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Medizin

Schilddrüsenkrebs: Hohe Überlebensraten bei Tschernobyl-Tumoren

Donnerstag, 25. April 2013

dpa

Würzburg – Einige Kinder, die nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vom 26. April 1986 an Schilddrüsenkarzinomen erkrankten, hatten Glück im Unglück. Die nach der Operation in der Ukraine an Kliniken in Deutschland eingeleitete Radiojod-Therapie hat sich als äußerst effektiv erwiesen. Laut der Publikation im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism (2013, doi: 10.1210/jc.2013-1059) starb nur ein Patient an den Folgen der Therapie.

Als Christoph Reiners – damals noch am Universitätsklinikum Essen tätig – 1992 auf einem Treffen der Welt­gesund­heits­organi­sation WHO in Russland von den Kindern erfuhr, die nach der Exposition mit radioaktivem Jod an Schilddrüsenkrebs erkrankt waren, stellte der Nuklearmediziner eine ungünstige Prognose. Bei den meisten Betroffenen hatte sich eine Tumorform entwickelt, die einen besonders aggressiven Verlauf zu nehmen schien.

Die in der Ukraine durchgeführten Operationen hatten die Tumoren nicht sicher heilen können. Reiners konnte 234 Kinder und Jugendliche in Essen und später am Universitätsklinikum Würzburg, deren Ärztlicher Direktor er heute ist, mit einer Radiojodtherapie behandeln.

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Sie sollte sich als äußerst effektiv erweisen. Obwohl 100 Kinder zum Zeitpunkt der Therapie bereits Fernmetastasen hatten, schlug die Behandlung fast immer an. Von 229 Kindern, deren Daten Reiners auswerten konnte, befinden sich 147 (64,2 Prozent) in vollständiger Remission. Bei ihnen sind im Jod-131-Ganzkörper-Scan keine Krankheitsherde sichtbar und nach TSH-Gabe kommt es nicht zu Hormonbildung durch eventuelle okkulte Metastasen.

Bei 69 weiteren Patienten (30,1 Prozent) stellten die Nuklearmediziner eine fast komplette Remission fest: Die Schilddrüsenhormonproduktion ließ sich nach TSH-Gabe nur minimal steigern. Nur bei 11 Patienten (4,8 Prozent) sind szintigraphisch ein oder mehrere Krankheitsherde nachweisbar. Außer bei zwei Patienten (0,9 Prozent) hat es keine klinischen Rezidive gegeben. Kein Patient ist am Schilddrüsenkarzinom gestorben. Ein Patient starb 16 Jahre nach der Radiojodtherapie an einer Lungenfibrose, die Reiners als Behandlungsfolge einstuft. Insgesamt 5 von 69 Patienten mit ausgedehnten Lungenmetastasen vor Therapiebeginn haben eine Lungenfibrose.

Alles in allem seien die Ergebnisse ermutigend für andere Strahlenopfer, so Reiners. Der Nuklearmediziner denkt dabei besonders an die Menschen, die vom Reaktorunglück 2011 in Fukushima (Japan) betroffen sind. Er rechnet übrigens nicht damit, dass es in Japan ähnlich viele Krebsfälle geben wird wie damals in der Sowjetunion: Die schnelle Evakuierung und andere Gegenmaßnahmen wie die Kontrolle der Lebensmittel, dürften seiner Einschätzung nach das Risiko für Kinder und Jugendliche rund um Fukushima stark verringert haben. © rme/aerzteblatt.de

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