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Medizin

Hepatitis C: Tödliche Hautreaktion unter Incivo

Mittwoch, 10. April 2013

Bonn – Der Proteaseinhibitor Telaprevir, der im September 2011 als Incivo zur Behandlung der Hepatitis C zugelassen wurde, kann in Einzelfällen schwere Hautreaktionen auslösen. Der Hersteller berichtet jetzt erstmals über zwei Fälle einer Toxischen Epidermalen Nekrolyse (TEN), von denen einer tödlich endete.

Die beiden Zwischenfälle waren in Japan aufgetreten. Die Patienten hatten eine Kombinationstherapie mit Peginterferon alfa und Ribavirin erhalten, wie sie auch in Deutschland üblich ist. Da auch Peginterferon alfa und Ribavirin Hautreaktionen auslösen können, lässt sich die Ursache nicht zweifelsfrei zuweisen.

Für einen Zusammenhang spricht aber, dass Hautausschläge zu den häufigen Nebenwirkungen von Telaprevir gehören. Laut der Fachinformation ist es in den klinischen Studien unter der Kombination mit Telaprevir bei 4,8 Prozent der Patienten zu ekzematösen pruritischen Exanthemen mit einer Ausdehnung auf mehr als 50 Prozent der Körperoberfläche gekommen. In der Vergleichstherapie mit Peginterferon alfa und Ribavirin, aber ohne Telaprevir betrug die Rate 0,4 Prozent.

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Bei 0,4 Prozent der Patienten wurde unter der Telaprevir-Kombination ein arzneimittelbedingter Hautausschlag (Drug Rash) mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS) vermutet. Eine Stevens-Johnson-Syndrom, eine Minimalvariante der TEN, wurde bei weniger als 0,1 Prozent der Patienten diagnostiziert. Die TEN selbst war in den klinischen Prüfungen nicht aufgetreten.

Die neuen Zwischenfälle zeigen jedoch, dass lebensgefährliche Hautausschläge wie die TEN möglich sind. Der Hersteller fordert die Ärzte auf, das vorgesehene Monitoring nicht zu vernachlässigen. Dazu gehört, dass die Patienten vollständig über das Risiko eines schweren Hautausschlags informiert werden und sich mit ihrem behandelnden Arzt unverzüglich in Verbindung setzen, wenn ein Hautausschlag erstmals auftritt oder sich ein bestehender Hautausschlag verschlechtern sollte.

Für diesen Fall legt die Fachinformation ein abgestuftes Vorgehen vor. Bei der Progression eines mittelgradigen Hautausschlags (diffuser Hautausschlag bis 50 Prozent der Körperoberfläche) sollte zunächst Telaprevir und – wenn sich keine Besserung zeigt – auch Ribavirin abgesetzt werden.

Bei einer Ausbreitung des Hautausschlages auf über 50 Prozent der Körperoberfläche oder in Verbindung mit deutlichen systemischen Symptomen, Ulzerationen der Schleimhaut, Kokarden oder einer Epidermisablösung muss Telaprevir sofort abgesetzt werden. Bei fehlender Besserung müssen dann auch Ribavirin und Peginterferon gestoppt werden.

Allein der Verdacht auf ein generalisiertes bullöses Exanthem, DRESS, Stevens-Johnson-Syndrom oder eine TEN, eine akute generalisierte exanthematöser Pustulose oder ein Erythema multiforme erfordern das unverzügliche Absetzen aller drei Medikamente. © rme/aerzteblatt.de

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