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Medizin

Betatrophin: Neu entdecktes Leberhormon könnte Diabetes lindern

Freitag, 26. April 2013

Im Pankreas der Maus stimuliert das Hormon Betatrophin die Neubildung von Insulin-produzierenden Beta-Zellen (Neue zellen sind rot) /Peng Yi

Cambridge – US-Forscher haben in der Leber ein Hormon entdeckt, das im Pankreas von Mäusen die Neubildung von Insulin-produzierenden Beta-Zellen stimuliert. Laut dem Bericht in Cell (2013; 10.1016/j.cell.2013.04.008) existiert das Hormon auch beim Menschen. Eine deutsche Firma möchte die Entdeckung zur Entwicklung eines neuen Antidiabetikums nutzen.

Beta-Zellen verfügen auch im Erwachsenenalter über die Fähigkeit zur Proliferation. Während einer Schwangerschaft, vielleicht aber auch beim beginnenden Typ 2-Diabetes kann der Körper die Zahl der Insulinproduzenten im Pankreas steigern, um den vermehrten Hormonbedarf zu decken. In der Schwangerschaft benötigt der Fetus das Hormon, beim Typ 2-Diabetes muss die Insulinresistenz kompensiert werden. Ursprünglich gingen die Forscher davon aus, dass nur die vorhandenen Beta-Zellen ihre Produktion steigern. Tatsächlich kommt es aber (auch) zur Neubildung von Beta-Zellen.

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Auf der Suche nach den Steuerungsmechanismen haben Peng Yi und Mitarbeiter vom Harvard Stem Cell Institute in Cambridge/Massachusetts bei Mäusen ein bisher unbekanntes Proteohormon entdeckt, das sie Betatrophin nennen. Das Hormon wird vor allem in der Leber, aber auch im Fettgewebe gebildet und ans Blut abgegeben.

Die Wirkung von Betatrophin ist beeindruckend. Nach der Injektion des Betatro­phin-Gens in die Leber wurde bei Mäusen die Zahl der Beta-Zellen bis um den Faktor 30 gesteigert, berichten die Forscher. Die Wirkung setzte innerhalb einer Woche ein. Die Insulinproduktion wurde erhöht und der Blutzucker diabetischer Tiere normalisiert.

Die Forscher konnten das Gen für Betatrophin auch beim Menschen (auf dem Chromosom 19) nachweisen. Es könnte ohne weiteres gentechnisch hergestellt werden. Studienleiter Doug Melton glaubt, dass die monatliche Injektion des Hormons beim Menschen die körpereigene Insulinproduktion steigern und dadurch den Bedarf an antidiabetischen Medikamenten senken könnte.

Er hält es auch nicht für ausge­schlossen, dass beim Typ 1-Diabetes eine Wirkung erzielt werden kann. Dies wäre theoretisch möglich, solange die Autoimmunerkrankung nicht alle Beta-Zellen zerstört hat und eine Reserve zur Regeneration vorhanden wäre.

Die Entdeckung eines neuen Hormons hat auch die Industrie auf den Plan gerufen. Die Firma Evotec aus Hamburg hat sich bereits im März 2011 die Lizenz zur Entwicklung eines Wirkstoffs gesichert. Im letzten Jahr wurde mit Janssen eine „CureBeta“-Initiative gegründet. © rme/aerzteblatt.de

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