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Medizin

Australien: Deutlich weniger Genitalwarzen nach HPV-Impfung

Freitag, 19. April 2013

dpa

Sydney – Die Impfung von Mädchen und jungen Frauen gegen humane Papillomaviren (HPV), die in Australien auf eine hohe Akzeptanz stößt, hat dort innerhalb kurzer Zeit die Häufigkeit von genitalen Warzen gesenkt. Nach einer Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2013;346:f2032) profitieren über einen Herdeneffekt auch die nicht geimpften jungen Männer.

Australien gehörte zu den ersten Ländern, die die HPV-Impfung eingeführt haben. Seit 2007 können sich dort Schulmädchen im Alter von 12 bis 13 Jahren kostenlos mit der quadrivalenten HPV-Vakzine Gardasil impfen lassen. In den Folgejahren gab es zwei „catch-up“-Programme für 13 bis 18-jährige Schülerinnen und 18 bis 26-jährige Frauen. Die Akzeptanz ist hoch. Insgesamt 73 Prozent der 12- bis 13-Jährigen nehmen alle drei Impftermine wahr. In den „catch-up“-Programmen sank die Rate zwar auf bis zu 52 Prozent in den höheren Altersgruppen ab, die Akzeptanz ist jedoch höher als in anderen Ländern.

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Am Kirby Institute in Sydney wurde ein „Sentinel“-Netzwerk eingerichtet, um die Auswirkungen der Impfung zu beobachten. Zu den frühesten Folgen einer HPV-Impfung sollte ein Rückgang von Condylomata acuminata zählen, die durch HP-Viren ausgelöst werden. Während sich Zervixkarzinome, das eigentliche Ziel der Impfung, erst nach Jahrzehnten manifestieren, beträgt die Inkubationszeit bei Genitalwarzen nur wenige Monate. Das Team um Christopher Fairley nahm deshalb Kontakt zu acht Behand­lungszentren für sexuell übertragbare Erkrankungen (STD) in ganz Australien auf.

Dort werden seit der Impfung tatsächlich deutlich seltener junge Frauen mit Feig- oder Genitalwarzen gesehen. Besonders deutlich war der Rückgang bei den Frauen unter 21 Jahren. In dieser Altersgruppe traten in der Zeit vor Einführung der HPV-Impfung noch bei 11,5 Prozent Genitalwarzen auf. Im Jahr 2011 waren es nur noch 0,85 Prozent. Dies entspricht einem Rückgang um relativ 92,6 Prozent. Die Kliniken sahen 2011 nur 13 Fälle von Genitalwarzen. Unter den Frauen, deren positiver Impfstatus bekannt war, gab es keine einzige Erkrankung.

Auch in der Altersgruppe der 21- bis 30-Jährigen diagnostizieren die STD-Kliniken heute seltener Genitalwarzen: Der Anteil sank von 11,3 auf 3,1 Prozent, was einer relativen Reduktion um 72,6 Prozent entspricht. Bei den Frauen über 30 Jahren kam es dagegen zu keinem signifikanten Rückgang.

Selbst bei heterosexuellen Männern, denen bisher nicht zur Impfung geraten wurde, kam es zu einem spürbaren Rückgang der Infektionen. Bei den unter 21-Jährigen sank der Anteil der Männer mit Genitalwarzen von 12,1 auf 2,2 Prozent (relativer Rückgang 81,8 Prozent). Auch bei den 21- bis 30-Jährigen halbierte sich die Rate von 18,2 auf 8,9 Prozent. Fairley vermutet einen Herdeneffekt, da geimpfte Frauen ihre Sexualpartner nicht mehr anstecken. Dies war bei Männern, die Sex mit Männern haben, nicht zu erwarten. Hier kam es nur zu einem leichten Rückgang der Erkrankungsrate.

Dies könnte sich in den nächsten Jahren ändern, denn ab diesem Jahr dürfen auch Knaben im Alter von 12 bis 13 Jahren auf Kosten des australischen Steuerzahlers geimpft werden. Auch ein „Catch-up“-Programm für 14 bis 15-Jährige wurde beschlossen. © rme/aerzteblatt.de

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