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Politik

Stiftung Organtransplantation bleibt privatrechtlich organisiert

Mittwoch, 24. April 2013

Rainer Hess /dpa

Berlin – Für  die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) wird das 2013 zum Jahr der Strukturveränderungen. Unter rein staatliche Aufsicht wird sie jedoch nicht gestellt. „Die Stiftung als solche bleibt – vorbehaltlich der noch erforderlichen Genehmigung der Satzung durch die Stiftungsaufsicht – privatrechtlich, gewährleistet aber die Einbindung der Stiftungsarbeit in öffentlich-rechtliche Rahmenbedingungen und deren Einhaltung", stellte der für ein Jahr bestellte, neue hauptamtliche DSO-Vorstand für Restrukturierung, Rainer Hess, heute in Berlin klar. Durch Umstrukturierungen hieße es jetzt, das Ver­trauen in die Organspende stärken und sich gleichzeitig neuen Aufgaben stellen.

In der Vergangenheit war die DSO, die seit Juli 2000 für den korrekten Ablauf der Organ­spende verantwortlich ist, aufgrund von anonymen Vorwürfen gegen ihre innere Struktur in die Diskussion geraten. Die neuen Vorstände, Rainer Hess und Thomas Biet, der kaufmännische DSO-Vorstand, hatten mit Beginn des Jahres deshalb die Aufgabe übernommen, die DSO neu zu strukturieren. Ein Kernstück ist die stärkere Einbindung von Bund und Ländern.

Ändern wird sich damit die Zusammensetzung des Stiftungsrates der DSO: Ihm gehören wie bisher die Bundes­ärzte­kammer, die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der GKV-Spitzenverband und die Deutsche Transplantationsgesellschaft an. Zudem erhalten Bund und Länder mit vier von insgesamt zwölf stimmberechtigten Mitgliedern Einfluss auf die Arbeit der DSO.

Dabei können das Bundesministerium für Gesundheit und die Ge­sund­heits­mi­nis­ter­konferenz der Länder je zwei Mitglieder entsenden. Die Position von transplantierten Patienten oder Angehörigen von Organspendern wird über zwei zusätzliche Mitglieder aufgenommen, die kein Stimmrecht, aber ein Antragsrecht haben. Ein weiterer wesent­licher Bestandteil der Neustrukturierung der DSO ist eine stärkere fachlich-medizinische Ausrichtung des Fachbeirates. Auf diese Weise dafür gesorgt werden, dass die medizi­nischen Standards in der Durchführung der Organspende in allen sieben DSO-Regionen einheitlich eingehalten werden.

Hintergrund sind zum einen eine einheitliche Umsetzung der Richtlinien der Bundesärzte­kammer sowie die nach dem Transplantationsgesetz neue Aufgabe der DSO, Ver­fahrensanweisungen zur Umsetzung der Organspende in den Krankenhäusern zu erarbeiten. Mit den Umstrukturierungen sei der 2012 vom Stiftungsrat verabschiedete Masterplan zur Weiterentwicklung der DSO im Wesentlichen umgesetzt, betonte der Stiftungsratsvorsitzende, Wolf Otto Bechstein.

Mit Transparenz und Aufklärung Vertrauen gewinnen
Biet wies auf die gemeinsame Verantwortung für die 12.000 Patienten auf der Warteliste hin. „Leider haben sich die Manipulationen in der Organverteilung auch negativ auf die Akzeptanz der Organspende in der Bevölkerung ausgewirkt. Diesen Vorurteilen können wir nur gemeinsam mit Transparenz und Aufklärung entgegenwirken", erklärte er.

Auch wenn nach dem Transplantationsgesetz die Aufgabenbereiche der Organspende, Verteilung und Organübertragung organisatorisch strikt getrennt sind, sehe die DSO deshalb die Notwendigkeit, gemeinsam zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, die jede Art von Missbrauch zukünftig weitgehend ausschließen.

Dazu gehört Hess zufolge auch der Aufbau einer einrichtungsübergreifenden Qualitäts­sicherung auf der Grundlage pseudonymisierter Patientendaten. Ein  Transplantations­register sei notwendig, um die Prozess- und Ergebnisqualität durchgeführter Trans­plantationen einschließlich der Nachbehandlung und damit der Überlebenschance beurteilen zu können.

Elisabeth Scharfenberg und Harald Terpe (Grüne), Mitglieder im Ausschuss für Gesundheit, gehen die Umstrukturierungen nicht weit genug. „Die Ankündigungen der DSO sind reine Kosmetik. Von öffentlich-rechtlichen Strukturen kann keine Rede sein“, kritisieren sie.

Zahl der Spenderorgane sinkt weiter
Laut der DSO  wurden im ersten Quartal 2013 insgesamt 797 Organe nach dem Tod entnommen, 12,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Im gesamten Jahr 2012 sank die Zahl der Organspender um 12,8 Prozent auf 1046, sie fiel damit auf den niedrigsten Stand seit 2002.

Auch seit Jahresanfang ist den Angaben zufolge die Zahl der Organspender rückläufig: Im Zeitraum von Januar bis März 2013 wurden nur 230 Gestorbenen Organe ent­nommen, im gleichen Vorjahreszeitraum waren es noch 281. Der Rückgang in 2013 liege demnach bei 18,1 Prozent.

Die DSO führt den Rückgang der Spendebereitschaft auch auf die Skandale um Unregelmäßigkeiten bei der Organvergabe zurück: „Unbestritten bleibt, dass die aufgedeckten Manipulationen in Transplantationszentren deutliche Spuren hinterlassen haben”, erklärte die Stiftung. Das Vertrauen der Bevölkerung in die Transplantations­medizin sei erheblich geschwächt worden. © ER/aerzteblatt.de

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