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Politik

Bahr diskutiert mit Schülern über Pflege

Dienstag, 16. April 2013

Berlin – Eine Schülerin fällt Daniel Bahr ins Wort. „Das habe ich nicht gesagt“, hält sie dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter entgegen. Bahr hatte seine Gesprächspartnerin so interpretiert, die Schülerin wolle einen Beruf, in dem sie keine Fehler und immer die gleichen Aufgaben machen könne. Nun berichtigt die Realschülerin: „Ich kann mir nur einen Pflegeberuf nicht vorstellen, weil ich Angst habe, Fehler zu machen.“

Sonst hat der wortgewandte Gesundheitsexperte rhetorisch aber die Oberhand bei seinem Besuch der Schule in Trägerschaft des Erzbistums Berlin. Anlässlich der Imagekampagne „Ich pflege, weil ...“ seines Ministeriums ist er zu einer Diskussion gekommen, um bei den Jugendlichen für den Pflegeberuf zu werben. „Ich will euch überreden, äh, natürlich begeistern, in die Pflege zu gehen“, verhaspelt sich der Politiker nur einmal.

Böse Zungen könnten behaupten, dass nun schon Ressortchefs durch Schulklassen tingeln müssen, um den Pflegekollaps aufzuhalten. Fest steht: Die alternde Gesellschaft wirft ihre langen Schatten voraus. „Die Situation der Pflege ist angespannter denn je“, erklärten unlängst übereinstimmend der Deutsche Pflegerat und der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa). Steigende Zahlen Pflegebedürftiger in Krankenhäusern und Heimen einerseits, Stellenabbau, Mangel an Pflegekräften und schlechte Bezahlung andererseits.

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Schon heute fehlen in Deutschland nach Meinung der Experten 30.000 Pflegefachkräfte. Bis zum Jahr 2030 könnte sich der Mangel zum regelrechten Pflegenotstand ausgewachsen haben, warnte die Bertelsmann-Stiftung im vergangenen Herbst. Dann fehlen möglicherweise eine halbe Million Vollzeit-Pflegekräfte. Schließlich ist es auch noch alles andere als sicher, dass die Gefahr mit weitausholenden Rekrutierungskampagnen von Polen bis Fernost aufgefangen werden kann.

Dagegen sucht Minister Bahr vor den jungen Leuten die Gelassenheit eines Mannes auszustrahlen, der Attraktives anzubieten hat. Ein „Pflegebotschafter“, der neben ihm sitzt, soll beim Begeistern helfen. Im Rahmen der Kampagne können Menschen in Pflegeberufen ihr Bild und ihre Botschaft an das Ministerium schicken. Wie der junge Mann davon spricht, macht klar, dass die Pflege für ihn genau das Richtige ist. Als eine Schülerin Arbeitsbedingungen und Bezahlung erfragt, verweist der ungewöhnliche Diplomat auf seine guten Arbeitsbedingungen. „Ich arbeite in einem kleinen Haus mit netten Kollegen.“

Bahr hat eine Gegenfrage parat: „Was glauben Sie denn, wie viel eine Fotografin verdient, die nicht erfolgreich ist?“, hält er einer Schülerin entgegen, die es in diesen Beruf zieht. „In der Pflege haben Sie immer einen sicheren Job“, betont der Minister. „Aber ich ekle mich davor, andere Leute zu waschen oder zu wickeln“, bringt ein anderer Schüler vor. „Ich würde viel lieber in die Forschung.“ Auch hier hat der Politiker schnell ein Gegenargument.

„Was, wenn Sie einen Affen aufschneiden müssten, hätten Sie da keinen Ekel?“, gibt Bahr zu bedenken. Er verweist auf die vielen erfüllenden Aspekte des Pflegeberufs, den Kontakt zu Menschen, das Engagement für andere. Zugleich räumt der Politiker den wachsenden Druck auf das Pflegepersonal ein, effizienter zu arbeiten, um die Kosten niedrig zu halten.

