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Ärzteschaft

Universitäts­kliniken: 4,6 Prozent mehr Gehalt über 23 Monate

Donnerstag, 11. April 2013

dpa

Berlin ­ – Der Marburger Bund (MB) und die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) haben sich heute in Berlin auf einen neuen Tarifvertrag für die rund 18.000 Ärztinnen und Ärzte in Universitätskliniken im Tarifbereich der TdL geeinigt. Die Tarifvereinbarung sieht lineare Gehaltserhöhungen im Gesamtumfang von 4,6 Prozent vor: Rückwirkend zum 1. März 2013 steigen die Gehälter der Ärzte um 2,6 Prozent und in einem zweiten Schritt ab 1. März 2014 um weitere 2,0 Prozent. Der neue Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 31. Januar 2015. Damit steigen die Ärztegehälter linear exakt genauso viel wie die der Ärzte in den kommunalen Krankenhäusern (insgesamt 4,6 Prozent über 23 Monate).

Die Entgeltgruppe der Assistenzärzte (Ä 1) in den Universitätskliniken wurde zudem um eine zusätzliche Stufe ab dem 6. Jahr ergänzt, die den Betrag der Stufe 5 um 135 Euro im Monat übersteigt. „Damit wurde unserer Forderung Rechnung getragen, jungen Ärztinnen und Ärzte eine bessere Gehaltsperspektive zu geben, die beispielsweise aus familiären Gründen mehr Zeit für ihre Weiterbildung zum Facharzt benötigen“, erläuterte Rudolf Henke.

"Annehmbares Ergebnis"
Der MB-Vorsitzende bezeichnete den Tarifabschluss als „annehmbares Ergebnis“: „Kompromisse sind Kompromisse und bleiben immer hinter manchen Erwartungen zurück. Insgesamt ist dieser Abschluss aber gut zu vertreten. Über die Gehaltserhöhung hinaus haben wir erneut strukturelle Änderungen im Tarifgefüge erreichen können, die besondere Belange der Ärzte berücksichtigen.“

„Die Einigung gibt den Universitätskliniken Planungssicherheit und stellt sicher, dass die Einkommen der Ärztinnen und Ärzte an Universitätskliniken mit der allgemeinen Ein­kommens­entwicklung von Klinikärzten Schritt halten“, kommentierte der TdL-Vorsitzende und Finanzminister des Landes Sachsen-Anhalt, Jens Bullerjahn, den Tarifabschluss. Insgesamt habe der Tarifabschluss ein Volumen in Höhe von 5,2 Prozent über die knapp zwei Jahre gerechnet.

Änderungen gibt es auch bei den Zeitzuschlägen für Vollarbeit, beispielsweise an Sonn- und Feiertagen. Diese werden auf eine neue, nach MB-Angaben für die Ärzte günstigere Grundlage gestellt: Künftig gilt als Berechnungsgrundlage das Stundenentgelt der Stufe 3 der jeweiligen Entgeltgruppe und nicht mehr das Stundenentgelt der Stufe 1.

Samstagsarbeit besser bezahlt
Zudem hat die Ärztegewerkschaft eine bessere Bezahlung der Arbeit an Samstagen durchsetzen können. Bisher erhielten Uniklinikärzte für die Vollarbeit am Samstag in der Zeit von 13 bis 21 Uhr lediglich einen Zuschlag von 64 Cent pro Stunde. Künftig wird es für die Arbeit an Samstagen von 13 bis 21 Uhr einen Zeitzuschlag in Höhe von 10 Prozent des Stundenentgelts der Stufe 3 der jeweiligen Entgeltgruppe geben.

Abgewehrt hat der MB nach eigener Darstellung den Versuch der TdL, den Urlaubs­anspruch der Uniklinikärzte pauschal auf 29 Tage festzuschreiben. Stattdessen einigten sich beide Parteien auf eine Regelung, die der MB kürzlich auch mit den kommunalen Arbeitgebern vereinbart hat: Mit Wirkung vom 1. Januar 2014 erhalten Uniklinikärzte ab dem 7. Jahr ärztlicher Tätigkeit 30 Tage Erholungsurlaub, Ärzte mit weniger Berufserfahrung haben einen Urlaubsanspruch von 29 Arbeitstagen.

Der TdL-Tarifvertrag gilt auch weiterhin nur für die überwiegend in der Kranken­versor­gung tätigen Ärzte in den Universiätsklinika. Die Länder seien einfach nicht bereit, auch die vorwie­gend in der Forschung tätigen Uniklinikärzte nach den Ärztetarifen zu vergüten, erklärte Henke auf Nachfrage: „Dabei müssten doch insbesondere auch die Wissenschafts­ministerien der Länder ein großes Interesse daran haben, dass die jungen Forscher attraktive Arbeitsplätze vorfinden“, führte der MB-Vorsitzende aus. Entsprechende Schreiben des MB an die Wissenschaftsminister der Länder hätten bislang jedoch nicht dazu geführt, dass bei den Ländern hier ein Umdenken eingesetzt habe.

Tarifvertrag für 18.000 Ärztinnen und Ärzte
Der neue Entgelttarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte (TV Ärzte) gilt für rund 18.000 Ärztinnen und Ärzte in 20 Universitätskliniken der Länder. Seit der letzten Tarifrunde 2012 fallen auch die Ärzte im Justizvollzug der Länder unter den TV Ärzte. Eine Sonderstellung nehmen die nichtlandeseigenen Unikliniken ein, die nicht dem Tarif­bereich der TdL angehören.

So befindet sich beispielsweise das Uniklinikum Mannheim in städtischer Hand und das Uniklinikum Gießen und Marburg im Besitz des privaten Krankenhauskonzerns Rhön Klinikum AG. Auch andere große Unikliniken unterliegen nicht dem TV Ärzte: zum Beispiel das Berliner Universitätsklinikum Charité, die Universitätsklinik Frankfurt am Main, das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und die Universitätsmedizin Mainz. © JF/aerzteblatt.de

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