Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Ärzte und Kirchen kritisieren Entwurf für ein Sterbehilfegesetz

Mittwoch, 10. April 2013

Berlin ­ – Der derzeit intensiv diskutierte „Gesetzentwurf zur Strafbarkeit der gewerbs­mäßigen Förderung der Selbsttötung“ ist von der Bundes­ärzte­kammer, der Deutschen Bischofskonferenz und dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in einem gemeinsamen Gespräch zu Fragen der Medizinethik heute kritisiert worden. Man war sich darin einig, dass ein Verbot lediglich des gewerbsmäßigen, also gewinn­orientierten Handelns im bisherigen Gesetzentwurf zu kurz greife.

Eine solche Engführung könne den Eindruck erwecken, alle nicht kommerziellen Formen seien als legitim zugelassen. Die Beteiligten betonten außerdem, dass eine Mitwirkung von Ärzten beim Suizid dem ärztlichen Ethos widerspreche und ethisch nicht zu recht­fertigen sei. Eine rechtliche Einschränkung der Garantenpflicht des Arztes wurde zurückgewiesen.

Einig war man sich auch darin, dass die Organspende ein für viele hoffnungsstiftender Weg sei, um Leben zu retten. Die Organspende sei nach ihren gesetzlichen Voraus­setzungen und Regeln den Prinzipien der Gerechtigkeit und der Chancengleichheit bei der Organzuteilung verpflichtet.

Dass diese eingehalten würden, darüber wachten offizielle Einrichtungen und unab­hängige Stellen. Sie hätten mit verschärften Kontrollen und neuen Sicherheits­vorkehrungen auf die jüngst bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten bei Transplantationen in einigen wenigen Kliniken reagiert, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung. Die Delegationen sprachen sich dafür aus, die Information und Aufklärung über Organspenden und Organverteilung zu intensivieren.

In einer intensiven Diskussion traten die Delegationen auch in einen ersten Meinungs­aus­tausch zu den medizinisch-wissenschaftlichen und ethischen Aspekten der „Pille danach“ ein und beschlossen, dieses Thema in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe eingehend aufzuarbeiten.

An dem Spitzengespräch hatten unter anderem der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, der Vorsitzende des Rates der EKD, Nikolaus Schneider, und der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Frank Ulrich Montgomery, teilgenommen. © Kli/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

yotoo
am Sonntag, 14. April 2013, 22:17

Ethisch nicht zu rechtfertigen?

Soll das ein Witz sein? Einem todkranken, hilflosen Menschen zu verwehren, sein eigenes Leben selbstbestimmt zu beenden, das ist ethisch nicht zu rechtfertigen. Ich bin kein Fachmann im Bezug auf das Berufsethos eines Arztes, aber Leben trotz großem Leid zwanghaft zu erhalten halte ich für hochgradig unethisch.
w.strecker
am Freitag, 12. April 2013, 11:25

Selbstbestimmungsrecht beachten

Hilflose Menschen können naturgemäß nur mit fremder Hilfe (z.B.am Besten durch
seriöse Ärzte) ihre Selbstbestimmung realisieren.
Es ist beängstigend feststellen zu müssen, wie eine unheilige Allianz von Ärztevertretern und Kirchen das Selbstbestimmungsrecht gerade schwerstleidender Menschen grob mißachtet.
Eine simplifizierende, fundamentalisische Moral macht es halt sehr einfach, sich von
schwerwiegenden Problemen der Menschen zu distanzieren.

Nachrichten zum Thema

16.10.17
68 Schwerkranke fordern Medikament zur Selbsttötung
Hamburg – Das Thema Sterbehilfe wird auch die neue Bundesregierung weiter beschäftigen: 68 Patienten hätten beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArm) einen Antrag zum Erwerb......
02.10.17
Ärztekammer Westfalen-Lippe fordert Maßnahmen gegen Organspendenmangel
Münster – Mehr Anstrengungen dafür, die Zahl der Organspender in Deutschland zu steigern, fordert die Ärztekammer Westfalen-Lippe. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der gemeinnützigen Stiftung......
29.09.17
Mehrheit würde schwerstkranken Angehörigen beim Suizid helfen
Mainz – Die Mehrheit der Deutschen würde einer Umfrage zufolge schwerstkranken Angehörigen beim Suizid helfen. 53 Prozent würden solchen Angehörigen ein zum Tod führendes Medikament verschaffen, wie......
29.09.17
Erste Strafuntersuchung in Niederlanden nach Sterbehilfe
Den Haag – Zum ersten Mal wird ein Fall von aktiver Sterbehilfe in den Niederlanden von der Staatsanwaltschaft strafrechtlich untersucht. Das berichteten niederländische Medien heute. In dem Fall......
26.09.17
Wie Ontario die Zahl der postmortalen Organspender um über 50 Prozent steigerte
Toronto – In der kanadischen Provinz Ontario ist Zahl der postmortalen Organspender in wenigen Jahren um 57 Prozent gestiegen. Eine Studie im Canadian Medical Asso​ciation Journal (CMAJ 2017;......
21.09.17
Richter billigt Stopp lebensverlängernder Maßnahmen bei Wachkomapatienten
London – Ein Gericht in Großbritannien hat entschieden, dass lebensverlängernde Maßnahmen bei Wachkoma-Patienten in Zukunft ohne gesonderte richterliche Erlaubnis eingestellt werden dürfen. Das......
08.09.17
Organtrans­plantation: Grenzüber­schreitender Austausch wichtig
Frankfurt – Die Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) hat anlässlich des morgigen europäischen Tags der Organspende auf die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit hingewiesen. Sie sei......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige