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Chirurgen: Bei Transplantationen Erfolgschancen berücksichtigen

Dienstag, 23. April 2013

München – Bei der Verteilung der Spenderorgane sollten nach Expertenmeinung die Erfolgschancen stärker berücksichtigt werden. Die Vergabe nach Dringlichkeit und Krankheitsgrad müsse modifiziert werden, forderte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGHC), Karl-Walter Jauch, heute im Vorfeld einer Tagung. „Je schlechter die Laborwerte sind, desto eher bekommt der Patient ein Organ“, sagte Jauch. „Das hat aber dazu geführt, dass wir zu viele Schwerkranke transplantieren, die eine zu geringe Überlebenschance haben.“

In Deutschland werde insgesamt zu viel operiert, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV), Stefan Post. Ärzte griffen nicht nur bei Knien und Hüften häufiger zum Skalpell als in anderen Ländern, sondern auch bei Darmentzündungen oder bei Knoten an der Schilddrüse. „Wenn Sie erwähnen, einer davon könnte bösartig sein, dann unterschreibt der Patienten sofort die Einwilligung zur Operation“, sagte Post. Hinter den hohen OP-Zahlen stehe somit teils Angst und ein speziell deutsches Verständnis von Sicherheit.

„Es werden deutlich mehr Indikationsfehler gemacht als technische Fehler. Aber die vergessene Schere im Bauch ist natürlich plakativer als der Eingriff, den man vielleicht nicht hätte machen müssen“, betonte Post. Das betreffe auch den Transplantations­skandal. „Es ist zum Teil auch ein Indikationsskandal, dass aktive Alkoholiker eine neue Leber bekommen haben – was nicht den Richtlinien entspricht.“

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Die ohnehin niedrigen Spenderzahlen sanken nach den Skandalen weiter. Bundesweit gingen sie in den ersten drei Monaten 2013 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18 Prozent zurück; in Bayern sogar um 60 Prozent – es gab Skandale gleich an zwei Kliniken in Regenburg und München. „Dadurch ist das Vertrauen in der Bevölkerung verloren gegangen“, sagte Jauch. Kriminelles Verhalten sei nicht zu entschuldigen. Jedoch spielten auch Rahmenbedingungen eine Rolle, etwa der Konkurrenzdruck der Zentren. Deren Zahl müsse von bundesweit 47 auf 6 reduziert werden.

Die Vergabekriterien in Deutschland sollten nach Jauchs Meinung angepasst werden. Es dürfe nicht nur gefragt werden: „Wie wahrscheinlich ist es, dass der Patient ohne Operation verstirbt?“ Sondern auch: „Was gewinnt er?“ Die Priorisierung nach Schweregrad sei ein Grund für die vergleichsweise geringeren Überlebensraten nach Transplantationen von 72 Prozent. In den USA und Großbritannien liege sie hingegen bei 92 Prozent. Hier spielen allerdings mehrere Faktoren eine Rolle, unter anderem eine geringerer Konkurrenzdruck der Zentren und die höheren Spenderzahlen. © dpa/aerzteblatt.de

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