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Immer mehr Konsumenten von „Crystal Meth“ suchen Hilfe

Donnerstag, 18. April 2013

Vom Zoll sichergestelltes Crystal Meth /dpa

Berlin – Das richtige Vorgehen gegen Cannabis und Crystal Meth sowie „Legal Highs“, also synthetische Cannabinoide, diskutierten gestern Sachverständige  im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages. Die SPD hatte in einem Antrag (17/10646) ein schärferes Vorgehen gegen neue synthetische Drogen gefordert, Bündnis 90/Die Grünen plädierten in ihrem Antrag (17/9948) dafür, den Eigengebrauch von Cannabis straffrei zu stellen.

Auf die hohen Zuwachsraten beim Missbrauch von Methamphetaminen, sogenanntes Christal Meth, machte Rainer Thomasius, Ärztlicher Leiter des Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg- Eppendorf, aufmerksam. Vor allem in Sachsen – im Grenzgebiet zu Tschechien – sei die Zahl der hilfesuchenden Konsumenten von Christal Meth im Vergleich zum Vorjahr um 41 Prozent gestiegen.  Die meisten Konsumenten seien zwischen 20 und 25 Jahre alt, der Frauenanteil liege mit 30 Prozent sehr hoch.

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Der Einzelsachverständige Lutz Preisler berichtete, dass die Fahnder im deutsch-tschechischen Grenzgebiet im vergangenen Jahr in mehr als 3.000 Fällen Methamphe­tamin sichergestellt hätten; insgesamt mehr als 75 Kilo. Im Vergleich zum Vorjahr sei das eine Steigerung um circa 80 Prozent. Allerdings sei Crystal Meth kein Drogenproblem, das sich auf die Grenzregion beschränkt. Es habe sich bereits auf andere Bundesländer ausgeweitet.

Grundstoffe beschränken
Auch würden Fahnder an Flughäfen Methamphetamine aus Iran, Mexiko und Westafrika sicherstellen. „Es wird tonnenweise produziert in allen möglichen Regionen dieser Welt.“ Gesetzgeberischen Handlungsbedarf sieht Preisler bei der Beschränkung der Grundstoffe. Crystal Meth werde aus frei verkäuflichen Medikamenten hergestellt.

Methamphetamin sei eine extrem gesundheitsschädigende Substanz und weise ein hohes psychisches und physisches Abhängigkeitspotenzial auf, erklärte Rainer Thomasius. Akute Intoxikationen könnten zu kardialen Arrhythmien, Herzinfarkt, Atemdepression, Krampfanfällen, Bewusstseinstrübungen bis hin zum Koma führen. Bei mittel- bis langfristigem Konsum träten induzierte Psychosen, aggressives Verhalten und Auszehrung auf. „Oftmals wird die Substanz auch injiziert, dann ist zudem das HIV-Risiko sehr hoch“, erklärte er.

Thomasius forderte von der Politik, die Maßnahmen zur Reduzierung des Angebots und der Nachfrage auszuweiten. „Die Bundesregierung hat ein Konzept, aber das reicht noch nicht.“ Zudem würden mehr zielgruppenspezifische Programme in der Suchtbehandlung und Prävention benötigt.

Dieser Forderung schloss sich Roland Härtel Petri, leitender Arzt des Suchtbereichs am Bezirkskrankenhaus Bayreuth, an. Dringend erforderlich sei zusätzlich eine epidemio­logische Forschung. Methylamphetamin sei in Oberfranken längst keine Partydroge mehr. „Die enormen Zuwachsraten hilfesuchender Konsumenten aus Sachsen sind alarmierend“, betonte Härtel Petri „Das liegt daran, dass die Abhängigen sehr schnell psychiatrische Komorbiditäten entwickeln und deshalb Behandlung suchen.“

Bernd Werse, Centre for drug research, kritisierte die Vermischung der Themenkreise Cannabis, Crystal Meth und Legal Highs. Legal Highs würden vor allem von regelmäßigen Kiffern und sehr experimentierfreudigen Drogenkonsumenten genutzt. Sie würden aus unterschiedlichen Substanzen hauptsächlich in China gemischt und in Europa fertig produziert. Im Gegensatz dazu sei Crystal Meth eine sehr alte Droge, die illegal „in tschechischen Küchen“ hergestellt werde und gerade ihren Status als „Partydroge“ verliere.

Marihuana inzwischen hochgezüchtet
Staatsanwalt Jörn Patzak, als Einzelsachverständiger eingeladen, erklärte die gestiegene Wirksamkeit von Cannabis in den vergangenen Jahrzehnten. „Wir haben nicht mehr das Marihuana von vor 20 Jahren“, sagte er. Die Pflanzen seien inzwischen so hoch­gezüchtet, dass aus ihnen sehr viel wirkungsvollere Drogen produziert werden könnten. „Das bauen sie mit teurem Equipment und teuren Pflanzen an.“ Deswegen brauchten die Hersteller Geld und müssten die Produkte weiterverkaufen. „Kaum jemand baut Cannabis nur zum Eigenbedarf an, wie es die Grünen in ihrem Antrag darstellen.“

Der Kinder- und Jugendpsychiater Rainer Thomasius betonte, dass bei regelmäßigem Cannabis-Konsum die Gesundheitsrisiken hoch seien, insbesondere für Jugendliche, die sehr jung damit angefangen hätten. Zu den Risiken zählte er ein um 1,9 fach erhöhtes Risiko, Psychosen zu entwickeln, eingeschränkte kognitive Fähigkeiten bis hin zu einem verminderten IQ, sowie ein „Hängenbleiben“ in der Entwicklungsphase, in der mit dem Kiffen begonnen wurde. © pb/aerzteblatt.de

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Trjavnamen
am Montag, 22. April 2013, 15:42

Cannabis als Medizin

Die Zulassung von Cannabis als Medizin für Tourette -Patienten und für Epilepticer wäre ja schon mal eine humane Lösung.
LNS

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