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Medizin

Darmflora macht Eier zum kardialen Risiko

Donnerstag, 25. April 2013

Cleveland – Darmbakterien können nicht nur Carnitin aus rotem Fleisch, sondern auch Lecithin aus Eiern in ein Molekül verwandeln, das Forscher im New England Journal of Medicine (2013; 368:1575-1584) mit einer beschleunigten Atherosklerose in Verbindung bringen.

Vor zwei Wochen hatte Stanley Hazen von der Cleveland Clinic im US-Staat Ohio in Nature Medicine gezeigt, wie Carnitin, das vor allem in roten Fleisch (und in einigen Nahrungsergänzungsmitteln) enthalten ist, von Darmbakterien zu Trimethylamin (TMA) metabolisiert wird, das dann – nach der Resorption durch die Darmschleimhaut – in der Leber durch flavin-haltige Monooxygenasen in Trimethylamin-Oxid (TMAO) metabolisiert wird.

In einer tierexperimentellen Studie beschleunigte TMAO die Entwicklung einer Athero­sklerose, die auch beim Menschen der gemeinsame Nenner der meisten Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. Hazen zeigte auch Wege auf, wie diese Gefahr abgewendet werden könnte.

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Zum einen ist dies durch eine Antibiotikatherapie möglich, die die Darmbakterien vernichtet – ein aufgrund der Resistenzentwicklung langfristig problematischer und vermutlich auch ineffektiver Weg. Der andere Weg wäre der Verzicht auf den Verzehr von rotem Fleisch. Dies würde nicht nur den Nachschub von Carnitin begrenzen. Wie Hazen zeigen konnte, ändert sich langfristig auch die Darmflora: Die „Fleischliebhaber“ unter den Darmbakterien werden durch andere Keime verdrängt.

Um vor TMAO geschützt zu sein, würde ein Fleischverzicht allein aber nicht ausreichen. Wie Hazen jetzt belegt, kann auch das in Eiern reichhaltig enthaltene Lecithin in TMAO verwandelt werden. Schon nach dem Verzehr von zwei hartgekochten Eiern kam es bei den Probanden zu einem Anstieg der TMAO-Konzentration im Blut, was durch die Gabe von Antibiotika verhindert werden konnte.

Ob TMAO allerdings eine Gefahr für die Gesundheit ist, kann Hazen (noch) nicht schlüssig beweisen. Seine Evidenz beruht auf der Bestimmung der TMAO-Plasmaspiegel bei 4.007 Patienten, die sich in der Cleveland Clinic einer Herzkatheteruntersuchung unterzogen hatten. Laut den von Hazen vorgestellten Daten erlitten die Patienten mit den höchsten TMAO-Werten 2,5-fach häufiger in den folgenden drei Jahren ein kardiovas­kuläres Ereignis (Hazard Ratio 2,54; 1,96-3,28). Unter der Berücksichtigung anderer Risikofaktoren schmolz die Hazard Ratio jedoch 1,43 (1,05-1,94) zusammen.

Ein endgültiger Beweis der Hypothese wäre nur durch eine Interventionsstudie möglich. Dabei müsste eine größere Zahl von Personen auf eine TMAO-senkende Therapie oder eine Kontrollgruppe randomisiert werden. Die Nachbeobachtung über einen längeren Zeitraum könnte dann klären, ob die TMAO-senkende Therapie die Zahl kardiovas­kulärer Ereignisse senkt (ähnlich wie dies für eine Statintherapie gezeigt werden konnte).

Da eine Antibiotikatherapie ausscheidet, müssten Personen mit unterschiedlichen Diäten verglichen werden. Da sich Menschen aber ungern auf bestimmte Nahrungs­gewohn­heiten festlegen lassen (schon gar nicht durch ein Losverfahren) dürfte eine solche randomisierte klinische Studie nicht einfach durchzuführen sein. © rme/aerzteblatt.de

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