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Kohlekraftwerke haben erhebliche Folgen für die Gesundheit

Mittwoch, 24. April 2013

Kohelkraftwerk unweit des brandenburgischen Jänschwalde /dpa

Berlin – Durch gesundheitliche Schäden als Folge des Betriebs von deutschen Kohlekraftwerken entstehen allein in Deutschland Kosten in Milliardenhöhe. Sie liegen je nach herangezogenen Definitionen, zum Beispiel von Sterblichkeit, zwischen 2,3 und 6,4 Milliarden Euro jährlich. Europaweit belaufen sich die durch solche Kraftwerke verur­sachten Gesundheitskosten infolge der Schadstoffemissionen auf 15,5 bis knapp 43 Milliarden Euro.

Das geht aus einer Studie der Organisation „Health & Environment Alliance“ (HEAL) hervor, die diese heute in Berlin vorstellte. Damit warnen nach der Umweltorganisation Greenpeace im März zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit Ärzte und andere Gesund­heitsexperten vor den Folgekosten des Schadstoffaussstoßes vor allem von Schwefel­dioxid, Stickoxiden und Feinstaub.

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Die größten Ausgabeposten entstünden durch vorzeitige Todesfälle, zusätzliche Fälle von chronischer Bronchitis und Tage mit eingeschränkter Aktivität, heißt es in der Studie. Ihre Autoren haben errechnet, dass allein in Deutschland rund 2.700 Todesfälle mehr sowie 600.000 verlorene Arbeitstage die Folge der Verfeuerung von Kohle sind. „Kohlekraftwerke verursachen natürlich nur einen Teil der derzeitigen Luftver­schmutzung“, heißt es einschränkend in dem Bericht. Dennoch setze jedes einzelne große Mengen an gefährlichen Schadstoffen frei.

„Diese ökonomische Analyse enthüllt die externen Kosten, die bei energiepolitischen Entscheidungen berücksichtigt werden sollten“, betonte Anne Stauffer, stellvertretende Geschäftsführerin von HEAL. HEAL ist ein Zusammenschluss von sogenannten Nicht-Regierungsorganisationen, der sich auf europäischer Ebene mit den gesundheitlichen Auswirkungen von Umweltverschmutzung befasst.

In der 48 Seiten umfassenden Studie wird auch Birgit Beger zitiert, Generalsekretärin des Ständigen Ausschusses Europäischer Ärzte (CPME). „Die europäischen Ärzte wissen, dass Luftverschmutzung ein großes Risiko für die Gesundheit ist, und der Ständige Ausschuss Europäischer Ärzte interessiert sich seit langem für dieses Thema“, so Beger. „Die Ärzteschaft engagiert sich dafür, die Öffentlichkeit und die Entschei­dungsträger über neue evidenzbasierte Erkenntnisse zu informieren, und nutzt ihren Einfluss, um politische Veränderungen zu bewirken.“

„Der HEAL-Bericht stellt klar, dass neben den Emissionen des Straßenverkehrs die Kohlekraftwerke maßgeblich an der Luftverschmutzung beteiligt sind“, erläuterte Joachim Heinrich, Institutsleiter am Helmholtz-Zentrum für Umwelt und Gesundheit München. „Neu ist, dass die bereits ermittelten Gesundheitskosten der Luftverschmutzung speziell auf Kohlekraftwerkemissionen herunter gebrochen werden.

Emissionen aus Kohlekraftwerken tragen, darauf macht die Studie von HEAL auch aufmerksam, zudem zweifach zu Gesundheitsbelastungen bei: Zum einen wirken sich die emittierten Stoffe direkt auf den Organismus aus, zum anderen tragen sie zum Klima­wandel bei, der wiederum Folgen für die menschliche Gesundheit hat. Margaret Chan, Generaldirektorin der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO), habe den Klima­wandel als größte Herausforderung für die öffentliche Gesundheit bezeichnet, hieß es bei der Pressekonferenz. Kohle sei der Energieträger mit den höchsten Kohlendioxid-Emissionen und verursache innerhalb der Europäischen Union rund ein Fünftel aller Treibhausgase.

Bettina Menne vom Europäischen Zentrum für Umwelt und Gesundheit der WHO erläuterte, es werde immer wichtiger, „dass Gesundheitsziele in den Mittelpunkt der globalen Energiepolitik kommen“. Studien wie die von HEAL könnten Anlass geben, weitere Analysen vorzunehmen sowie vorliegende Studienergebnisse zusammenzutragen.

