen in diesem Jahr Finanzmittel in Höhe von 525,5 Millionen Euro erhalten, 63,8 Millionen Euro kommen aus dem Krankenhausstrukturfonds.......
03.04.17
Krankenhaus­förderung: Rheinland-Pfalz für Verbundlösungen
Mainz – Mit gezielten Investitionen und der Unterstützung von Fusionen will die Landesregierung Rheinland-Pfalz die Krankenhausversorgung sichern. Wenn es nicht gelinge, Verbundlösungen für......
29.03.17
Stuttgart – Das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart hat die Klage des Bundesverbands Deutscher Privatkliniken (BDPK) gegen den Landkreis Calw abgewiesen. Das geht aus Pressemitteilungen des Landkreises......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige