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Stiftung Warentest: „Pflege-Bahr“ nicht zu empfehlen

Dienstag, 16. April 2013

Berlin – Die vom Staat geförderten Pflegeversicherungen können den Finanzbedarf im Pflegefall nicht decken. Wie die Stiftung Warentest am Dienstag mitteilte, reichen die neuen Tarife bei weitem nicht aus, um die Finanzierungslücke im Ernstfall zu schließen. Als Alternative empfehlen die Verbraucherexperten eine nicht geförderte Pflege-Tagegeldversicherung, sofern sich die Kunden die Beiträge auf Dauer leisten können.

Wer eine private Zusatzversicherung für den Pflegefall abschließt, bekommt seit Jahresbeginn unter bestimmten Voraussetzungen monatlich fünf Euro Zuschuss vom Staat für eine Pflege-Tagegeldversicherung. Die Regierung will damit mehr Anreize für die private Pflegevorsorge geben, weil die gesetzliche Pflegeversicherung im Pflegefall nur einen Teil der Kosten abdeckt.  

Die Stiftung Warentest untersuchte insgesamt 23 Pflege-Tagegeldversicherungen ohne staatliche Förderung und 17 mit staatlicher Förderung - auch Pflege-Bahr genannt. Die geförderten Tarife seien nicht zu empfehlen, wenn es darum geht, die finanzielle Lücke zu schließen, schreiben die Verbraucherexperten in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest. Die Reform mit dem Pflege-Bahr „löst das Absicherungsproblem der weit überwiegenden Zahl der Verbraucher“ nicht, erklärte Finanztest-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen.

Die staatlich geförderte Vorsorge hat zwar den Vorteil, dass auch Menschen mit Vorerkrankungen einen Versicherungsvertrag bekommen, doch sie bietet keine ausreichende finanzielle Absicherung. Die untersuchten Tarife bieten in vielen Fällen eine maximale Leistung von nur 600 bis 700 Euro im Monat – bei einer intensiven Pflege müssen die Verbraucher aber häufig 1500 bis 1800 Euro im Monat aus der eigenen Tasche finanzieren.  

Auch die Vertragsbedingungen der geförderten Tarife sind laut Stiftung Warentest in der Regel schlechter als bei den nicht geförderten. So müssten die Kunden auch bei Pflegebedürftigkeit weiter Beiträge zahlen. Zudem seien die Leistungen bei Demenz bei der staatlich geförderten Vorsorge meist schlechter. Ein geförderter Tarif kommt laut „Finanztest“ allenfalls für junge Leute mit einer schweren Krankheit infrage oder wenn jemand wegen seines hohen Alters oder einer Erkrankung keine ungeförderte Versicherung mehr bekommt.  

Tarife ohne staatliche Zulage können sich dagegen laut Stiftung Warentest mehr lohnen. Allerdings habe eine solche Versicherung nur Sinn, „wenn jemand so wohlhabend ist, dass er die Beiträge auf Dauer zahlen kann“, schreiben die Tester. Unter den 23 getesteten Angeboten gibt es demnach große Leistungsunterschiede: Sie machen im Alter zum Teil über 1000 Euro im Monat aus. Mit einem Monatsbeitrag von rund 55 Euro für 45-jährige Neukunden und 85 Euro für 55-Jährige sichern die „sehr guten“ und „guten“ Tarife laut Stiftung Warentest das finanzielle Pflegerisiko in allen Pflegestufen ab.

Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium verwies darauf, dass die Förderung von Pflege-Tagegeldversicherungen in erster Linie „ein Einstieg in eine zusätzliche Vorsorge“ sein soll. Die geförderte Zusatzversicherung leiste „einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der Vorsorgelücke“, erklärte eine Sprecherin in Berlin. Die Stiftung Warentest habe hingegen Tarife mit möglichst hohen Leistungen im Pflegefall untersucht. © afp/aerzteblatt.de

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H.-D. Falkenberg
am Mittwoch, 17. April 2013, 16:05

Stiftung Warentest: Pflege-Bahr nicht zu empfehlen

Alternative Wohn- und Betreuungsmöglichkeiten sind eine Teillösung. So z.B. ambulant betreute Wohngemeinschaften. Die Kosten werden z.T. durch die Pflegeversicherung (für die Pflege und Betreuung), von den Pflegebedürftigen (für Wohnen und Verpflegung) und von den Krankenkassen (für behandlungspflegerische Leistungen) übernommen. Der zuletzt genannte Betrag "verschwindet" bei vollstationärer Unterbringung im Pflegesatz, immerhin ca. 12 bis 16 Prozent. Auch sind die Mieten/Pachten je Quadratmeter geringer als die Folgeinvestitionskostenanteile in einem Pflegeheim.

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