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Politik

Zahl der Drogentoten auf tiefsten Stand seit 24 Jahren

Donnerstag, 25. April 2013

Mechthild Dyckmans und Jörg Ziercke dpa

Berlin – Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist im vergangenen Jahr erneut gesunken und hat den tiefsten Stand seit 24 Jahren erreicht. 2012 starben insgesamt 944 Menschen infolge des Drogenkonsums und damit 42 weniger als im Vorjahr, wie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), und das Bundeskriminalamt (BKA) am Donnerstag in Berlin mitteilten.

Sorge bereitet allerdings der steigende Konsum von sogenanntem kristallinen Methamphetamin, besser bekannt unter dem Namen Crystal. Ein zunehmendes Problem ist Crystal vor allem bei Erstkonsumenten. 2012 wurden 2.556 Menschen erstmals wegen der Droge bei den Behörden auffällig, das waren 51 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit überstieg die Zahl der Erstkonsumenten von Crystal erstmals die der Heroinkonsumenten.  

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Das Aufputschmittel Crystal Meth macht sehr schnell abhängig und ist sehr gefährlich für die Gesundheit. Für die Nervenzellen ist Crystal hochgiftig. Vor allem der Langzeit­konsum kann zu Nervenschäden, Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen, Zahnausfall, Herzproblemen, Hautentzündungen und Psychosen führen.

Insgesamt sank die Zahl der erstmals bei der Polizei aufgefallenen Konsumenten harter Drogen um acht Prozent auf 19.559. Nach wie vor starben die meisten Drogenab­hängigen dem Bericht zufolge an einer Überdosis Heroin, meist in Verbindung mit anderen Drogen oder Alkohol. Das Durchschnittsalter der Drogentoten lag bei 37 Jahren. Die Mehrzahl waren Männer, wobei die Zahl der durch Drogenkonsum gestorbenen Frauen 2012 um 33 auf 177 stieg. Dyckmans sieht dies mit „Sorge“. Es solle daher überprüft werden, ob die Hilfsangebote besser auf drogenabhängige Frauen zugeschnitten werden sollten.  

Laut BKA wurde 2012 in 3.512 Fällen Crystal beschlagnahmt – insgesamt mehr als 75 Kilogramm. Das waren 35 Kilo oder 88 Prozent mehr als im Vorjahr. Zudem fanden Polizei und Zoll 25 Prozent mehr Marihuana (4.942 Kilo) und 37 Prozent mehr Haschisch (2.386 Kilo) als im Vorjahr. Zudem wurden bundesweit 24 illegale Labore zur Herstellung synthetischer Drogen und mehr als 800 Cannabis-Plantagen ausgehoben. Die Menge des beschlagnahmten Kokains und Heroins sank hingegen im Vergleich zum Vorjahr. 

BKA-Präsident Jörg Ziercke betonte, die Bekämpfung synthetischer Drogen werde „immer wichtiger“. Vor allem die wachsenden Mengen Crystal und der zunehmende Konsum der Drogen in einigen Regionen Deutschlands müssten weiterhin streng verfolgt werden. Es gebe „nach wie vor keinen Anlass zur Entwarnung“. Bayern und Sachsen sind besonders betroffen von den Problemen mit Crystal. Die Droge wird zumeist aus dem Nachbarland Tschechien über die Grenze nach Deutschland geschmuggelt. Aber auch in anderen Bundesländern breitet sich die Droge aus. © afp/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Donnerstag, 25. April 2013, 20:37

Hausgemachtes Problem

Die Zunahme der "legal Highs" (Designerdrogen) und von Methamphetamin ist ein hausgemachtes Problem! Warum?
Ganz einfach: Durch die fehlende Möglichkeit für die Konsumenten, insbesondere der Gelegenheitskonsumenten, ihr Rauschmittel in kontrollierter Menge und Qualität legal zu erwerben, ensteht ein enormer Markt für Stoffe mit der erwünschten Rauschwirkung, die noch nicht als Drogen gelistet sind. Dosierung, Toxizität, unerwünschte Wirkungen, Spätfolgen - alles unbekannte Eigenschaften der Substanzen.
Der Siegeszug von Crystal? Gleiches Schema: Methamphetamin ist etwa doppelt so wirksam wie "normales" Amphetamin, aber aus leichter verfügbaren Grundstoffen einfacher und billiger herzustellen...
Statt eines möglichen, kontrollierten, legalen Zugangs zu sauberen Stoffen bekannter Zusammensetzung, Dosierung und Wirkung führt die Prohibition zur Bildung und Ausweitung eines enorm lukrativen Schwarzmarkts von Stoffen unbekannter Konzentration und Zusammensetzung auf Kosten unnötiger Schädigung und Strafverfolgung der Konsumenten.
Beispiel? Alkohol-Prohibitionsland Indien:
Ohne legalen Alkohol wird schwarz gebrannter Fusel in möglichst hoher Konzentration hergestellt, vom Zwischenhandel mit allem Möglichen inklusive Universalverdünner oder Methanol gestreckt und verlängert, regelmäßig kommen bei Hochzeitsfeiern Hunderte von Gästen durch solche Mixturen ums Leben.
Ich empfehle allen die Lektüre der deutschen Ausgabe des "Blueprint for Regulation" aus den USA ("Nach dem Krieg gegen die Drogen - Modelle für einen regulierten Umgang" Hrsg Akzept e.V. 2012). Der Verein bietet auch einen kostenlosen Download an.
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