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Politik

„Pille danach“: Rezeptfreiheit weiterhin umstritten

Donnerstag, 25. April 2013

Berlin – Unter Experten ist nach wie vor umstritten, ob der Wirkstoff Levonorgestrel als Notfallkontrazeptivum künftig auch ohne ärztliche Verordnung abgegeben werden darf. Bei einer Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestages sprachen sich am Mittwoch vor allem Apothekerverbände und Frauenberatungsstellen für eine Entlassung der „Pille danach“ aus der Rezeptpflicht aus.

Dem Ausschuss lagen Anträge von SPD und Linken vor, die eine rezeptfreie Abgabe des Wirkstoffs fordern. Bislang müssen sich Frauen, die nach ungeschütztem Geschlechts­verkehr eine Schwangerschaft verhindern wollen, das Präparat von einem Arzt verschrei­ben lassen. Die aktuelle Diskussion bezieht sich nicht auf den Wirkstoff Ulipristal, der ebenfalls als Notfallkontrazeptivum zugelassen ist.

Bei der Anhörung sprach sich unter anderem der deutsche Pharmazeutinnenverband (dpv) für die Rezeptfreiheit von Levonorgestrel aus. Es gebe weder medizinische noch pharmazeutische oder ethische Gründe für eine Rezeptpflicht, erklärte Gudrun Ahlers vom dpv. Die „Pille danach“ sei bereits in 28 Ländern rezeptfrei erhältlich. „Auch wir Pharmazeuten sind in der Lage zu beraten“, sagte Ahlers.

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Dank jahrelanger Aufklärungsbemühungen verhüteten viele Jugendliche zuverlässig, betonte die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Elisabeth Pott. Die „Pille danach“ werde in Deutschland häufig bei Verhütungsunfällen eingesetzt. „Das sind Ausnahmesituationen, die für einen verantwortlichen Umgang sprechen“, sagte Pott. Sie hält einen schnellen und niedrigschwelligen Zugang deshalb für wichtig.

Daphne Hahn von pro familia erklärte, den Verein erreichten täglich Berichte über Hindernisse, die Frauen beim Zugang zur „Pille danach“ überwinden müssten. Durch den bislang vorgeschriebenen Arztbesuch komme es zum Teil zu zeitlichen Verzögerungen, vor allem an den Wochenenden und an Feiertagen. „Weil die Ärzte so sehr unter Zeitdruck stehen, findet die notwendige gynäkologische Beratung kaum statt“, sagte Hahn. Und die Ärzte im Bereitschaftsdienst seien häufig nicht vom Fach.

Der Einzelsachverständige Horst Lübbert war einer der wenigen Ärzte, der für eine Freigabe von Levonorgestrel plädierte. Levonorgestrel sei nach wie vor der Maßstab in der Notfallverhütung. Der Wirkstoff habe eine „ungewöhnlich lange Sicherheits­ge­schichte“. Er werde seit 40 Jahren eingesetzt, seit 15 in der Notfallkontrazeption „ohne gravierende Nebenwirkungen“, so Lübbert.

Dagegen warnte der Heidelberger Gynäkologe Thomas Rabe vor einer Aufhebung der Rezeptpflicht. Dann entfalle die ärztliche Beratung, die aber notwendig sei, weil die hormonelle Belastung für die Frauen enorm sei und in manchen Fällen ein erhöhtes Thromboserisiko bestehe.

Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Berufsverband der Frauen­ärzte (bvf) sprachen sich gegen eine Aufhebung der Rezeptpflicht aus. Aus Sicht der KBV verbessert sich die Versorgung dadurch nicht. „Wir haben in Deutschland eine flächendeckende fachärztliche Versorgung“, erklärte Holger Grüning für die KBV. Außer­dem sollte die Anwendung medikamentöser Notfallkontrazeption durch eine qualifizierte Beratung begleitet sein. „Levonorgestrel gehört in ärztliche Hand“, so Grüning.

Auch Christian Albring vom bvf stellte die Notwendigkeit einer medizinischen Beratung in den Vordergrund. „Es gibt eine ganze Reihe von Momenten, in denen die Pille danach nicht nötig ist“, erklärte Albring. „Diese Beratung können nur Ärzte leisten.“ Auch der GKV-Spitzenverband sprach sich dafür aus, die geltenden Vorschriften beizubehalten. © HK/kna/aerzteblatt.de

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