Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

USA: Kliniken profitieren von Behandlungsfehlern

Mittwoch, 17. April 2013

dpa

Boston – US-Kliniken verdienen an den Kunstfehlern ihrer Ärzte. Eine Studie im US-ame­rikanischen Ärzteblatt (JAMA 2013; 309: 1599-1606) zeigt, dass der Deckungsbeitrag steigt, wenn es bei chirurgischen Patienten zu vermeidbaren Komplikationen gekommen ist.

Komplikationen können die Behandlungskosten von chirurgischen Patienten beträchtlich erhöhen. Frühere Untersuchungen haben die Mehrkosten in den USA pro Patient auf 11.500 US-Dollar beziffert. Sie resultieren aus einem verlängerten Krankenhaus­aufenthalt und dem Einsatz zusätzlicher Therapien, von Reserveantibiotika bis zur Beatmung auf Intensivstationen. Daraus können sich schnell zusätzliche Einnahmen für die Klinik ergeben: Schon bei einer gleichbleibenden relativen Marge wird allein durch eine Umsatzsteigerung der Gewinn gesteigert.

Das Team um Sunil Eappen von der Harvard School of Public Health in Boston hat jetzt zusammen mit einer Consulting-Firma die Situation bei einer Krankenhauskette aus Texas untersucht. Aus den Entlassungsdokumenten ging hervor, dass es bei 1.820 von 34.256 (5,3 Prozent) der Patienten zu einem oder mehreren Komplikationen gekommen war.

Besonders lukrativ waren Behandlungsfehler bei Privatpatienten: Der Deckungsbeitrag (Differenz zwischen Umsatz und variablen Kosten) erhöhte sich pro Patient von 16.936 auf 55.953 US-Dollar. Mit anderen Worten: Die Klinik verdiente pro Fall 39.017 US-Dollar mehr, wenn der Patient eine oder mehrere vermeidbare Komplikationen erleidet. Auch bei Versicherten der staatlichen Altersversorgung Medicare verdienten die Kliniken zusätzlich an den Komplikationen.

Der Deckungsbeitrag erhöhte sich von 1.880 auf 3.629 US-Dollar um 1.749 US-Dollar – Interessant ist auch der Unterschied in den absoluten Behandlungskosten zwischen Privatpatienten und Medicare. Nur bei Versicherten des Fürsorgeprogramms Medicaid und bei Selbstzahlern verdienten die Kliniken weniger, wenn es zu Komplikationen gekommen war. Da in Texas der Anteil von Privat- und Medicarepatienten bei 95 Prozent liegt, ergab sich für die Gesamtgruppe aller Patienten ein durchschnittlicher Mehr­verdienst von 8.000 US-Dollar.

Für Eappen ist dies eine „perverse“ Situation, da Kliniken für eine gute Kranken­versorgung bestraft würden. Er geht nicht so weit zu behaupten, dass Ärzte absichtlich Fehler machen. Für die Kliniken würde allerdings der ökonomische Anreiz fehlen, Maßnahmen zur Vermeidung von Kunstfehlern einzuleiten. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

23.05.17
US-Regierung plant Kürzungen bei Sozialleistungen
Washington – Die Regierung von US-Präsident Donald Trump peilt binnen zehn Jahren einen ausgeglichenen Haushalt an und will dies vor allem mit Kürzungen bei den Sozialleistungen erreichen. Wie aus dem......
22.05.17
Washington – US-Präsident Donald Trump plant Medienberichten zufolge drastische Einschnitte bei der Krankenversicherung für Arme. Der Haushaltsentwurf der US-Regierung sehe Einsparungen beim......
17.05.17
Sind Patienten bei jüngeren Ärzten in besseren Händen?
Boston – Trotz langjähriger Erfahrung sind ältere Ärzte ihren jungen Kollegen gegenüber nicht automatisch im Vorteil. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein: In den USA überleben Patienten im......
15.05.17
Wohngegend beeinflusst den Blutdruck
Chicago – Der Umzug aus einem rein von Afroamerikanern bewohnten Stadtteil in eine durchmischte Wohngehend war in einer Studie in JAMA Internal Medicine (2017; doi: 10.1001/jamainternmed.2017.1226)......
09.05.17
Behandlungsfehler: Laumann will erleichterte Beweislast für Patienten
Berlin – Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), hat eine Erleichterung der Beweislast für Versicherte bei Behandlungsfehlern gefordert. „Bisher müssen die Patienten......
09.05.17
USA: Steigende Unterschiede in der Lebenserwartung
Seattle – Die durchschnittliche Lebenserwartung der US-Amerikaner ist seit Anfang der 1980er-Jahre um mehr als fünf Jahre gestiegen. Doch nicht überall leben die Menschen länger. In 13......
04.05.17
Gesundheitsreform: Trump feiert Teilsieg bei „Obamacare“
Washington – Nach wochenlangem Ringen haben US-Präsident Donald Trump und die Republikaner einen Etappensieg bei der Abschaffung von „Obamacare“ errungen. Das US-Repräsentantenhaus stimmte für einen......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige