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Medizin

Kuba: Wirtschaftskrise senkte Diabetes-Rate

Mittwoch, 10. April 2013

dpa

Madrid – Die schwere Wirtschaftskrise, die in Kuba nach dem Ende der Sowjetunion ausbrach und die darauf folgende langsame Erholung bestätigen eindrucksvoll die Ergebnisse diabetologischer Präventionsstudien: Bereits eine mäßige Gewichtsreduktion kann einer Diabeteserkrankung vorbeugen, vor allem wenn sie mit einem Programm zur körperlichen Ertüchtigung verbunden ist.

Kuba war über lange Zeit von der Wirtschaftshilfe der Sowjetunion abhängig und fest in den Wirtschaftsraum des Comecon (RGW) integriert. Als beide Institutionen aufhörten zu existieren, brach der Export von Zuckerrohr zusammen und dem Land fehlten Devisen zum Einkauf von Erdöl und Erdölprodukten, zu denen Düngemittel und Pestizide zählen. Es kam zu einer Nahrungsmittelknappheit.

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In der „Período especial en tiempo de paz“ (Sonderperiode in Friedenszeiten) von 1991 bis 1995 nahm das durchschnittliche Körpergewicht der erwachsenen Kubaner um 4 bis 5 kg ab, was etwa der Reduktion entspricht die in Präventionsstudien die Rate von Neuerkrankungen am Typ 2-Diabetes halbiert hat. Da das Benzin für die Autos fehlte, ließ die Regierung mehr als eine Million Fahrräder verteilen und folgte damit, wenn auch unfreiwillig, einem Ratschlag von Diabetologen, die eine Reduktionsdiät nur für sinnvoll halten, wenn sie von einem Sportprogramm begleitet wird (da sonst die Gefahr besteht, dass Muskel- statt Fettmasse abgebaut wird).

Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten. War die Diabetes-Inzidenz vor der Sonderperiode relativ stabil gewesen, kam es innerhalb weniger Jahre zu einem Rückgang der Neuerkrankungen von 1,8 auf 1,2 pro 1.000 Personen. Auch die Zahl der Diabetestodesfälle nahm zwischen 1991 und 1995 jedes Jahr absolut um 0,7 Prozentpunkte ab, wie Manuel Franco von der Universidad de Alcalá in Madrid und Mitarbeiter in einer Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2013; 346: f1515) zeigen können.

Nach 1995 erholte sich Kuba langsam von der Wirtschaftskrise. Einige notwendige Reformen waren vollzogen und nach 1998 fand die Regierung in Hugo Chávez einen neuen Verbündeten und Sponsor. Die Wirtschaftsleistung Kubas zog an und mit ihr stieg das Körpergewicht der Kubaner. Bis 2010 hatten sie im Durchschnitt 9 kg zugelegt.

Auch das blieb nicht ohne Folgen: Im Jahr 2009 stieg die Diabetesinzidenz auf 2,4 pro 1.000 Personen. In diesem Jahr erkrankten doppelt so viele Kubaner wie auf dem Höhepunkt der Nahrungsmittelkrise. Die Zahl der Sterbefälle ging zwar anfangs noch zurück, doch ab 2002 verzeichnen die kubanischen Statistiken einen Anstieg um 3,31 Prozentpunkte pro Jahr.

Die Vorkrisenwerte sind längst wieder erreicht. Die Kubaner haben nicht nur (mehr als) genug zu essen. Man darf auch vermuten, dass die Fahrräder ungenutzt herumstehen, seit es wieder genügend Treibstoff auf Venezuela gibt, um die Oldtimer aus der Zeit vor dem US-Embargo zu benutzen. © rme/aerzteblatt.de

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