Eine wichtige Schützenhilfe erhält Bahr, als Schüler von ihren Berufspraktika berichten. Da klingt durch, dass einigen soziales Engagement in Krankenhäusern oder Kindertagesstätten durchaus Freude gemacht hat. Der Minister quittiert es mit sichtlicher Zufriedenheit. © kna/aerzteblatt.de

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Avatar #92214
H.-D. Falkenberg
am Mittwoch, 17. April 2013, 15:42

Bahr diskutiert mit Schülern über Pflege

Ich glaube nicht, dass sich in der Politik verantwortlich tätige Menschen schon einmal den Alltagsbedingungen von Pflegeeinrichtungen unterworfen. Um bei meinen betriebswirtschaftlichen Beratungen, meinen Vortragstätigkeiten, meinen vielen Auftritten als Dozent an Fort- und Weiterbildungsinstituten glaubwürdig zu wirken, habe ich mich bereits vier Mal diesem "Abenteuer" unterworfen. Ich war jeweils stolz darauf, diese arbeits- und erlebnisintensive Zeit überstanden zu haben. Über einen Einsatz gibt es einen Film im Internet, über einen weiteren habe ich in einer Fachzeitschrift berichtet. In den Referaten erscheinen zur Auflockerung der ansonsten eher mit Tabellen und Synopsen gefüllten Darstellungen jeweils ein oder zwei Situationen, die sehr auf mich eingewirkt haben. Leider hat die Sozialministerin eines Bundeslandes negativ auf mein Angebot reagiert, in Schulen jungen Menschen - unterstützt von dem erwähnten Film - von meinen "Praktika" zu berichten. Ich habe auf mein Ansinnen noch nicht einmal einen Brief erhalten, sondern wurde lediglich durch einen lapidaren Anruf einer Mitarbeiterin des MInisteriums......"die Ministerin hat sich sehr gefreut" ...(wie leider oftmasl üblich) von diesem Desinteresse informiert. So gewinnt man keinen jungen Menschen für den Beruf eines Pflegenden!
Avatar #661036
ArztundEuropa
am Mittwoch, 17. April 2013, 15:33

Zum Pflegedienst überreden?

Wer Polizist werden möchte, muss mittlerweile ein "ABI" haben.
Nach Aussagen unserer Politiker, kann auch nicht jeder "Arzt" in Deutschland werden, der es gerne möchte. In Deutschland braucht man nämlich dafür einen NC.
Aber die Politiker können jeden Arbeitslosen und jeden Hauptschüler überreden in die Krankenpflege zu gehen.
Wenn Sie dann nicht Ihr Pensum schaffen, kann diese Aufgaben dann ja ein Assistenzarzt übernehmen.Zitat eines OA der Uni Aachen: " Vor den Chefarztvisiten müssen schon mal die Assistenzärzte die Betten überziehen!"
Ich wünschte mir, Herr Bahr würde einmal mein Patient sein, wenn ich am Wochenende Nachtdienst in der Notaufnahme hätte!
Avatar #661036
ArztundEuropa
am Mittwoch, 17. April 2013, 15:33

Zum Pflegedienst überreden?

Wer Polizist werden möchte, muss mittlerweile ein "ABI" haben.
Nach Aussagen unserer Politiker, kann auch nicht jeder "Arzt" in Deutschland werden, der es gerne möchte. In Deutschland braucht man nämlich dafür einen NC.
Aber die Politiker können jeden Arbeitslosen und jeden Hauptschüler überreden in die Krankenpflege zu gehen.
Wenn Sie dann nicht Ihr Pensum schaffen, kann diese Aufgaben dann ja ein Assistenzarzt übernehmen.Zitat eines OA der Uni Aachen: " Vor den Chefarztvisiten müssen schon mal die Assistenzärzte die Betten überziehen!"
Ich wünschte mir, Herr Bahr würde einmal mein Patient sein, wenn ich am Wochenende Nachtdienst in der Notaufnahme hätte!
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