Stauffer als Repräsentantin von HEAL verlangte als Konsequenz aus den jüngsten Studien einen Ausstieg aus der Kohleverstromung. Dieser sei bis 2040 möglich. Heinrich gab zu bedenken, dass diese Forderung leicht zu stellen sei. Er vermisse aber ein Gesamtkonzept, sagte der Wissenschaftler. Nach dem Reaktorunfall in Fukushima sei in Deutschland zwar der Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen worden. Ein umfassendes energiepolitisches Zukunftskonzept sei damit aber nicht verbunden worden. © Rie/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 30. Juni 2015, 20:14

Kein Thema für das DÄ?

@ Kollege Lehmkuhl, wie wär's mit kürzerem Titel und intellektueller Substanz?

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Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzten, wenn, ja wenn man einfach nur die Suchfunktion im Forum der Deutschen Ärzteschaft, dem Deutschen Ärzteblatt (DÄ), beherrschen würde.

Zu einigen dieser Artikel habe ich Kommentare verfasst. Also kommen Sie, lieber Kollege Lehmkuhl, mir nicht damit, dass "Die größte Bedrohung für die Gesundheit des 21. Jahrhunderts kein Thema für das DÄ und die Deutsche Ärzteschaft?" sei.

Nehmen Sie einfach den Nagel heraus, mit dem Sie sich selbst ein Brett vor den Kopf gehängt haben.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #700420
Lehmkuhl
am Freitag, 26. Juni 2015, 16:48

Die größte Bedrohung für die Gesundheit des 21. Jahrhunderts" kein Thema für das DÄ und die Deutsche Ärzteschaft ?

Endlich erschein im DÄ ein Beitrag zu den gesundheitlichen Folgen der Kohlekraft.
In Großbritannien, wie der Autor schreibt, findet die Debatte über fossile Brennstoffe, Ihre Rolle beim Klimawandel und ihre gesundheitlichen Folgen schon seit längerem statt. Und eine breite Bewegung von Gesundheitsfachleuten fordert öffentlich, Ärzte und ärztliche Organisationen und Pensionsfonds auf, nicht nur aus der Kohle als schmutzigste Energieform, sondern aus fossilen Brennstoffen generell in einem überschaubaren Zeitraum zu devestieren zugunsten nachhaltiger Investments. Dies aus gesundheitlichen wie ökonomischen Gründen, den Investitionen in fossile Brennstoffe bergen ein großes Risiko längerfristig zu "stranded assets" zu werden, d.h. ihren Wert zu verlieren. Davor warnen inzwischen alle großen Banken, darunter die Weltbank und Bank of England. Warum ? Einfache Physik: wenn die Erderwärmung innerhalb des 2 Grad Zieles bleiben soll, worauf sich die Staatengemeinschaft verpflichtet hat, müssen etwa 80 % der fossilen Energiereserven in der Erde bleiben. Die internationale "Lancet Commission on Health and Climate Change" hat vor wenigen Tagen einen neuen Bericht vorgelegt, in dem sie die Bekämpfung des Klimawandels als die größte Chance für das 21.Jahrhundert ansieht. Bereits im Jahre 2009 hat sie den Klimawandel als "die größte Bedrohung der Gesundheit im 21. Jahrhundert" bezeichnet. Warum ist die "größte Herausforderung für die Gesundheit" bisher kein Thema im DÄ und der Deutschen Ärzteschaft ? Wir sollten dem Beispiel der britischen Kollegen und des britischen Gesundheitssektors folgen, die an vorderster Front (BMJ, BMA, Lancet, die beiden Co-Vorsitzzenden der Lancet Commission), sich für eine proaktive Klimapolitik einsetzen und öffentlich zu einem Deinvestment aus fossilen Brennstoffen aufrufen. Diese können bei aller inzwischen bekannter Evidenz zu deren gesundheitlichen, ökologischen und sozialen Folgen heute nicht mehr als ethisches Investment angesehen werden. Fast 100 Mitglieder der Berliner Ärzteversorgung sind inzwischen dem Aufruf der BMA gefolgt und haben an Ihr Versorgungswerk appelliert, aus fossilen Brennstoffen zu devestieren.
Beim o.a. Beitrag störte mich, dass er bzw. die Studie auf die er sich bezieht, stark ökonomisch argumentiert. Wir sind Ärzte: Gesundheitliche Belange sollten prioritär sein, die Ökonomie erst als danach auch zu berücksichtigende Größe.
Lit: 1. unhealthy investments report, 2. Lancet Commission on Health and Climate Change 3. open letter: "Leading health experts call on welcome trust to divest from fossil fuels“
Dieter Lehmkuhl
LNS

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