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Medizin

Xerophthalmie: Rheuma-Medikament hilft gegen trockene Augen

Freitag, 19. April 2013

Boston – Augentropfen mit Anakinra, einer rekombinanten Version des humanen Interleukin-Antagonisten, der zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis zugelassen ist, hat in einer randomisierten klinischen Studie die Tränenproduktion von Patienten mit einer Funktionsstörung der Meibom-Drüsen deutlich verbessert und eine quälende Xerophthalmie gelindert.

Trockene Augen (Xerophthalmie) sind nicht immer die Folge einer verminderten Tränenproduktion. Häufiger ist die Ursache in einer  Störung der Meibom-Drüsen zu suchen. Die kleinen Talgdrüsen befinden sich am Rand der Augenlider und ihr Sekret verhindert, dass die Tränenflüssigkeit auf der Cornea zu rasch verdunstet.

Patienten mit einer Dysfunktion der Meibom-Drüsen leiden unter einer starken Xerophthalmie, die sich oft weder durch künstliche Tränenflüssigkeit, noch durch Medikamente befriedigend behandeln lässt. Die genaue Pathogenese der Xerophthalmie ist nicht bekannt.

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Reza Dana vom Massachusetts Eye and Ear Infirmary in Boston vermutet jedoch seit längerem, dass immunologische Mechanismen eine Rolle spielen. Frühere Studien hatten gezeigt, dass es bei der Xerophthalmie zu einer Überproduktion von Interleukin 1 kommt. Sie würde erklären, warum antientzündliche Medikamente wie bestimmte Tetrazyklinderivate, topische Kortikosteroide oder Ciclosporin den Patienten eine gewisse Linderung verschaffen.

Die Einführung von Anakinra (2002) zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis bot Dana die Möglichkeit, seine Hypothese gezielt zu untersuchen. Anakinra ahmt die Wirkung eines körpereigenen Proteins nach, das den Rezeptor von Interleukin 1 blockiert. Nach längeren Vorarbeiten und präklinischen Studien konnte der US-Ophthalmologe jetzt eine erste klinische Studie durchführen: 75 Patienten mit einer Dysfunktion der Meibom-Drüsen und einer schweren Xerophthalmie wendeten 12 Wochen lang dreimal täglich entweder künstliche Tränen oder Augentropfen mit 2,5 oder 5 Prozent Anakinra an.

Wie das Team um Dana jetzt berichtet, kam es bereits unter den niedrig-dosierten Anakinra-Tropfen viermal häufiger zu einer kompletten Normalisierung (29 versus 7 Prozent) des Tränenfilms, was durch die fehlende Fluoreszenz-Anfärbung der Cornea dokumentiert wurde. Die Symptome der Patienten besserten sich sogar sechsmal häufiger (30 versus 5 Prozent) als unter den künstlichen Tränen. Die therapeutische Wirkung zeigte sich laut Dana auch darin, dass die Symptome nach dem Absetzen von Anakinra schon bald wieder zunahmen.

Die Verträglichkeit von Anakinra bei der topischen Anwendung war gut. Systemische Wirkungen scheinen nicht aufzutreten. Dana ist nicht nur vom Nutzen von Anakinra überzeugt. Als erstes Biologikum könnte Anakinra sogar der Beginn einer neuen Ära in der Behandlung der Xerophthalmie sein, schreibt er.

Für eine Zulassung dürfte die Studie allerdings nicht ausreichen. Auch die hohen Kosten von Anakinra dürften einer breiten Anwendung im Wege stehen. Kineret® kostet in der Fertigspritze mit 100 mg etwa 1000 Euro. Für die topische Behandlung sind zwar geringe Mengen erforderlich, die Behandlung dürfte sich aber dennoch erheblich verteuern.

© rme/aerzteblatt.de

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